Fussball

Das 0:5 in der grössten Stunde

Der FC Vaduz erhielt an einem Tag selbst im grossen Fussballland Deutschland sehr viel Aufmerksamkeit.

«Rückkehr» nach Vaduz: Der Rheintaler Adi Hütter, Trainer
von Eintracht Frankfurt.

«Rückkehr» nach Vaduz: Der Rheintaler Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt. Bild: Freshfocus

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Natürlich muss der – bisher zweimalige – Aufstieg in die Super League für den FC Vaduz von nachhaltigerer Bedeutung gewesen sein als dieses eine Spiel am Donnerstag. Und doch: Dieser Auftritt des Bundesligaclubs Eintracht Frankfurt im Rheinpark war nicht nur der verdiente Lohn für zwei Erfolge gegen Breidablik Kopavogur aus einer Reykjaviker Vorstadt. Und gegen den FC Vidi aus Szekesfehervar, den ungarischen Cupsieger, der immerhin das Liebkind des Ministerpräsidenten Viktor Orban ist. Es war eine einmalige Sache, es war das grösste Spiel in der Geschichte des FC Vaduz.

Denn es trat ja nicht einfach ein Bundesligist auf, sondern die Eintracht, die sich in der vergangenen Saison in der Europa League bis in die Halbfinals gespielt hatte. Deren Fans zu Zehntausenden durch Europa mitgereist waren und eine Woche vor der Fahrt ins «Ländle» das heimische Stadion zum Auftritt eines «Kleinen» wie Flora Tallinn aus Estland bis auf den letzten der 48000 Plätze gefüllt hatten. Und die danach die tapferen Esten minutenlang gefeiert hatten, was europaweit gewürdigt worden war. Und dann kam mit der Eintracht eine Mannschaft nach Vaduz, die von Adi Hütter trainiert wird, einem Rheintaler, aufgewachsen in Hohenems eine halbe Stunde entfernt vom Vaduzer Fürstenschloss. Später war er Spieler und Trainer in Altach, dem Fürstentum noch ein paar Kilometer näher.

Ein Anlass ohne Misston

Die offizielle Delegation der Eintracht logierte im Fünfsternpalast in Bad Ragaz, die Fans reisten im Laufe des Spieltags an. 2000 werden es am Ende sicher gewesen sein, die das Ländle tagsüber bevölkerten und abends den erwarteten Sieg ihrer Mannschaft feierten. Es war ein Anlass ohne jeden Misston. Der Frankfurter Anhang schätzte, willkommen zu sein – anders als im vergangenen Jahr in Weltstädten wie Rom. Er wurde im kleinen Stadion nicht hinter Gittern abgeschottet, er war dem Geschehen nahe – und blieb ihm doch so fern, dass sich niemand gestört fühlte. Die Frankfurter standen, selbst wenn sie schon manches Bier intus hatten, beim Wurststand an wie alle andern. Sie standen bei den Toi-Toi-Kabinen an. Es war ein Tag der guten Laune. Ohne Misston.

In den Frankfurter Zeitungen erhielten die kleinen Vaduzer Raum wie sonst nur grosse Bundesligisten. Hervorgehoben wurde, natürlich, der einzige aus dem liechtensteinischen Fussball, den die Frankfurter Journalisten finden konnten: Mario Frick, der Trainer, der Rekordinternationale Liechtensteins mit seinen 125 Länderspielen. Der dementsprechend «Lothar Matthäus von Liechtenstein» genannt wurde (oder sich gar selbst nannte). Eine gewisse Prominenz erreichte auch noch der Mittelfeldspieler Milan Gajic, denn ihn erwähnte Hütter immer wieder, weil er doch bei den Young Boys eine Zeit lang unter ihm gespielt habe. Und natürlich hob Hütter im Versuch, dem Gegner auch mit Blick auf seine Fussballer etwas Gewicht zu verleihen, hervor, dass er als Trainer in der Schweiz viermal mit den Young Boys im Rheinpark angetreten sei und nie gewonnen habe.

«Die beste Mannschaft …»

Gajic spielte dann, weil angeschlagen, nicht. Und natürlich wars auch nichts mit einer Fortsetzung dieser Serie Hütters. Schon nach elf Minuten stands nach einem Patzer von Torhüter Benjamin Büchel 0:1; bis zur Pause 0:3; am Schluss 0:5. Die Vaduzer verteidigten willig, und einmal bot sich ihnen gar eine sehr reelle Chance zu einem Tor. Aber Mohamed Coulibaly zögerte zu lange. «Sie waren sehr gut eingestellt und sind schon professionell aufgetreten», sagte hinterher auch der Vaduzer Stürmer Manuel Sutter. «Sie haben gleich gezeigt, dass sie uns ernst nehmen wollen.» Gelson Fernandes, der Schweizer der Eintracht, betonte das schon nach wenigen Minuten mit einem Einsatz gegen Sandro Wieser, der mit einer Verwarnung bestraft wurde.

«Die Eintracht war schon die beste Mannschaft, gegen die ich je ein Pflichtspiel gespielt habe», sagte Manuel Sutter. Die Spieler hätten auch keinerlei Hochnäsigkeit gezeigt. «Und wir haben uns nach dem Sieg gegen die Ungarn schon sehr, sehr gefreut auf diesen Match.» Er selbst blieb bei Halbzeit wegen muskulärer Probleme «freiwillig in der Kabine». Ob er morgen gegen den FCW, für den er bis im vergangenen Dezember selbst spielte, bereit ist, kann er noch nicht sagen.

Platz 5 – Ziel im Alltag

Gegen die Winterthurer geht es ja wieder darum, die alltäglichen Ziele zu erreichen. Und die sind: «Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte soll es schon sein.» Diese Klassierung war schon vergangene Saison, der ersten ohne erklärte Absicht, die Rückkehr in die Super League anzustreben, das Ziel gewesen. Es wurde aber verpasst, am Ende ganz knapp: Fünfter wurde der FC Wil, punktgleich, aber um acht Tore besser als Vaduz. Zum Vierten, dem FCW, fehlten den Liechtensteinern 14 Punkte, der Abstiegsplatz dagegen war lange bedrohlich nahe.

Der Match gegen den FCW mag wichtig sein, für Sutter, Frick und all die andern. Im Kopf haben sie gewiss auch in den nächsten Tagen vor allem die Eintracht. Auch das Auswärtsspiel wird zu einer einmaligen Sache, wieder wird das Stadion mit 48000 Zuschauern voll sein – mit 10000 mehr, als Liechtenstein Einwohner hat. Vielleicht werden dann auch die Vaduzer wieder gefeiert wie jüngst die Tallinner. Mehr kann international nicht erreichen, wer im Ländle Fussball spielt. Schon gar nicht im Alltag der Challenge League mit Spielen eben gegen den FCW.

Erstellt: 09.08.2019, 21:15 Uhr

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