Fussball

Der FCW verliert das Podest aus den Augen

Nach seinem 1:4 in Lausanne und Aaraus Sieg in Genf ist der FCW definitiv vom Podest der Challenge League gefallen. Und heute muss er mit der Kunde rechnen, er erhalte zumindest in erster Instanz die Lizenz für die Super League nicht.

Die Schützenwiese scheint den Ansprüchen für die Super League noch nicht genügen zu können.

Die Schützenwiese scheint den Ansprüchen für die Super League noch nicht genügen zu können. Bild: Heinz Diener

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Der FCW hat auf Platz 2 überwintert, nach Runde 27 stand er immer noch auf Platz 3, also auf dem Podest. Doch damit ist es nun, nach 31 Runden, wohl definitiv vorbei: Zuerst vergaben die Winterthurer mit dem 1:4 am Freitag in Lausanne ihre letzte kleine Chance, nochmals in den Kampf um die Barrage einzugreifen. Tags darauf liess Aarau den kleinen Coup folgen, mit einer Doublette in der 68. und der 73. Leader Servette in dessen Stadion 2:1 zu schlagen – nach mehr als einer Stunde, die von den Genfern nahezu ungehindert beherrscht worden war. Die Aarauer wahrten damit ihrerseits die letzte Chance auf den Aufstieg, vom FCW trennen sie nun aber schon sieben Punkte und zwölf Tore. Ihre neuste Rechnung: Am Samstag daheim gegen Lausanne gewinnen und den Rückstand auf zwei Punkte zu reduzieren. Es waren mal 16…

Die Entwicklung des FCW lässt sich dagegen auch aus diesen Zahlen ablesen: Im Herbst holte er aus sechs Treffen mit den drei «Grossen» neun Punkte. Im Frühjahr waren es – in je drei dicht gedrängten Hin- und Rückspielen seit Anfang März – noch zwei. Für Unentschieden gegen Lausanne und in Aarau. Kein Zweifel, der FCW ist nicht mehr die Mannschaft, die er während gut der Hälfte der Saison war. Es waren der Ausfälle zu viele in den letzten Wochen, aber er ist ganz grundsätzlich nicht mehr dasselbe Team. Er hat nicht mehr die Kampfbereitschaft, den Biss vor allem des Herbsts. Er hält, das ist die aktuelle Zwischenbilanz, schlicht nicht durch.

Kein Rot, zweimal Abseits

Aber er kann den zuletzt etwas verblassten Eindruck doch noch deutlich aufbessern, mit guten Resultaten gegen fünf «Kleinere» in den letzten fünf Runden. Dies ist auch eine Frage des Charakters, der doch so lange Zeit zu Recht gerühmt werden durfte. Diese Wochen sind auch die Zeit vertiefter Kaderplanung, manche Frage ist noch offen, nicht zuletzt zur Zukunft von Leihspielern wie Remo Arnold, Taulant Seferi oder Roberto Alves. Sie sind allesamt Teamstützen.

Zum Match in Lausanne, der kein schlechter, aber auch kein zwingender Auftritt war, sei der Korrektheit halber doch nochmals erwähnt, dass dem FCW einiges an Schiedsrichter-Ungemach widerfuhr. Das war ein bisschen viel, auch wenn die FCW-Oberen wie Sportchef Oliver Kaiser oder der ohnehin fatalistisch veranlagte Trainer Ralf Loose grundsätzlich anerkennen, Barrage-Favorit Lausanne sei die bessere Mannschaft gewesen, die den Match schon vor der Pause statt mit einem 1:0 mit einem deutlicheren Ergebnis hätte entscheiden können. Aber als der Schiedsrichter eingriff, stands eben 1:1 und war der FCW nicht nur nach diesen Zahlen gleichauf.

Zur Fortsetzung ist anzumerken: Der Platzverweis Ousmane Doumbias nach einem «gewöhnlichen», von Ref Luca Piccoli offensichtlich überbewerteten Foul an Alexandre Pasche war nicht gerechtfertigt. Als Dan Ndoye ein paar Minuten später mit einem Flachschuss in die nähere Ecke zum 3:1 Goalie Raphael Spiegel erwischte, war dessen Blickfeld eindeutig und deshalb strafbar beeinträchtigt durch João Oliveira. Der stand gleich vor ihm mitten in der Schussbahn, und zwar in – damit strafbarer – Abseitsposition. Aus Abseitsposition startete kurz vor Schluss auch Roman Buess, ehe er im Strafraum von Spiegel penaltyreif gefoult wurde.

Vor Nein zur Lizenz

Die nächste Zukunft, noch vor dem samstäglichen Heimspiel gegen den Nachbarn aus Wil, ist diese: Heute gegen Mittag wird bekannt, wer die Lizenz erhält – wer nicht. Es steht ausser Zweifel, dass der FCW die Lizenz für die Challenge League wieder bekommt, mit einem Budget von rund vier Millionen Franken. Aber er geht, wie es Geschäftsführer Andreas Mösli formuliert, «davon aus, dass wir die Super-League-Lizenz in erster Instanz nicht erhalten.»

Diese hat der Verein ja, mit Blick auf den Tabellenstand, Anfang März erstmals seit sechs Jahren beantragt. Reicht es dafür nun nicht, müssten «infrastrukturelle Gründe» vorliegen, wie Mösli sagt. Will heissen, der Liga sind die vom FCW (auch unter Assistenz des Stadtrats) eingereichten Unterlagen nicht Garantie genug, dass bis zum Meisterschaftsbeginn etwa die Verbesserung der Flutlichtanlage vorgenommen ist. Da sind eben auch politische Fristen zu beachten. Das wusste man von vorneherein. Und mit Nachsicht der Liga war nicht einfach zu rechnen. Einen Rekurs einzureichen würde mit Blick auf den aktuellen Tabellenstand keinen Sinn machen, Schlüsse aufs nächste Jahr sind dennoch zu ziehen.

Dass Servette die Liga nach oben verlässt, scheint trotz der Niederlage gegen Aarau klar. Dass GC von oben kommt, ist mehr als wahrscheinlich. Sportlich steht seit Samstag überdies fest, dass Stade Lausanne-Ouchy als Aufsteiger aus der Promotion League kommt. Unter Trainer Andrea Binotto stieg «SLO» in sechs Jahren dreimal auf. Und in Lausanne sind sie überzeugt, heute auch die Lizenz für die Challenge League zu erhalten – wie der FCW.

Erstellt: 28.04.2019, 22:41 Uhr

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