Die spezielle Geschichte des Dortmund-Schrecks

Vor 15 Monaten war er noch Amateur: Am Samstag schoss Marius Bülter Union Berlin gegen Dortmund zum ersten Bundesliga-Sieg.

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Märchenhafter kann eine Karriere nicht verlaufen. Vor 15 Monaten war Marius Bülter Student und spielte in Deutschlands vierthöchster Liga Amateur-Fussball. Als 25-Jähriger waren seine Chancen auf eine Profikarriere verschwindend klein. Heute spielt er für Union Berlin in der Bundesliga. Und stellte am Samstagabend Spieler wie Marco Reus, Jadon Sancho oder Paco Alcacer in den Schatten.

Der Flügelspieler erzielte beim 3:1-Sieg von Union gegen das grosse Borussia Dortmund zwei Treffer. Beim ersten Bundesliga-Sieg in Unions Clubgeschichte war er matchentscheidend. Bülter ist ein Spieler, wie es sie in der Bundesliga kaum noch gibt: Er hat nie eine Jugendakademie besucht, als Junior spielte er für Preussen Münster. Bis 2017 Monaten lief er in der Regionalliga West für den SV Rödingshausen auf und schloss nebenbei ein Studium in Maschinenbau ab.

In jedem Bundesliga-Spiel eingesetzt

In seiner letzten Saison in der Regionalliga erzielte er 20 Tore und wurde Torschützenkönig. Das machte Magdeburg auf den Linksfüsser aufmerksam, der Zweitliga-Aufsteiger verpflichtete ihn ablösefrei. Obwohl Magdeburg nach einer Saison wieder abstieg, ging Bülters Aufstieg immer weiter.

Im Juli lieh ihn Union Berlin für eine Gebühr von 400'000 Euro aus und verhandelte eine Kaufoption. Für Bülter war bereits der vorhergegangene Transfer zu Magdeburg das Höchste der Gefühle: «Ich wollte eigentlich nur so viele Spiele wie möglich machen in der Zweiten Liga. Jetzt spiele ich auf einmal sogar in der Bundesliga.»

Und wie er das tut: Vor dem Dortmund-Spiel wurde er von Trainer Urs Fischer auch in den ersten beiden Partien von Union eingesetzt. Bülter war einigermassen zufrieden, nur: «Mir fehlt noch ein Tor.» Am Samstag gelangen ihm gleich zwei davon – und beide zeugen von der fussballerischen Qualität des 26-Jährigen.

Beim 1:0 in der 22. Minute lief er sich bei einem Corner im Rückraum frei und verwertete den nicht flach gespielten Ball direkt. Beim erneuten Führungstreffer zum 2:1 (50. Minute) profitierte er von einem Abpraller Roman Bürkis und traf von ausserhalb des Sechzehners in die Ecke. TV-Experte Lothar Matthäus' enthusiastisches Verdikt lautete: «Weltklasse!»

Bescheiden und glücklich

Trotz solcher Kommentare bleibt der Mann der Stunde bescheiden:« Dass die beiden Torschüsse, die ich heute abgegeben habe, beide reingegangen sind, war natürlich auch ein bisschen Glück», sagte er nach dem Spiel. Er war überglücklich: «Dieser Sieg toppt natürlich alles. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Das ist der schönste Moment meiner Karriere.»

Warum gerade ihm dieser Aufstieg vom Amateur zum Bundesliga-Profi gelang, kann Marius Bülter wohl selber nicht genau erklären. Er sagt nur: «Hätte mir das jemand vor 15 Monaten gesagt, hätte ich geantwortet: Das wird niemals passieren.» (va)

Erstellt: 01.09.2019, 12:39 Uhr

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