Champions-League-Final bald in New York?

Ein Insider spricht über laufende Gespräche, und auch die Uefa heizt die Spekulationen an.

Jubeln vielleicht bald in den USA: Gareth Bale und künftige Champions-League-Sieger.

Jubeln vielleicht bald in den USA: Gareth Bale und künftige Champions-League-Sieger. Bild: Sergey Dolzhenko/Keystone

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Der Medienunternehmer Jaume Roures ist international nicht übermässig bekannt; in Spanien aber ist er als Gründer und Vorstandsvorsitzender der Firma Mediapro ein ebenso einflussreicher wie bekannter Mann. Mediapro produziert TV- und Kinofilme (zum Beispiel Woody Allens «Vicky, Cristina, Barcelona»), es hat aber auch bei der Vergabe von Fussball-Fernsehrechten ein wichtiges Wort mitzureden.

Roures ist mit anderen Worten ein in der Industrie bestens vernetzter Mann, und insofern ist es nicht ganz unerheblich, wenn er am Montag in einem Interview mit Catalunya Ràdio behauptete, dass der wichtigste Wettbewerb des europäischen Fussballverbandes Uefa vor einer Revolution stehe: «Es wird darüber verhandelt, ein Champions-League-Finale in New York auszutragen.»

Eingebettet war diese Bemerkung in die Debatte, die Spaniens Fussball seit Mitte August in Wallung hält. Damals war bekannt geworden, dass Spaniens Fussball-Liga LFP mit einem US-Sportpromoter einen Vertrag abgeschlossen hat, der vorsieht, in den kommenden 15 Jahren jeweils eines von 380 Saisonspielen der Primera División in den USA auszutragen. Davon verspricht man sich höhere Marketingerlöse im Ausland. Die spanischen Profis, die in der Spielergewerkschaft AFE zusammengeschlossen sind, gingen auf die Barrikaden. Sie drohten mit einem Streik, falls das Auslandspiel Realität werden sollte.

Ärger mit dem Fussballverband

Auch der nationale Verband RFEF deutete an, die Pläne kippen zu wollen; er muss dafür eine Genehmigung erteilen. Mogul Roures dagegen steht den Plänen, wie die meisten spanischen Proficlubs, positiv gegenüber. Er machte wohl auch deshalb die angeblichen Verhandlungen über ein Champions-League-Finale in New York publik. Nach dem Motto: Così fan tutte, es tun eh alle. Auch wenn die Deutsche Fussball-Liga jüngst Bundesligapartien im Ausland kategorisch ausschloss.

Bei der Uefa war kein hartes Dementi einzuholen. Auf Anfrage hiess es, dass sie «immer nach möglichen strategischen Entscheidungen sucht, die ihren Wettbewerben nützen könnten». Die konkrete Frage eines Final-Umzugs in ihrem wichtigsten Wettbewerb ins nichteuropäische Ausland sei in der Tat behandelt worden, wenn auch «sehr informell». Und: «Derzeit» gebe es «keine konkreten Pläne», die Champions League ausserhalb Europas auszutragen. Doch wer die Entwicklung und die Expansionsgelüste der grossen Vereine und Verbände kennt, sollte wohl damit rechnen, dass ein solches Modell früher oder später zu einem sehr konkreten Thema werden dürfte. Spätestens wenn ein Angebot auf den Tisch flattert, das finanziell hinreichend obszön ist.

Girona und Barça winken Prämien in Millionenhöhe

Das muss im Falle der spanischen Liga wohl bereits so sein. Die LFP scheint jedenfalls besessen von der Idee, im Januar ein Ligaspiel in den USA stattfinden zu lassen. Konkret geht es um das katalanische Derby zwischen dem FC Girona und dem FC Barcelona. Die LFP will die Fans von Girona mit 1500 Flugtickets in die USA und 5000 Freikarten für das Rückrundenspiel beim FC Barcelona ködern. Den beteiligten Clubs wiederum winken Prämien von jeweils 4,5 Millionen Euro.

Dem Vernehmen nach lehnen die Spieler des FC Barcelona das Ansinnen ab. Die Mannschaftskapitäne Gerard Piqué und Sergio Busquets hatten sich hinter den Streikaufruf gestellt. Das Kader des FC Girona hingegen soll einer US-Reise positiv gegenüberstehen. Die LFP wiederum versucht, auch die Spielergewerkschaft einzufangen. Sie bietet arbeitslosen spanischen Profis ein zweiwöchiges Trainingslager in den USA an, auf dass sie bei US-Clubs vorspielen können. Widerstand aber gibt es weiterhin seitens des Verbandes RFEF. Bisher jedenfalls. (landbote.ch)

Erstellt: 11.09.2018, 16:32 Uhr

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