Fussball

Die nächste Stufe der FCW-«Reha»

Zum ersten Mal seit seinem Entstehen durch eine Fusion ist YF Juventus Zürich Cup-Gegner des FCW. Im Juchhof beim Bahnhof Altstetten hofft er heute Nachmittag auf eine Überraschung in der 1. Runde.

Einen guten Eindruck machte Granit Lekaj bei seinem Comeback vor einer Woche.

Einen guten Eindruck machte Granit Lekaj bei seinem Comeback vor einer Woche. Bild: Heinz Diener

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Der Saisonstart des FCW ist nach Resultaten absolut in Ordnung, nach spielerischen Leistungen allerdings durchzogen. Sieben Punkte aus vier Spielen sind für einen beinahe notorischen Langsamstarter wie den FCW gut; nur drei Punkte beträgt der Rückstand auf Leader Lausanne-Sport, GC ist mit zwei Punkten mehr vor der Direktbegegnung in Reichweite.

Darüber hinaus allerdings ist die Stimmung um die Mannschaft nicht ganz so optimistisch, wie man es sich nach der guten Vorbereitung und bis zum 0:6 gegen Lausanne gewünscht hatte. Grund dafür sind die Verletzungen, welche die Winterthurer vor allem im Test gegen den VfB Stuttgart heimsuchten. Und seit dem Startmatch gegen Aarau fehlen auch die beiden absoluten Teamstützen Davide Callà und Sead Hajrovic. Trainer Ralf Loose konnte noch nie aufstellen, was man eine Idealformation nennen könnte.

Eine «heisse Sache»?

Also war es schon mal erfreulich, dass der FCW in dieser Situation nach dem Debakel gegen Lausanne wenigstens willensmässig zu einer Reaktion im Auswärtsspiel in Vaduz fähig war. Die nächste Stufe dieser «Reha» ist nun der Auftritt beim drittklassigen SC YF Juventus, der noch Anfang Juli in einem Testspiel kein gleichwertiger Gegner war. Damals führte der FCW nach zehn Minuten 3:0, am Ende stands 5:1. Aber diesmal kann es «eine heisse Sache werden», sagt FCW-Trainer Ralf Loose.

Aussagen wie diese sollen natürlich auch helfen, die Winterthurer Mannschaft davor zu bewahren, die Zürcher zu unterschätzen. Aber sie zeigen auch: Der Trainer weiss, dass seine Mannschaft in einer personellen Situation ist, die es ihr erschwert, den optimistisch-offensiven Fussball zu spielen wie bis und mit dem Start gegen Aarau.

Umso wichtiger wird sein, dass Looses Team mit der gebotenen Konzentration antritt. Hajrovic (Schilddrüsen) und Callà (Wade) fehlen weiterhin, Mario Bühler steht nach überstandenen Rückenproblemen wenigstens wieder im Kader. Erfreulich ist, dass Granit Lekaj mit seinem starken Comeback in Vaduz einen guten Eindruck machte. Es ist auch Ousmane Doumbia in Form. Fit – aber nicht in grosser Form – sind auch die Offensivkräfte Luca Radice, Luka Sliskovic, Nuno Da Silva und Roman Buess.

Es wird eine Elf beginnen, die stark genug sein muss, diesen Gegner zu schlagen. Aber die personellen Reserven sind kleiner als ehedem gedacht. Also hätte Loose gerne, er erhielte noch eine Ergänzung für die Defensive, am ehesten eine «Sechs». Oliver Kaiser, sein Leiter Sport, sagt dazu nur: «Wir prüfen die Lage.»

Immerhin, seit Beginn der Woche hat Julian Roth wieder grünes Licht, mit der Mannschaft alles mitzumachen. Aber er braucht Zeit nach einem Kreuzbandriss und einem gravierenden Rückfall nach der ersten Operation. In der kommenden Woche jährt sich nämlich schon zum zweiten Mal, dass das mittlerweile 21-jährige Verteidigertalent sein letztes Spiel machte – am 21. August 2017 gegen Servette. Unter Loose hat er noch nie gespielt, nach nur ein paar Trainings unter ihm ist er wieder ausgefallen.

YF Juventus hat mit seinem neuen Trainer, dem ehemaligen FCW-Junior Elvin Bektesevic (37), mit drei Unentschieden in drei Spielen einen Start zur Promotion League hinter sich, der nicht ganz so gut ist, wie ihn Optimisten gewünscht haben dürften. Aber für einen Verein, der sich in den vergangenen vier Jahren nie in der oberen Tabellenhälfte bewegte und sich im Frühjahr erst in der zweitletzten Runde vor dem Abstieg rettete, sind drei Punkte realistisch betrachtet ein guter Start.

So sieht es auch Nico Zuffi, mit gut fünf Jahren der dienstälteste Spieler im Club, Winterthurer und – natürlich – Sohn des FCW-Assistenztrainers und -Denkmals Dario Zuffi: «Es ist doch positiv, dass wir noch nie verloren haben.» Daheim gegen Bavois (3:3), in St. Gallen gegen Brühl (2:2) und zuletzt wieder daheim gegen das «Zwei» des FC Basel (1:1) waren die Zürcher im Schnitt eher gut bedient. «Wir hatten manchmal auch etwas Glück», sagt Zuffi.

Nummer 3 der grossen Stadt

Neben ihm gehört Innenverteidiger Tiziano Lanza noch zur «Fraktion» der Winterthurer. Zu Saisonbeginn war sie dank Ramon Cecchini und Diego Ciccone noch grösser. Aber die zwei mit mehreren Jahren Erfahrung aus der Swiss-Football-League sind nicht mehr im Kader, sie sind kurzfristig ausgeschieden. Cecchini hat sich inzwischen dem gleichklassigen SC Cham angeschlossen. Eine FCW-Vergangenheit haben immerhin noch Marco Trachsel und Kevin Alves Quintas. Ein Realist wie Zuffi junior sieht also in drei Unentschieden einen ordentlichen Start, weniger gut ist die Zwischenbilanz für den, der die Mannschaft gerne weit oben sähe. Für den Trainer ist, so hat er es der Mannschaft jedenfalls gesagt, ein Platz unter den ersten fünf das Saisonziel.

Der FCW kann mit einem Heimspiel rechnen. Kurz nach zwei fährt heute der Spezialzug seiner Fans Richtung Altstetten. Seit sich Juventus und der Zürcher Traditionsverein Young Fellows, der manche Jahre in der Nationalliga A verbrachte, 1992 zu YF Juventus vereinten, gab es noch nie ein Cupspiel gegen den FCW – allerdings ab und zu Ligaspiele.

Young Fellows - FCW im Cup – das gab es zuletzt im Februar 1968. Es war ein Viertelfinal, den der FCW auf der Schützenwiese durch zwei Tore Timo Konietzkas und Herbert Dimmelers in den letzten sechs Minuten 2:1 gewann. Ein paar Wochen später war er erstmals Cupfinalist. Er stieg dann auch auf, YF aber stieg ab. Seit 2007 tauchte der Club selbst in der Challenge League nicht mehr auf. Allein, die Nummer 3 der Stadt Zürich ist er noch immer – zwei Ligen unter dem FCZ, nur eine unter GC.

Erstellt: 17.08.2019, 09:13 Uhr

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