Fussball 1. LIga

Die Niederlage zur Jugendsünde

Nach sieben Spielen ohne Niederlage verlor die U-21 des FCW ihren letzten Match des Jahres. Mit 0:1 in Höngg nach turbulentem Ende.

Legte sich erst nach dem Platzverweis gegen sein Team aufs 
Kämpfen fest: Rijad Saliji.

Legte sich erst nach dem Platzverweis gegen sein Team aufs Kämpfen fest: Rijad Saliji. Bild: Urs Kindhauser

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Am Schluss fühlte man sich auf dem Hönggerberg, als sei man im grossen Fussball. Da bejubelten die Winterthurer in ihrem ganzen jugendlichen Überschwang, nach vier Minuten Nachspielzeit doch noch ausgeglichen zu haben – und das in Unterzahl. Valon Hamdiu hatte den Ball im etwa dritten Anlauf über die Linie gestochert. Die Höngger leckten die Wunden, der Schiedsrichter schien das Tor gegeben zu haben. Aber dann war er irgendwann doch bei seinem Assistenten zu sehen, die beiden berieten sich – und entschieden auf Abseits. Es war also, als hätte – aus einem fernen Keller oder aus dem Zürcher Oberland – der VAR eingegriffen. Klar war auf jeden Fall: Der Schiedsrichter und der Assistent lieferten Grund für Unklarheiten geliefert. Unklar blieb, ob der Entscheid richtig war.

Ausgesprochen fragwürdig war auch der Platzverweis für Dimitri Volkart gewesen, der den FCW nach 67 Minuten in Unterzahl versetzt hatte. Der Winterthurer Stürmer musste vom Feld, nach einem Zwist vor allem mit dem Höngger Eren Kocayildiz. Der kam mit einer Verwarnung davon, obwohl er eher Rot-würdig gehandelt hatte.

Immerhin, nach diesem Platzverweis setzten die Winterthurer kämpferisch zu. Deshalb und dank zwei, drei brillanten Paraden ihres Torhüters Bojan Milosavljevic blieben sie bis zur letzten Sekunde im Spiel. Milosavljevic hatte, kurz nach Halbzeit, allerdings auch zum Gegentor beigetragen, als er einen Flankenball nicht festhalten konnte – was ihm trotz der energischen Herausforderung durch einen Gegner hätte gelingen müssen.

Grundsätzlich zufrieden

So verloren die Winterthurer das letzte Spiel eines grundsätzlich sehr zufriedenstellenden Halbjahres. Das widerfuhr ihnen, obwohl sie spielerisch gewiss die bessere Mannschaft sind als dieser SV Höngg. Sie verloren eben nach einem selbstsicheren Beginn allmählich die richtige Einstellung. Irgendwann, sagte auch Trainer Murat Ural, «hätten sie begonnen, die letzten Meter nicht mehr zu laufen». Irgendwann brachte der FCW den kämpferischen Gegner so ins Spiel und wurde er bestraft. Man kann das auch als klassisches – und nicht erstes – Lehrstück für eine junge Mannschaft sehen, der es zuletzt etwas gar gut gegangen war, die viel Lob zu hören bekam und darob offenbar die Basics vergessen hatte.

Zu den Eigenheiten des Spiels gehörte auch, dass in der letzten halben Stunde keine Verteidigerposition des FCW so besetzt war wie noch anfangs: mit Kargbo-Nezaj-Roth-Wild begann er, mit Hasler-Hamdiu-Pauli-Kargbo hörte er auf. Wild wirkte nun offensiv, Roth und Nezaj waren verletzt draussen, was ziemlich bedeutend war. Aber Wild und Kevin Costinha aus dem weiteren «Eins»-Kader spielen momentan nicht gut, Saliji legte sich erst nach der Roten Karte aufs Kämpfen fest, wie auch Adrian Rama. Also hat Murat Ural nach seinem ersten halben Jahr als Trainer der U21 sehr wohl Ansätze für aufbauende Kritik an Jugendsünden. Anders sind diese Schwächen nicht zu nennen. Urals Mannschaft in aller Regel sehr geordnet auftrat, ohnehin spielerische Qualitäten verriet und allmählich auch gegen mannhafte Gegner zu bestehen begann, wird durch diesen letzten Match nicht vom Tisch gewischt.

Positive Zahlen

Positiv sind ja auch die Zahlen: 24 Punkte aus 14 Spielen und Platz 4 sind – seit dem Aufstieg 2006 – die beste Herbstbilanz neben den 24 Punkten aus 14 Spielen und Platz 3 vor vier Jahren. Das tabellarisch wichtigste Saisonziel, der Klassenerhalt, ist danach schon sehr nahe. Vor zwei Jahren stieg der FC Seuzach mit 31 Zählern – hinter vier punktgleichen Teams notabene – ab. Sonst aber erreichten beim seit 2012 gültigen Modus selbst «gute» Absteiger höchstens 27 Punkte.

Erstellt: 10.11.2019, 17:41 Uhr

1. Liga

SV Höngg - FCW U-21 1:0 (0:0)

Hönggerberg, Kunstrasen. – 200 Zuschauer. – Tor: 48. Derungs 1:0. – Höngg: Toscan; Constancio, Stojanov, Riso, Bétrisey; von Thiessen; Derungs, Forny, Kocayildiz (75. Pepperday), Gullo; Wiskemann. – FCW: Milosavljevic; Kargbo, Nezaj (59. Hasler), Roth (46. Mazzeo), Wild; Hamdiu, Saliji; Gantenbein (56. Starcevic), Rama, Costinha (56. Pauli); Volkart. – Bemerkungen: Höngg ohne Captain Schreiner (gesperrt). – FCW ohne Torhüter Rüegg, Kriz, Di Noto, Fabio Costa (verletzt) und Ltaief (gesperrt); Roth mit muskulären Problemen ausgewechselt (danach Hamdiu Innenverteidiger); Nezaj mit Bänderriss am Knöchel ausgeschieden (danach Pauli Innenverteidiger). – 25. Pfostenschuss Volkarts. – Platzverweis: 67. Volkart (Tätlichkeit?). – Verwarnungen: 55. Bétrisey (Foul). 66. Kocayildiz (Tätlichkeit?). 68. Saliji (Foul). 92. Wiskemann (Foul). 95. Pepperday (Foul).

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