Fussball

Die Zeit der ersten Bestätigung

Binnen einer Woche entscheidet sich, ob der FCW an der Spitze andocken kann oder zumindest vorderhand zum Mittelfeldclub degradiert wird: Heute gegen Wil, am Dienstag in Chiasso und dann am Freitag wieder daheim gegen Schaffhausen.

Roman Buess hat seine Qualitäten bisher bestätigt und zudem als einziger FCW-Feldspieler achtmal durchgespielt.

Roman Buess hat seine Qualitäten bisher bestätigt und zudem als einziger FCW-Feldspieler achtmal durchgespielt. Bild: Heinz Diener

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Der FCW steht nach sechs Runden der Challenge League nicht schlecht da, aber – nicht zuletzt wegen des 2:3 in Kriens vor drei Wochen – auch eindeutig nicht so gut wie erhofft. Und wie möglich gewesen wäre. Eigentlich müsste es mehr als Platz 6 für acht Punkte sein. Der FC Wil dagegen kann mit seiner ersten Ausbeute zufriedener sein, drei Ränge und zwei Punkte vor den Winterthurern.

Allerdings fliessen in die ersten Eindrücke auch die Cup-Resultate ein. Und da hat Winterthur mit seinem Sieg gegen den FC St. Gallen mehr für einen positiven Eindruck getan. Er nährte wieder den Optimismus, tatsächlich für einen Platz in der weiteren Spitze gut genug zu sein. Die Wiler wiederum verloren gegen den FC Zürich zwar knapp. Aber ihr Spiel hätte genauso gut mit einer Überraschung enden können wie jenes auf der Schützenwiese.

Callà – nächste Verzögerung

Die Winterthurer haben in diesen Tagen das Kapitel «Reitplatz» abgeschlossen. Sechs Wochen trainierten sie dort, weil es auf der Schützenwiese wegen der Faustball-WM und ihrer Nachwehen nicht möglich war. Am Mittwoch übten sie ein letztes Mal dort, gestern kehrten sie definitiv auf ihren Heimplatz zurück. Und das waren dann die personellen Eindrücke dieses Abschlusstrainings: Nicht zugegen war Davide Callà, der Captain, der nach einer guten Stunde des Startspiels gegen Aarau mit einer Wadenverletzung ausfiel und seither nicht mehr spielte, obwohl es zwischendurch immer wieder verheissungsvoll aussah. Am Mittwoch trainierte er mit der Mannschaft, gestern schon am Morgen individuell. Noch gilt als zu riskant, ihn spielen zu lassen.

Nicht dabei war auch einer der Neuen, der Genfer Martin Liechti, der am Samstag im Spiel der U-21 ausschied. Und gegen St. Gallen nicht zum Aufgebot gehörte. Verletzt ist auch Nachwuchs-Mittelfeldspieler Rijad Saliji, zuletzt im Cup eingewechselt. Dafür ist Luca Radice nach überstandener Krankheit wieder dabei.

Es sieht also sehr weitgehend danach aus, als würde Loose sein Erfolgsteam aus dem Match gegen den FC St. Gallen nicht oder dann höchstens auf einer Position ändern. Granit Lekaj wird also wieder mit Ousame Doumbia die Doppelsechs formen.

Und sicher ist: Es werden wie gegen den Cup-Gast aus der Super League vier Neue in der Startelf stehen, also vier von acht, die in der sommerlichen Transferperiode verpflichtet wurden. Das ist keine schlechte, aber auch keine überragende Bilanz der Transferarbeit des FCW. Irgendwie ist es dieselbe wie sportlich: Misserfolg ist eindeutig etwas anderes, aber Luft nach oben gibt es doch. Und so sind die acht Neuen in einer ersten Zwischenbilanz zu bewerten:

«Königstransfer» bestätigt

Roman Buess (27). 8 Einsätze (6 Liga/2 Cup); 3 Tore (2 Liga/1 Cup). Er war der «Königstransfer» und hat das bisher auch bestätigt. Er mag mit drei Toren im Abschluss noch nicht das Optimum erreicht haben, aber die Art, wie er für die Mannschaft arbeitet und Bälle hält, ist unbestritten gut. Als einziger Feldspieler hat er denn auch achtmal 90 Minuten gespielt.

Anas Mahamid (21). 5 Einsätze (4/1); 1 Tor. Wie sein Landsmann Mido Bdarney fiel es ihm nicht leicht, die guten ersten Eindrücke aus der Vorbereitung im Meisterschaftsalltag weiterzuentwickeln. Also gabs für ihn nur Kurzeinsätze, bis ihm Loose ausgerechnet gegen St. Gallen die erste Chance in der Startelf gab. Auch, aber gewiss nicht nur wegen des Ausfalls von Radice. Mahamid nutzte sie ordentlich; er bestätigte mit zwei brillanten Zuspielen und dann dem 1:0 seine Fertigkeiten als «Finisseur». Er hielt zwar nicht durch, aber es war eine erste Duftmarke.

Mido Bdarney (24). 4 Teileinsätze (3/1). Der offensive Mittelfeldspieler der Israelis ging mit leichtem Vorsprung auf seinen Landsmann in die Saison; jetzt liegt er leicht zurück. Aber auch er hat das Zeug, sich eine Chance zu erarbeiten und sie dann auch zu nutzen. Bisher ist zu den Israelis zu sagen: Es sieht nicht nach Fehltransfers aus, vielmehr nach perspektivisch guten Aktien. Sie müssen an physischer Durchschlagskraft noch zulegen.

Gjelbrim Taipi (27). 8 Einsätze (6/2). Er kam kurzfristig, er wurde – zumindest vorderhand – nicht zum gewünschten Partner Ousmane Doumbias in der Doppelsechs. Aber in offensiverer Rolle gegen St. Gallen wies er nach, der Mannschaft helfen zu können. Er ist also eine Alternative auf mehreren Positionen, aber sicher nicht mit absoluter Stammplatzgarantie. Muss eben defensiv seriöser werden.

Nuno Da Silva (25). 8 Einsätze (6/2), aber keiner über 90 Minuten; 1 (Cup-)Tor. Er war in der Vorbereitung und zu Meisterschaftsbeginn schnell und spritzig, liess diesbezüglich aber nach – und rutschte er auf die Ersatzbank. Dennoch ist er mit seiner Art und seinem Potential ein Gewinn – wenn er sich wieder steigert.

Nils von Niederhäusern (23). 7 Einsätze (6/1). Er war gegen Aarau ein guter Linksverteidiger, dann die Nummer als Rechtsverteidiger. Aber es folgten schwächere Leistungen, eine schwache gar gegen GC. Deshalb verlor er seinen Platz in der ersten Elf. Jetzt muss er schon kämpfen, über die Rolle einer zweiten Wahl hinauszukommen.

Martin Liechti (21). 4 Einsätze (3/1), stets eingewechselt. Die Leihgabe des FCB, ein gebürtiger Genfer, hat schon ein enttäuschendes Jahr in Aarau hinter sich. Er tat sich von allen acht Neuen auch auf der Schützi am schwersten, sich in eine Rolle zu spielen, die seinem Selbstverständnis entspräche. Noch ist es, wie in allen Fällen, zu früh für ein definitives Urteil. Aber wenn es bisher eine Transfer-Enttäuschung gab, dann war sie Liechti.

Mario Bühler (27). 4 Einsätze (3/1). Er kam so kurzfristig wie Taipi, begann gut, erreichte gegen Lausanne einen Tiefpunkt, war verletzt – und rehabilitierte sich zuletzt gegen St. Gallen. Nach diesem Auf und Ab ist zu sagen: Er wurde als Nothelfer geholt und ist, zumindest, dafür stabil genug. Auch dank ihm konnte Loose Lekaj zuletzt ins Mittelfeld vorziehen.

Das war wichtig auf dem Weg des Trainers, seine beste Formation zu finden. Die dann gut genug für die Spitzengruppe sein müsste. Der Sieg gegen St. Gallen war ein klares Anzeichen, die kommenden drei Spiele müssten die Bestätigung liefern.

Erstellt: 20.09.2019, 21:49 Uhr

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