Der Regisseur, der Zauberer und der Neuling

Sieben Schweizer starten am Wochenende in die neue Saison. Mit dabei sind Stammspieler, solche, die es werden wollen, und Neuzugänge.

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Jeder Hobbysportler kennt es. Der Winter steht an, die Vorfreude auf die Skipiste wächst. Und dann der Schreck: Die Skiausrüstung passt überhaupt nicht mehr. Die Schuhe drücken, die Hose hat Löcher, oder die Jacke ist modisch einfach nicht mehr so toll wie noch letztes Jahr. Also los, Panikkäufe, am letzten Tag vor Saisonstart gehts noch in den nächsten Sportladen.

Das kennen auch Fussballclubs. Und weil der Donnerstag die letzte Möglichkeit für Premier-League-Vereine war, um neues Material zu beschaffen, ging es zu wie am Black Friday in amerikanischen Shopping-Centern. Fast die ganze Liga war noch auf Schnäppchenjagd. 31 Transfers wurden nur am Donnerstag getätigt. Die Clubs der Insel haben ihre nun Mannschaften komplett, sie dürfen lediglich noch verkaufen und verleihen. Am Freitag eröffnen Manchester United und Leicester City die Saison, in der auch sieben Schweizer versuchen, sich zu bewähren.

Xherdan ShaqiriLiverpool – Mehr als Salahs Back-up?

Ein Fallrückzieher, ein Hackentor, ein wunderbarer Assist: Xherdan Shaqiri hat in der Vorbereitung bei Jürgen Klopp ein eindrückliches Bewerbungsschreiben abgeliefert. Ob das reicht, um Mohamed Salahs 44 Tore aus der vergangenen Saison zu übertreffen? Der Ägypter ist Shaqiris ärgster Konkurrent auf dem rechten Flügel. Und auch in der Mitte, wo sich der Schweizer selbst gerne mal sehen würde, ist Liverpool ausgezeichnet besetzt. Dort spielt mit Roberto Firmino Teil 2 des berüchtigten Offensiv-Dreizacks (dazu gehört noch Sadio Mané) von Liverpool.

Kann man sich nicht oft genug ansehen: Shaqiris Fallrückzieher gegen United. Video: Twitter/Liverpool.

Die Zeichen sprechen also nicht für Shaqiri. Allerdings: Salah hat in der letzten Saison wettbewerbsübergreifend 52 Spiele gemacht, am Ende machten sich, vor allem auch wegen der Verletzung im Champions-League-Final, Verschleisserscheinungen bemerkbar. Und da der rechte Mittelfeldspieler Alex Oxlade-Chamberlain voraussichtlich bis im Mai ausfällt, wird Shaqiri erste Wahl sein, wenn Salah verletzt ist oder eine Pause braucht.

Prognose: Trainer Klopp wird an seiner Offensive mit Salah, Firmino und dem Senegalesen Sadio Mané nichts ändern, warum auch? Shaqiri jedoch wird zu seinen Einsätzen kommen. Mit der Liga, zwei Cups und der Champions League stehen viele Spiele an, da wird auch Salah mal froh um eine Pause sein.

Granit XhakaArsenal – Zurück zur Topform?

Der Regisseur im Schweizer Mittelfeld hat schon bessere Turniere gespielt als die Weltmeisterschaft in Russland. Lediglich in der zweiten Halbzeit gegen Serbien bewies er die Qualitäten, die ihn während der Saison bei Arsenal auszeichneten. Bei den Londonern gehört der ehemalige Gladbacher zu den wichtigsten Spielern, er spielte in der Premier League in der vergangenen Saison die meisten Pässe.

Granit Xhaka bringt seinen Kollegen Baseldeutsch bei. Video: Arsenal.

Doch an Xhaka scheiden sich die Geister, genauso wie an Shaqiri. Kritiker sagen, er sei zu langsam und zu unauffällig. Die Weltmeisterschaft wird das kaum geändert haben. Und ganz so unumstritten scheint Xhaka im defensiven Mittelfeld nicht mehr, Arsenal verpflichtete kürzlich für 30 Millionen Euro den Uruguayer Lucas Torreira.

Prognose: Einer der grössten Xhaka-Befürworter, der ehemalige Coach Arsène Wenger, ist weg. Unai Emery heisst der neue Mann, den Xhaka überzeugen muss. Der Schweizer wird zum Stamm gehören. Allerdings wird ihn Torreira, der eine hervorragende Saison bei Sampdoria Genua gespielt hat, gehörig unter Druck setzen.

Stephan LichtsteinerArsenal – Gegen die Sprintrakete

Der Captain der Nationalmannschaft stösst von Juventus Turin nach London und ist somit der zweite Schweizer im Team. In Italien gehörte Lichtsteiner in den letzten zehn Jahren zu den besten Rechtsverteidigern, kaum ein Spieler hielt sich auf dieser Position so konstant auf solch hohem Niveau. Lediglich als Dani Alves für eine Saison kam, wurde es eng für den Schweizer.

In London jedoch wartet neue Konkurrenz auf Lichtsteiner. Die hat es in sich. Hector Bellerin ist einer der schnellsten Spieler in England. Der Spanier, einst aus Barcelonas Jugendabteilung gekommen, bestritt in den drei vergangenen Saisons nahezu jedes Spiel für Arsenal. Aber: Er fehlte an der Weltmeisterschaft, Bellerin wurde überraschend nicht in Spaniens Kader berufen.

Prognose: Bei Lichtsteiner verhält es sich wohl ähnlich wie bei Shaqiri. Aber seine Chancen auf einen Stammplatz sind höher. Zu Beginn wird jedoch wohl Bellerin die rechte Seite hoch- und runterjagen.

Fabian SchärNewcastle – Wieder ein Neuanfang

Das Abenteuer La Coruña war schnell beendet, weil der Verein abstieg. Darum war schon nach Saisonende klar: Schär wird die Spanier verlassen. Nach Deutschland und Spanien versucht es der Innenverteidiger nun in Englands Premier League, bei Newcastle United unter Trainer Rafael Benitez. Dieser spielt normalerweise mit zwei zentralen Abwehrspielern, neben Captain Jamaal Lascelles duelliert sich Schär unter anderem mit Zuzug Federico Fernandez.

Cristiano Ronaldo wird Fabian Schär zumindest nicht so schnell vergessen. Video: LaLiga

Der Italo-Argentinier, der von Swansea kam, hat bereits 32 Länderspiele für Argentinien absolviert, das letzte aber im Oktober 2014. Es ist nicht das erste Mal, dass Schär und Fernandez aufeinandertreffen. Beide standen im Achtelfinal zwischen Argentinien und der Schweiz an der WM 2014 in der Startformation und spielten 120 Minuten durch.

Prognose: Noch hat Fernandez wohl die Nase vorn, auch wegen seiner Erfahrung in der Premier League, wo er in den letzten vier Saisons zum Stamm von Swansea gehörte. Findet Schär aber die Form aus dem Nationalteam, ist ein Platz in der Startformation möglich.

Florent HadergjonajHuddersfield Town – Saison der Bestätigung

Der ehemalige Rechtsverteidiger der Young Boys startete 2017 nicht mit sehr viel Vorschusslorbeeren in die Premier League. Davor war er schliesslich mit Ingolstadt in die zweite Bundesliga abgestiegen. Der Blondschopf setzte sich beim damaligen Premier-League-Aufsteiger aber durch und wurde nach der Leihe fix übernommen. Meist kommt er sogar etwas weiter vorne als ein üblicher Aussenverteidiger zum Einsatz.

Seine starke Rückrunde wurde auch innerhalb der Mannschaft beachtet und so wurde Hadergjonaj von seinen Teamkollegen zum besten jungen Spieler der Saison gewählt. Allerdings droht Ungemach: Der prominenteste Zuzug Huddersfields ist der ehemalige Dortmunder Erik Durm. Er spielt ausgerechnet auf der Position des Rechtsverteidigers.

Prognose: Durms Liste mit Verletzungen ist schier endlos, die Saison 2017/18 verpasste er nahezu komplett. Hadergjonaj hat neben Xhaka wohl die grösste Chancen auf einen Stammplatz.

Edimilson FernandesWest Ham – Doch noch ein Wechsel?

Der Cousin von Gelson Fernandes verpasste den WM-Zug ebenso wie Hadergjonaj. Und er steht auch bei seinem Verein West Ham vor dem Abgang. Nachdem er in seiner Premierensaison in England überzeugen konnte, machten ihm viele Verletzungen zu schaffen und er kam in der vergangenen Spielzeit auf nur 14 Einsätze.

Verschiedene Medien berichten, die Fiorentina habe starkes Interesse am zentralen Mittelfeldspieler. Ein Wechsel könnte seiner Karriere wieder Schwung verleihen, schliesslich will er zurück in die Nationalmannschaft. Und West Ham hat investiert. Von der Fiorentina kam Carlos Sanchez und von Arsenal der ablösefreie Jack Wilshere fürs Mittelfeld. Harte Konkurrenz für den ehemaligen Sittener.

Prognose: Fernandes wird es ganz schwer haben, vor allem Wilsheres Ankunft dürfte ihm Sorgen machen. Ein Wechsel in die eher taktisch geprägte Serie A könnte die richtige Lösung sein.

Eldin JakupovicLeicester City – Schnell weg!

Für die jüngeren Leser unter Ihnen: Ja, Eldin Jakupovic machte mal ein Länderspiel, 2008 gegen Zypern war das. Im Sommer 2017 stiess der Goalie nach guten Leistungen bei Hull City zum Meister von 2016. Mit geringen Aussichten auf einen Stammplatz. Das hat sich bewahrheitet, Jakupovic stand lediglich zweimal im Tor, die Konkurrenz in Person von Dänemarks Nationalgoalie Kasper Schmeichel ist um einige Nummern zu gross.

Kommt hinzu, dass Leicester ohnehin auf andere Spieler baut. Von Liverpool kam Danny Ward für 14 Millionen Euro, eine beachtliche Summe für einen Verein wie Leicester und ein klares Zeichen für Jakupovic.

Prognose: Jakupovic wird im Oktober 34. Noch darf Leicester Spieler verleihen und verkaufen. Das würde Sinn machen für den Torhüter, ein Rückschritt in die zweite Liga würde ihm wohl Spielpraxis bringen. (mro)

Erstellt: 10.08.2018, 13:35 Uhr

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