Fussball

Das Wort zum Wochenende: Reaktion

Der FCW hat ein 0:6 in der Liga zu verarbeiten. Der FC Vaduz hat einen grossen Auftritt im Europacup hinter sich. Am Sonntag treffen sie sich im Rheinpark punktgleich in der Meisterschaft.

Im Februar noch Gegner, jetzt Teamkollegen: Nils von Niederhäusern (links, damals beim FC Vaduz) und Winterthurs Luca Radice.

Im Februar noch Gegner, jetzt Teamkollegen: Nils von Niederhäusern (links, damals beim FC Vaduz) und Winterthurs Luca Radice. Bild: Madeleine Schoder

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In der Tabelle der Challenge League stehen Winterthurer und Vaduzer nach drei Runden gleichauf, mit je einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage. Das ist nicht schlecht, zumal beide Teams zweimal auswärts spielten; aber es ist auch nicht wirklich gut. Wer morgen gewinnen sollte, könnte mit sieben Punkten wieder von einem guten Start sprechen. Wer verliert, kann es nicht.

Vor allem aber gilt dies: Unterschiedlicher hätte die vergangene Woche kaum sein können für den FCW und den FC Vaduz. Beim einen leckten sie sich nach der höchsten Heimniederlage seit fast drei Jahrzehnten, dem 0:6 gegen Lausanne-Sport, ihre Wunden und werden sie von Verletzungsproblemen geplagt, die allmählich ernsthaft zu nennen sind. Die andern haben einige der schönsten Tage der Vereinsgeschichte hinter sich, jedenfalls die international bedeutendsten mit dem Gastspiel des grossen Bundesligisten Eintracht Frankfurt in der Europa League.

Callà und Hajrovic: Die Pause wird immer länger

Der FCW trainiert seit ein paar Tagen nicht auf der Schützenwiese, sondern in der beschaulichen Abgelegenheit des Reitplatzes. Die Bedingungen dort sind in Ordnung, sicher auf jedenfalls, solange das Wetter mitmacht. Und klar ist, was morgen im Ländle folgen muss: eine Reaktion. Die Mannschaft muss, egal in welcher Besetzung, anders, defensiv aggressiver auftreten als gegen Lausanne. Ein anderes Wort, das zur Lage passt: Es wird ein Charakterspiel. Denn die Mannschaft kann – wieder – nicht in Bestbesetzung antreten. Es fehlen ihr weiterhin der Captain Nummer 1, Davide Callà, und der Captain Nummer 3, Sead Hajrovic. Es fehlen der Leader in der Offensive und der Abwehrchef. Es sind die andern, die zumindest teilweise ausreichend Erfahrung dafür haben, gefordert. Gut genug, um in Vaduz zu bestehen, müsste die Mannschaft noch immer besetzt sein.

Ralf Loose, der FCW-Trainer aus Dortmund mit Wohnsitz nahe dem Vaduzer Rheinpark, hat in seiner Analyse des Debakels gegen Lausanne den «miserablen Personalstand» erwähnt, der den Optimismus nach Vorbereitung und spielerisch starkem Startmatch und Sieg bei Stade Lausanne-Ouchy dämpfte.

Dieser Personalstand ist in den Tagen seither nicht erfreulicher geworden: Callàs Wadenprobleme aus der Startrunde gegen Aarau sind weiterhin nicht behoben, von nochmals drei Wochen Pause ist die Rede. Auch Hajrovics Probleme mit der Schilddrüse zögern ein Comeback hinaus. Kommt hinzu, dass nun auch Mario Bühler auszufallen droht. Den erst drei Tage vor dem Startspiel verpflichteten Luzerner Innenverteidiger zwickt es im Rücken. Er musste teilweise mit dem Training aussetzen.

Granit Lekajs Rückkehr nach vier Monaten

Die positive Nachricht der ersten Tage im Reitplatz ist, dass mit Granit Lekaj der routinierteste Verteidiger im Kader nach überstandener Schambeinentzündung wieder regulär mit der Mannschaft trainierte. Auf ihn kann und wird Loose also zurückgreifen. Allein, es werden fast auf den Monat genau vier Monate seit Lekajs letztem Meisterschaftsspiel sein. Das sind nicht die Voraussetzungen, schon wieder Topform zu haben. Aber es ist kein Hindernis, das zu zeigen, was an Tagen wie diesen in Vaduz eben zu zeigen ist: eine Reaktion und Charakter.

Nils von Niederhäusern, Gabriel Isik, Lekaj, Enrique Wild – so dürfte die Abwehr aussehen. Es wäre im vierten Spiel die vierte unterschiedliche Besetzung. Auch das ist ein Grund, warum die Winterthurer Defensive zuletzt nicht den Eindruck hinterliess, für höhere Aufgaben geeignet zu sein. Wichtig wird aber auch sein, dass die «Doppelsechs» anders auftritt als gegen Lausanne. Mit einem Gjelbrim Taipi, der defensiv seriöser und einfacher spielt, und einem Ousmane Doumbia, der nicht glaubt – oder deshalb glauben muss – alles alleine machen zu müssen. Und dann auch noch Fehler begeht.

In der Offensive, das immerhin, hat Loose zur Verfügung, was das Kader hergibt. Das ist zweifelsfrei gut, wie selbst gegen Lausanne-Sport zu sehen war. Abgesehen von der damals mangelnden Abschlussqualität vor allem von Luka Sliskovic. Allerdings muss der Captain Nummer 2, Luca Radice, damit leben, dass ihm die Konkurrenz näher rückt, wenn er nicht besser spielt als zuletzt. In der Offensive hat Loose auch Alternativen.

Allein, über den Erfolg morgen in Vaduz wird in erster Linie die Defensivarbeit entscheiden. Und der Willen zur Reaktion. Der Charakter eben.

Erstellt: 09.08.2019, 21:40 Uhr

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