Fussball

Den «gereiften» Favoriten fordern

Zum Start ins zweite Saisonviertel tritt der FCW beim Leader und Aufstiegsfavoriten Lausanne-Sport an. Zumal nach dem 0:6 im Heimspiel tut er das als Aussenseiter, der aber mit dem Selbstvertrauen aus zwei Siegen nicht chancenlos sein muss.

Eine 0:6-Heimniederlage erlitt der FCW (links Rijad Saliji) Anfang August gegen Lausanne (Per-Egil Flo).

Eine 0:6-Heimniederlage erlitt der FCW (links Rijad Saliji) Anfang August gegen Lausanne (Per-Egil Flo). Bild: Nathalie Guinand

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Für Ralf Loose, den Trainer des FCW, sind die 14 Punkte seiner Mannschaft aus den ersten neun Runden «sehr in Ordnung». So kurz und bündig drückt er sich aus. Seine Sicht auf die Dinge und seine Stimmungslage ist ja auch wieder positiver nach den letzten Siegen, dem 2:0 in Chiasso und dem 3:1 im Derby gegen Schaffhausen. In der vergangenen Saison, der ersten unter dem Dortmunder Loose, hatte der FCW zur gleichen Zeit ebenfalls 14 Punkte, bis zum Schluss blieb es bei diesem Schnitt. Mit 56 Zählern wurde er schliesslich Vierter, die Saison gilt als Erfolg.

Servette als Beispiel …

Platz 5 mit sechs Punkten Rückstand auf den Leader ist der tabellarische Ertrag für diese 14 Punkte – nach teils guten Leistungen, aber auch Aussetzern wie dem 2:3 in Kriens und dem 0:3 daheim gegen Wil, dazu dem vor allem in der Höhe unangenehmen 0:6 gegen Lausanne. Zum ersten Viertel gehört eben auch das 2:0 im Cup gegen St. Gallen. Was aus Platz 5 mit sechs Punkten Rückstand nach einem Viertel werden kann, zeigt der Blick auf die vergangene Saison: Damals war Servette in genau dieser Position. Man erinnert sich, am Saisonende stiegen die Genfer auf.

Es ist also einiges möglich, über die Qualität der FCW-Saison ist Anfang Oktober noch nicht zu befinden. Und so sieht die Achse der Mannschaft die Lage, von Torhüter Raphael Spiegel bis Sturmspitze Roman Buess – die Einzigen, die alle der ersten elf Pflichtspiele (neun in der Liga, zwei im Cup) von der ersten bis zur letzten Minute mitmachten.

Torhüter Raphael Spiegel (11 Spiele über 90 Minuten): «14 ist eine gute Punktzahl, allerdings immer mit dem Ziel, dass dies das Minimum ist. Wir haben etwas Zeit gebraucht, aber ich bin überzeugt: Wir können diese Punktzahl für ein Viertel regelmässig toppen – und dann haben wir eine gute Saison gespielt. Ich sehe die Mannschaft auf einem guten Weg dazu.»

Innenverteidiger Sead Hajrovic (6-mal 90 Minuten, 5-mal gesundheitsbedingt abwesend): «Die Punktzahl ist gut, die Leistung weniger. Es gab ja auch Spiele, etwa in Vaduz und gegen GC, in denen wir punkteten, die wir auch hätten verlieren können. Aber wir haben immer Moral gezeigt und uns aus den Tiefs gearbeitet. Spiele wie gegen Kriens und Wil darf es nicht mehr geben. Aber wir sind eine gute Mannschaft, sicher eine für die ersten vier.»

«Sechser» Ousmane Doumbia (immer in der Startelf, zweimal angeschlagen ausgewechselt): «Wir haben einige leichte Punkte vergeben. Das war schon ein wenig zwiespältig. Aber positiv ist, dass wir zuletzt den Kopf wieder gehoben haben und dass wir eine gute Mentalität in der Mannschaft haben. Auch wenn es nicht läuft, gibt es keine Vorwürfe untereinander. Ja, wir sind eine gute Gruppe.»

Topskorer Luka Sliskovic (11 Starts, 5-mal ausgewechselt): «Es hätten schon zwei, drei Punkte mehr sein können. Es war ein Auf und Ab – die letzten beiden Spiele in Chiasso und gegen Schaffhausen haben uns gerettet. Da haben wir Laufbereitschaft gezeigt, das war wichtig für Kopf, Teamgeist und Selbstvertrauen. Wir haben noch Luft nach oben, die Verletzten fehlten schon ein bisschen. Aber unter die ersten vier muss es sicher reichen.»

Sturmspitze Roman Buess (11 Spiele über 90 Minuten): «Nach Punkten ist dieses Viertel okay, nicht mehr und nicht weniger. Wir hätten nicht mehr verdient. Es widerspiegelt also das Gezeigte, allerdings nicht unser Potenzial, unser Können. Das ist höher. Wir haben hohe Erwartungen auch ans uns selber. Aber das nützt nichts, wenn wir es nicht auf den Platz bringen. Eine Ausrede soll es nicht sein, aber die Absenzen waren schon auch gewichtig. Jetzt kommt auch der Captain zurück, was wichtig ist. Und jetzt müssen wir auf Dauer zeigen, was wir können.»

Es ist also von realistischer Sichtweise zu reden. Der FCW ist, zumal spielerisch und in der Offensive, ein gutes Team, aber er hat noch nicht mit der gewünschten Konstanz gespielt. Die teils gewichtigen Absenzen sind als ein Grund zu sehen. Captain Davide Callà, der unbestrittene Leader, fiel nach einer Stunde des Startspiels aus und steht heute, zweieinhalb Monate später, erstmals wieder im Kader; Abwehrchef Sead Hajrovic verpasste die Hälfte des Programms; Granit Lekaj und Luca Radice fehlten anfangs; Mario Bühler und Gjelbrim Taipi waren als sehr kurzfristige Transfers zu integrieren.

Dazu stellte sich die Ablösung des als Partner Doumbias in der Doppelsechs nach Luzern zurückgekehrten Remo Arnold als Knackpunkt für den Trainer heraus. Im Moment gilt: Nicht Doumbia/Taipi, sondern Doumbia/Lekaj ist erste Variante. Aber das kann sich bald ändern. Lekaj ist nach eine nächsten Verwarnung gesperrt.

Dennoch darf es bei der Wertung bleiben: Der FCW hat grundsätzlich ein gutes Kader, Platz 4, eine Klassierung in der weiteren Spitzengruppe, ist als realistisches Ziel zu sehen – auch wenn es mit dem Tabellenfünften nach dem ersten Viertel 2019 nicht kommen muss wie mit dem vor einem Jahr: dass er aufsteigt. Da dürfte schon Lausanne-Sport davorstehen, das schon vor einem Jahr Favorit Nummer 1 war und dann nicht nur gegen Servette den Kampf um den Aufstieg verlor, sondern in letzter Sekunde sogar jenen gegen Aarau um einen Platz in der Barrage.

Contini: «Reifer geworden»

Auch aus den Erfahrungen, die Trainer Contini und sein Team aus diesen Rückschlägen zogen, schöpfen die Waadtländer nun die Zuversicht, im zweiten Anlauf das Ziel Aufstieg zu erreichen. Mit drei Punkten Vorsprung Leader zu sein, ist gut, heisst aber noch nicht viel. Contini sieht es so: «Mit vier Punkten mehr als vor einem Jahr und mehr Sicherheiten zum Spiel der Mannschaft», könne er nicht anders als zufrieden sein. Es würden zwar weiterhin Spiele kommen, die nicht glücken, wie zuletzt beim 0:3 gegen Stadtrivale Stade Lausanne-Ouchy oder mit den verschenkten Punkten beim 2:2 nach 2:0 in Wil, denkt Contini. Aber dann sagt er auch: «Machen wir im selben Rhythmus weiter, kommen wir auf 80 Punkte – und dann wird uns der Aufstieg nicht entgehen.» Er ist auch überzeugt, «dass wir heute reifer sind». Und damit dem Erwartungsdruck besser gewachsen. Der Stil ist ja auch eindeutig zupackender geworden.

Das 6:0 auf der Schützi war ein wichtiger Markstein auf Lausannes Weg durchs erste Viertel. In der vergangenen Saison schossen die Waadtländer in den Heimspielen gegen den FCW neun Tore, mal bei einem 5:1 im November, als Contini erstmals auf seine junge Garde setzte. Mal im Frühjahr bei einem 4:1, das allerdings überhaupt nicht dem Spielverlauf entsprach. Letztmals auf der Pontaise gewonnen hat der FCW im Mai 2016, als er Lausannes Aufstiegsfeier mit einem 4:1 «veredelte». Die Trainer hiessen damals Fabio Celestini in Lausanne und Sven Christ, zwei der FCW-Tore schoss Christian Fassnacht, mittlerweile Meister- und Nationalspieler.

Die Extreme heute sind übrigens diese: Als Verlierer fährt der FCW mit neun Punkten Rückstand nach Hause, als Sieger noch mit drei. Und zufrieden wäre man, es bliebe bei sechs.

Erstellt: 03.10.2019, 22:03 Uhr

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