Fussball

Der FCW kann doch noch siegen

Eine Doublette Luka Sliskovics, dessen zweite als «Winterthurer», trugen dem FCW einen 2:0-Heimsieg gegen den Absteiger aus Wohlen ein. Der FCW begann mühevoll, steigerte sich in der Pause deutlich und hätte schliesslich wesentlich deutlicher gewinnen müssen.

Der FCW im Vorwärtsgang: Luka Sliskovic (links, im Zusammenspiel mit Luca Radice) erzielte beide Tore.

Der FCW im Vorwärtsgang: Luka Sliskovic (links, im Zusammenspiel mit Luca Radice) erzielte beide Tore. Bild: Madeleine Schoder

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Das Spiel vom Montag in Rapperswil, mehr noch die Leistung zu diesem 1:3 als das nackte Resultat, bewogen FCW-Trainer Livio Bordoli zu Umstellungen, die weit über eine normale Rochade in einer anspruchsvollen Woche mit drei Spielen in sechs Tagen hinausging. Im Vergleich zu Rapperswil begannen gegen Wohlen sieben Neue, und nur ein Spieler, der spanische Innenverteidiger Jordi Lopez, stand wieder auf derselben Position. Die andern zehn Rollen waren anders besetzt.

Ein Patzer, dann die Steigerung

Es begann, wie erwartet, im Tor, wo Debütant Bojan Milosavljevic, der im Juli 20 wird, den zuletzt allzu fehlerhaften Matthias Minder ersetzte. Es ging weiter in der Abwehr, wo wieder mal Leandro Di Gregorio den Rechtsverteidiger gab, der Ivorer Ousmane Doumbia erstmals einen Innenverteidiger. Dazu war Kofi Schulz wieder Linksverteidiger statt ein Flügelmann in der Offensive. Das zentrale Mittelfeld besetzten Kreso Ljubicic, Nikola Milosavljevic und Rijad Saliji (statt Doumbia, Karim Gazzetta und Luca Radice); auf den Flügeln standen Dario Ulrich und Radice (statt Kwadwo Duah und Schulz); Sturmspitze war Sliskovic und nicht Silvio. Zwei aus der Startelf von „Rappi“ wurden nicht auf die Ersatzbank, sondern gar auf die Tribüne versetzt. Es waren Verteidiger Denis Markaj und Duah, die den Trainer am Obersee besonders verärgert hatten.

Das Ergebnis: Der FCW hätte schon nach 30 Sekunden in Rückstand geraten können, als Taulant Seferi alleine vor Bojan Milosavljevic auftauchte – und scheiterte. Die Wohlen hatten bis zur Pause mehrere weitere Chancen, und man musste um den Gemütszustand des neuen Torhüters fürchten, als er nach einer guten Viertelstunde einen hohen Ball vor die Füsse des Wohler Routiniers Igor Tadic fallen liess. Milosavljevics Glück: Lopez stand auf der Torlinie und wehrte den Ball ab. Und noch besser für den FCW war, dass er eine Minute später gar in Führung ging, nach seinem ersten nennenswerten Angriff: Di Gregorio spielte einen weiten Ball, den Sliskovic vor Torhüter Flamur Tahiraj erwischte – Lob, 1:0.

Bis zur Pause war das Spiel des FCW nicht wirklich überzeugend. Er sei bei Halbzeit «sehr unzufrieden gewesen», sagte Bordoli hinterher. Immerhin, ordentlich war der Einsatz, und allmählich wurde das Spiel der Mannschaft geordneter. Das galt dann eindeutig in der zweiten Halbzeit, in der sich die Winterthurer zumindest so viele Chancen herausspielten, dass sie mehr als das zweite Tor Sliskovics hätten herausholen müssen. Sliskovic traf nach 66 Minuten nach einem Zuspiel des eingewechselten Gazzetta. In weiteren Szenen wäre es gar einfacher gewesen, Tahiraj zu überwinden – auch wenn der zwei-, dreimal sehr stark abwehrte. Aber Radice, Gazzetta und am Schluss auch noch Silvio scheiterten aus so wenigen Metern am Goalie, dass man das beinahe für unmöglich hielt.

Job Toreschiessen

Mit den zweiten 45 Minuten war der Trainer also zufrieden, «zumal wir ja nur zwei Tage in der neuen Besetzung trainieren konnten.» Dass Sliskovic – endlich – seine Tore zwei und drei in dieser Saison schoss, führte Bordoli darauf zurück, «dass er diesmal auch Stürmer war und sich nicht immer zurückfallen liess.» Er habe ihm, sagte Bordoli, erklärt: «Dein Job ist es Tore zu schiessen» – und nicht im Mitteleld jedem Ball hinterherzulaufen. So schaffte der 23-jährige mit österreichischem Pass zum zweiten Mal eine Doublette für den FCW, fast auf den Tag genau ein Jahr nach der ersten, bei einem 4:1 gegen Le Mont.

Zu Einzelleistungen ist sonst noch zu sagen: Milosavljevic leistete sich nach dem bösen Bock noch eine zweite Unsicherheit, aber allmählich war er im Spiel. Er blieb ungeschlagen, also war sein Debüt in Ordnung. Der Trainer rühmte vor allem Di Gregorio, der in der Tat offensiv einige Szenen hatte wie zu seinen besten Tagen in Bordolis Aufstiegsmannschaft des FC Lugano. Beispielsweise in der 50. Minute, als er mit einer perfekten Flanke Radice in Abschluss brachte. Es war jene Szene, als Tahiraj Radices Direktabnahme aus drei Metern abwehrte. Allerdings liess Di Gregorio in der Defensivarbeit in der ersten Halbzeit doch zwei-, dreimal zu viel zu.

Das neue Abwehrzentrum

Nach Anlaufschwierigkeiten fand sich das neue Innenduo Doumbia/Lopez immer besser zurecht. Dass Doumbia, im Prinzip ein „Sechser“, auch die Rolle in der Abwehr gut spielen kann, weiss man seit seiner Zeit bei Servette. Seine Beine sind im Zweikampf flink, sein Timing im Kopfballspiel ist gut. Im Mittelfeld spielten Ljubicic und Nikola Milosavljevic passabel; Radice war deutlich wirkungsvoller als in Rapperswil; Gazzetta war nach seiner Einwechslung für Saliji eine Verstärkung, denn der Youngster zog einen unglücklichen Tag ein. Ulrich, erstmals in diesem Jahr in der Startelf, hatte offensiv gute Szenen, wurde allerdings zu wenig berücksichtigt. Defensiv gefiel er dem Trainer nicht.

Das Ergebnis liess sich also sehen. Nach drei Niederlagen in Folge siegte der FCW endlich mal wieder; erst zum vierten Mal in dieser Saison blieb er ohne Gegentor. Die ein weiteres Mal erstaunlich vielen Zuschauer mussten diesmal auch die Einsatzbereitschaft nicht anzweifeln. Aber natürlich war der Gegner, der nun 19 Spiele hintereinander nicht gewinnen konnte, auch für Aufbauhilfe geeignet. Er nutzte seine Chancen nicht, als der FCW noch auf der Suche nach Zusammenhang war. Und er war zu schwach, noch gleichwertig zu sein, als der FCW diesen einigermassen gefunden hatte.

Schon am Sonntag spielen die Winterthurer wieder auf der Schützenwiese, gegen den FC Wil. Bordoli hat also nur wenig Zeit zu eruieren, wie weit er wieder rochieren will oder ob er, beispielsweise, bei dieser Abwehr bleibt und bei diesem Torhüter. Die Vorgabe ist ja klar: Es endlich einmal in dieser doch ziemlich verkorksten Saison zu schaffen, einen ersten Sieg mit einem zweiten zu bestätigen. Eine „Serie“ von zwei Siegen, so bescheiden dies auch ist, hat der FCW noch nicht erreicht. Nicht im Herbst nach den zwei Siegen – jeweils gegen Wil – unter Umberto Romano. Nicht im Frühjahr nach den ersten zwei Siegen unter Bordoli gegen Vaduz und in Wohlen.

Erstellt: 19.04.2018, 23:42 Uhr

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FC Winterthur – FC Wohlen 2:0 (1:0)

Schützenwiese. – 2600 Zuschauer. – SR Piccolo. – Tore: 17. Sliskovic 1:0. 66. Sliskovic 2:0. – FCW: Bojan Milosavljevic; Di Gregorio, Doumbia, Lopez, Schulz; Ljubicic; Ulrich (59. Nsumbu), Saliji (65. Gazzetta), Nikola Milosavljevic, Radice; Sliskovic (78. Silvio). – Wohlen: Tahiraj; Romano, Elvedi, Bicvic, Gudelj Aliu (87. Marjanovic); Foschini, Schultz; Taulant Seferi; Pacar (70. Sulejmani), Tadic (63. Pasquarelli). – Bemerkungen: FCW ohne Katz, Roth, Sutter (verletzt), Markaj und Duah (nicht im Aufgebot); erster Einsatz von Ambre Nsumbu (20) für den FCW; erstes Challenge-League-Spiel von Bojan Milosavljevic (19). – Wohlen ohne Muhamed Seferi und Kleiner (verletzt). – 78. Tahiraj lenkt Schuss Gazzettas an die Latte. 84. Aliu wehrt Schuss Ljubicics auf der Torlinie ab. – Verwarnungen: 85. Elvedi und Gazzetta (Unsportlichkeiten).

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