Winterthur

Der blitzschnelle Aufstieg

Noch nicht mal 20 ist Manuel Akanji. Und doch steht der Verteidiger vor dem direkten Transfer vom FCW zu Serienmeister FCB.

Vor anderthalb Jahren noch in der U18 des FCW, gehört Manuel Akanji (rechts, gegen Wohlen) seit dieser Saison zur Stammelf im «Eins».

Vor anderthalb Jahren noch in der U18 des FCW, gehört Manuel Akanji (rechts, gegen Wohlen) seit dieser Saison zur Stammelf im «Eins». Bild: Heinz Diener

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Vor ein paar Jahren schrieb der FCW-Goalie Marwin Hitz eine kleine Geschichte: Zuvor vom FC St. Gallen verschmäht und selbst in Yverdon kaum eingesetzt, brachte er es mit 21 Jahren nach gut einem Dutzend Challenge-League-Spielen mit Winterthur zu einem Vertrag beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Fünf Jahre lang war er dort zuerst die Nummer 3, dann die Nummer 2. Und heute ist er, bei Europa-League-Starter FC Augsburg, im zweiten Jahr die Nummer 1. Als einer von vier Schweizer Bundesligagoalies.

Ein bisschen an diesen schnellen Aufstieg auf der Schützenwiese erinnert nun der des Manuel Akanji, der im Juli 20 wird, erst vor anderthalb Jahren aus der U18 in die U21 des FCW aufrückte und vor einem Jahr erstmals in der Challenge League auftrat. Starkes Debüt gegen Lugano, Platzverweis nach einer halben Stunde in Locarno, Sperre gegen Chiasso – das waren die letzten drei Runden der Saison 2013/14. Aber in der neuen Spielzeit war er von Beginn weg Stammkraft. In der 11. Runde schoss er gar sein erstes Tor, in letzter Sekunde zum 1:1 in Chiasso. Es sei, sagte er damals, sein erstes seit der U16 gewesen.

«Einfach so gespielt»

Als er für die U16 spielte, war er, Sohn eines Nigerianers und einer Oberwinterthurerin, längst beim FCW. Vom FC Wiesendangen gekommen war er als Elfjähriger. In der U14 unter dem langjährigen FCW-Captain Umberto Romano hatte er schon zusammengespielt mit Tiziano Lanza, Mario Budimir oder Simon Mesonero, heute noch im Umfeld des «Eins» – aber nicht so weit wie er. Akanji sei, erinnert sich Romano, sein Captain gewesen. Aber alle hätten «etwa auf gleichem Niveau» gestanden. Den grössten Leistungssprung, sagt Akanji selbst, habe er dann in der U18 gemacht unter Trainer Thomas Stamm. Die U21 hat er dann beinahe überflogen.

An eine «grosse Karriere geglaubt» habe er als Junior nie wirklich, «ich habe einfach so gespielt.» Aber mal im «Eins», folgte sehr bald ein erstes Aufgebot in die U20. Und es gab, im September, das erste Treffen mit dem FC Basel und dessen stürmendem Supertalent. 4:0 gewann der Meis­ter diesen Cup-Sechzehntelfinal, Breel Embolo, noch zwei Jahre jünger als Akanji, schoss drei Tore und düpierte ihn wiederholt. Das Leibchen getauscht haben die beiden, die sich aus der Junioren-Auswahl schon kannten, auch.

Der Anruf aus Basel

Obwohl ihm jener Match also nicht wirklich gelungen war, bekam Akanji im Spätherbst wieder vom FCB zu hören. Der berichtete von seinem Interesse, Akanji war ihm aufgefallen als eines der grössten Talente dieser Jahrgänge. Dann sass er Anfang Januar dem Basler Sportchef Georg Heitz erstmals gegenüber, und nach diesem Gespräch wusste er: «Sie wollen mich.» Und wer will nicht gehen, wenn ihm der beste Klub des Landes einen längerfristigen Vertrag anbietet? Mitte ­April wurde es dann offiziell: Akanji hat für drei Jahre in Basel unterschrieben, mit Option auf ein viertes.

Das erste Jahr in Basel soll er auch nutzen, seine KV-Lehre abzuschliessen. Erste Wohnungen hat er sich schon angeschaut, eine gemietet noch nicht. Nach Basel mitziehen wird sein bester Kollege. Albian Ajeti und Embolo, die Bekannten aus der Nachwuchs-Nationalmannschaft, haben ihm nach Vertragsunterschrift gratuliert. Es geht da einer nach Basel, der bisher in der Schweiz keinen Lieblingsklub hatte. Sein Verein – das war (und ist) Manchester United. «Ich schaue jedes Spiel des Klubs – wenn ich kann», sagt er. Überhaupt sieht er sich als Fussballfan, von den alten Kollegen der U21 bis zur Champions League schaut er sich alles an.

Bei einem Champions-League-Klub tritt er nun selbst zur neuen Saison an. Geplant ist, dass er ins Trainingslager mitgeht und dann zumindest mal ein halbes Jahr in Basel arbeitet. Danach soll entschieden werden, was für die weitere Entwicklung am besten ist. Das wird zum einen von seinen Leistungen abhängen, zum andern aber auch von der Personal­si­tua­tion in der Basler Abwehr. Er mache sich, sagt Akanji selbst, «keinen Druck – sonst kommts nicht gut heraus.» Was er gelernt habe: Wenn er anfangs Fehler mache, sich nicht lange dar­über aufzuhalten, sondern möglichst unbeeindruckt weiterzuspielen.

Paulo Sousa überzeugen

Was auffiel: Seit der Transfer in trockenen Tüchern ist, spielte Akanji so regelmässig auf gutem Niveau und «so klar», wie es sein Winterthurer Trainer Jürgen Seeberger formuliert, wie nie zuvor. In Basel muss er ja vor allem den Trainer überzeugen, Paulo Sousa. Dazu muss er besser spielen, als er es tat, als ihn der Portugiese zum letzten Mal sah. Das war beim 1:4 des FCW Mitte März in Biel. Es war eines jener Spiele, derentwegen sie auch in der Mannschaft der Winterthurer denken, in dieser Saison nicht erreicht zu haben, was möglich war.

Für Akanji allerdings hats gereicht, mit seinem Aufstieg ein bisschen an den Torhüter Hitz zu erinnern. In Basel wird er zwar drei ehemalige FCW-Spieler tref­fen, Fabian Frei, Davide Callà und Luca Zuffi. Mit einem Transfer, der der lukrativste des FCW ist. (Landbote)

Erstellt: 22.05.2015, 13:16 Uhr

FC WINTERTHUR – FC WIL

Der FC Wil ist nach neun Spielen ohne Sieg seit dem 1:0 in Schaffhausen Mitte März einer der vier Abstiegskandi­daten in der Challenge League, der letzte, den der FC Winterthur hintereinander trifft: Nach dem 5:2 gegen Biel, dem 3:1 in Baulmes gegen Le Mont und dem 0:0 in Chiasso. Vier Punkte Reserve auf den FC Biel sind für die Wiler zwar noch ­immer eine ordentliche Reserve. Aber verlieren sie heute auf der Schützenwiese und ­gewinnt Biel ­daheim gegen den FC Wohlen, dann sind sie mittendrin.

FCW-Trainer Jürgen Seeberger kann personell ziemlich aus dem Vollen schöpfen. Zurück ist nach verbüsster Sperre auch Patrick Bengondo. Wie er aufstellt, lässt Seeberger wie ­üblich offen. Was er will: Die ordentlichen letzten Leistungen gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte fortsetzen. Gewinnt der FCW stellt er einen Saisonrekord auf, mit zehn Punkten aus vier Spielen ohne Niederlage. Über sieben Punkte aus drei Matches hat er es noch nicht hinausgebracht.

Das Tessiner Derby ist der Match der Runde. Aufstiegs­favorit Lugano trifft im heimischen Cornaredo auf den FC Chiasso, der sich mit sieben Spielen ohne Niederlage seit der Amtsübernahme des ­Trainers Marco Schällibaum aus der gröbsten Abstiegs­gefahr entfernt hat. Und natürlich weiss im Tessin jeder, was die Erinnerungen Schällibaums an den FC Lugano sind: Die Entlassung vor vier Jahren, als er – wenige Runden vor Schluss – noch mitten im ­Aufstiegskampf steckte. Seit- her waren die Luganesi kein Kandidat mehr für die Super League – bis heute. 

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