FCW

Ein ganz leiser Hauch von Europacup

Der FCW spielt heute zum ersten Mal in seiner Klubgeschichte auf den Britischen Inseln. Der dritte Match gegen den in England sechstklassigen FC United of Manchester ist auch der letzte Test vor dem Meisterschaftsstart in einer Woche in Wil.

Das erste Training in der Klubgeschichte des FCW auf britischem Boden. Fitnesstrainer Thomas Breitenmoser gibt in Rochdale den Takt vor.

Das erste Training in der Klubgeschichte des FCW auf britischem Boden. Fitnesstrainer Thomas Breitenmoser gibt in Rochdale den Takt vor. Bild: FCW

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2014 und 2016 waren die «Roten Rebellen», wie sich die Fussballer des FC United of Manchester nennen, Gast auf der Schützenwiese. Es waren Auftritte eines Vereins, der 2005 aus Protest von Fans des «richtigen» Manchester United FC gegründet worden war – nach dessen Übernahme durch die (amerikanische) Familie Glazer. Rund 5000 Mitglieder sind auch heute die Besitzer der «Red Rebels».

2014 waren diese noch siebtklassig, als sie auf der Schützi 1:4 verloren; zwei Jahre später unterlagen sie, nach einem 0:4 bei Halbzeit, 2:4. Da waren sie schon sechstklassig, Mitglied der National League North. Die bildet mit der National League South den zweigleisigen Unterbau unter Premier League, Championship, League 1 und 2 sowie National League. Seit 2015 spielt die «kleine» United in einem eigenen Stadion, dem ­Broadhurst Park ein paar Kilometer nordöstlich des berühmten Old Trafford.

Dort tritt der FCW heute Abend auch an. Rund 2100 Zuschauer kamen im Schnitt in der vergangenen Saison zu den Heimspielen der Rebellen, etwa so viele werden auch heute erwartet. Damit gehören sie ein weiteres Mal zur Spitzengruppe der Non-League-Klubs, und dies nach der mit Platz 16 schwächsten ihrer ersten drei Saisons in der Liga.

Den FCW unterstützen heute in diesem dritten «Romantikertreffen» rund 150 Fans. Das gibt dem Anlass zumindest aus Winterthurer Sicht doch einen etwas besonderen Touch, ja man ist versucht, von einem ganz leisen Hauch von Europacup zu reden.

Gestern Morgen, und zwar sehr früh in der Frühe, flog die Dele­gation des FCW nach Manchester, in Rochdale, einer 100 000-Einwohner-Stadt rund 15 Kilometer nordöstlich des Zentrums von Manchester, bezog sie ihr ­Logis von typisch englischem (Land-)Stil. Am späteren Nachmittag wurde trainiert, heute wird gespielt, morgen wieder heimgeflogen. Das ist ein Rhythmus, den die meisten FCW-Spieler nicht kennen.

Ein Spieler-Manager

Für einen gilt das natürlich nicht. Davide Callà, der mehrfache Schweizer Meister, ist in diesem Jahr sogar schon mal auf dem Flughafen Manchester gelandet, damals noch als Mitglied der FCB-Delegation, die im März in den Achtelfinals der Champions League Gegner des kommenden englischen Meisters Manchester City war. Zu Hause hatten die Basler schon 0:4 verloren, dennoch war ihr 2:1 im Etihad Stadium ein Prestigeerfolg. Callàs Name stand allerdings, wie in seiner letzten Basler Saison sehr oft, nicht auf dem Matchblatt.

Einen kleinen Europacup-Routinier darf sich aber auch ­Manuel Sutter nennen, der FCW-Stürmer aus Vorarlberg. Für den FC Vaduz machte er neun Europacupspiele, zuletzt trug er vor drei Jahren zu einem 2:0-Sieg gegen den estnischen Spitzenklub Nomme Kalju bei. Da wäre aber auch noch der neue Tor­hüter Nummer 1, Raphael Spiegel, der zu seiner Zeit bei West Ham United das eine oder andere Mal in der Europa League Bank auf der Bank sass.

Bei den «Roten Rebellen» gibt es keinen dieses Zuschnitts. Der namhafteste ist der 31-jährige Tom Greaves. Er ist zum einen, mit 103 Toren in 265 Ligaspielen, der Rekordschütze des Vereins, für den er seit 2013 spielt. Er schoss vor zwei Jahren auf der Schützi auch beide Tore seiner Mannschaft. Zum andern aber ist er seit dem Oktober 2017 auch Spieler-Manager. Er löste als Manager Karl Marginson ab, der von der Gründung des Vereins bis zu einem schwachen Start in die vergangene Saison über zwölf Jahre lang der sportliche Leiter gewesen war.

Als ein Törchen fehlte …

Die Engländer starten erst am 4. August zur Meisterschaft, für Greaves’ Trainerkollegen Ralf Loose ist der Match heute dagegen der letzte Test. Es wird also keine Experimentalelf geben, allerdings auch nicht dieselbe Aufstellung, wie sie in Wil zu erwarten ist. Denn es fehlen Loose der zentrale Mittelfeldspieler Ousmane Doumbia und die Offensivkraft Luka Sliskovic.

Für den Ivorer Doumbia liess sich nicht rechtzeitig ein Visum auftreiben. Sliskovic musste daheim bleiben, weil er, wie sich nachträglich herausstellte, bei einem harten Zusammenprall früh im sonntäglichen Match gegen West Ham eine Hirnerschütterung und einen Jochbeinbruch erlitten hat. Dennoch rechnen sie beim FCW damit, Sliskovic könne in Wil mittun, durch eine Gesichtsmaske geschützt.

Einfach für ein Spiel ins fernere Ausland zu reisen, ist für den FCW eine absolute Rarität. Sportlich darf erwartet werden, dass er auch das dritte Spiel gegen die kleine United gewinnt.

Einmal in seiner Klubgeschichte war der Europacup mehr als nur ein ganz leiser Hauch, da ist er nämlich ganz knapp daran vorbeigeschrammt: 1974, als er mit Platz 4 die beste Klassierung seiner Nationalliga-A-Geschichte erreichte, fehlte ihm ein Tor für einen Platz im Uefa-Cup. Weil die Winterthurer des Trainers Willi Sommer in der letzten Runde (trotz zahlreicher Chancen) in Basel 0:1 verloren, reichte Servette ein 7:1 gegen Absteiger Chiasso, um sie um eben ein Tor hinter sich zu lassen. Wäre der FCW Dritter geworden, wäre es auch damals nach England gegangen. Derby County wäre der Gegner gewesen, zu jener Zeit eine absolute Grösse im englischen Fussball, zweimal gar Meister. (Der Landbote)

Erstellt: 13.07.2018, 09:17 Uhr

FCW

Callà - der neue Captain

Die Mannschaft des FCW wird in der neuen Saison ein anderes Gesicht haben als in der vergangenen. Gut die Hälfte der Stammspieler wird neu sein, wenn es in Wil in die Meisterschaft geht. Neu sein wird auch der Captain, das hat Trainer Ralf Loose, auch er ein Neuer, noch vor dem letzten Testspiel bestimmt: Davide Callà, mit seinen bald 34 Jahren nicht nur der älteste, sondern auch der namhafteste der Neuen, wird Spielführer. Er folgt auf Luca Radice, mit 31 Jahren der Zweitälteste im Kader. Radice wird künftig als Stellvertreter wirken. Der Entscheid ist insofern logisch, als Callà als ausgesprochener Leader des Teams aus Basel geholt wurde.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Ein neues Zuhause für Demenzpatienten

Die Stiftung Altersheim St. Urban eröffnet im August ein neues Demenzzentrum in Seen.