Fussball

Eine Basler Serie und Hitzfelds letzter Titel

Die ersten vier Cupspiele gegen den FCB hat der FCW allesamt verloren, darunter einen Final. Aber so krasser Aussenseiter wie heute war er noch nie.

Winterthurs Goalie Hans Küng war im Cupfinal 1975 überragend, wie FCB-Stürmer Ottmar Hitzfeld (links) heute noch lobt. Hitzfeld lieferte sich mit Rolf Bollmann (Mitte) unerbittliche Zweikämpfe.

Winterthurs Goalie Hans Küng war im Cupfinal 1975 überragend, wie FCB-Stürmer Ottmar Hitzfeld (links) heute noch lobt. Hitzfeld lieferte sich mit Rolf Bollmann (Mitte) unerbittliche Zweikämpfe. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als sich die beiden Vereine im November 1948 ein erstes Mal begegneten, war der FCW noch ein Erstligist und spielte der FCB seine beste Meisterschaft seit Gründung der Nationalliga 1933. Er sollte sie als Zweiter hinter Lugano beenden, und er siegte in Winterthur in den 1/32-Finals ein erstes Mal 2:1.

Der Final 1975 fiel dann in die (erste) Basler Hochzeit unter Helmut Benthaus, und 1975 war auch das letzte der «goldenen Jahre» des FCW. Es war ein kalter Ostermontag, dieser 31. März. Am Morgen schneite es gar und «wir waren der Favorit, obwohl der FCW ja in der Meisterschaft vor uns lag», erinnert sich Ottmar Hitzfeld, damals Basler Stürmer. Die Winterthurer waren als Zweiter in der Liga erster Verfolger des nachmaligen Meisters FCZ.

Der gemäss Hitzfeld also favorisierte FCB tat sich allerdings sehr schwer, «wie immer, denn Winterthur war stets ein schwieriger, unangenehmer Gegner.» Das galt vor allem für die Schützenwiese, die für den FCB selbst in jenen meisterlichen Zeiten beinahe uneinnehmbar war. Von 1967 bis 1975 siegten die Basler nur einmal auf der Schützi, fünfmal verloren sie.

Hitzfeld sagt zu jenem Final aber auch: «Wenn ich mich so an die Aufstellung des FCW erinnere, dann waren das alles bekannte Namen. Eine wirklich gute Mannschaft.» Der FCB um Karli Odermatt, den Strategen, und Hitzfeld, den Skorer, mag an diesem Tag spielerisch etwas besser gewesen sein. Aber der FCW hielt kämpferisch dagegen – und mit einem Torhüter Hans Küng, über den Hitzfeld nach dem Match sagen sollte: «Er hat die beste Leistung geboten, die ich je von einem Schweizer Torhüter sah.» Später wurde Küng ja auch Schweizer Meister – mit dem FCB.

Hitzfeld lieferte sich mit dem unerbittlichen Rolf Bollmann harte Kämpfe. Das 1:0 nach 48 Minuten schoss Otto Demarmels, nach 66 Minuten glich «Ernschtli» Meyer für den FCW aus. Bis zur 90. Minute erarbeiteten sich die Basler 15 Eckbälle, am Ende sollten es gar 20 sein. Sie zwangen Küng zu insgesamt 14 Paraden, der Basler Marcel Kunz musste nur vier zeigen. Und der FCB schien in letzter (regulärer) Sekunde doch noch den Siegestreffer erzielt zu haben. Aber der Schiedsrichter sah, als Walter Balmer den Ball aus kürzester Distanz über die Linie drückte, ein Abseits Hitzfelds. «Für mich ein klarer Fehlentscheid, mindestens zwei Winterthurer standen hinter mir», ärgerte sich Hitzfeld. Nach heutiger Regelauslegung wäre es auf jeden Fall kein Abseits gewesen.

In der Verlängerung hatte dann Fritz Künzli den Winterthurer Matchball – er schoss ihn aus zehn Metern übers Tor. Also war dann das 2:1 die Entscheidung, das Balmer in der 115. Minute schoss. Balmer übrigens ist der einzige jener Basler Mannschaft, der nicht mehr lebt. Von den Winterthurern ist Stürmer Peter Risi gestorben.

Eine Woche später verloren die Basler in der Meisterschaft auf der Schützi 0:2. Jener Tag war im Prinzip das Ende der «goldenen Jahre». Bis zum Saisonende rutschte der FCW auf Platz 8 ab. Exponenten wie Küng und Risi, Pius Fischbach und Trainer Willy Sommer verliessen den Verein. Zwei Jahre später verschwand der FCW aus der Nationalliga A. Für Hitzfeld aber war jener Cupsieg der letzte Titel als Spieler. Im Sommer wechselte er für drei Jahre zum VfB Stuttgart. Mit Luzern und Lugano liessen sich nach der Rückkehr in die Schweiz keine Titel gewinnen.

Als im April 2012 das nächste Cupspiel FCW – FCB anstand, war der FCB unbestritten die Nummer 1 im Land, der FCW ein klassisches Challenge-League-Team, in jenem Frühjahr allerdings das stärkste. Die Winterthurer spielten in der Tat gut bis sehr gut – und verloren dennoch auch den dritten Cupmatch gegen den FCB 1:2.

Vielleicht wäre alles anders herausgekommen, wenn nicht passiert wäre, was heute noch sehr, sehr vielen in Erinnerung ist: Der FCB führte nach einem Tor Marco Strellers zwar 1:0, war aber nicht besser. Und dann, zwei Minuten vor der Pause, lief Kris Kuzmanovic alleine auf den Basler Nationalgoalie Yann Sommer zu. Der foulte Kuzmanovic offensichtlich. Es schien nur noch die Frage offen, ob es neben einem Elfmeter Gelb oder Rot für den Torhüter gebe. Allein, der Berner Schiedsrichter Alain Bieri pfiff nichts, überhaupt nichts.

Erst in der 89. Minute konterten sich Xherdan Shaqiri und Alex Frei zum 0:2. Der Elfmeter für den FCW, den in letzter Sekunde sinnigerweise Kuzmanovic verwandelte, war wertlos. 8500 im ausverkauften Stadion sprachen (fast) nur von jener Szene mit Sommer – und von Bieri.

Bereits im September 2014 kam der FCB wieder nach Winterthur, diesmal in den Sechzehntelfinals. Der Trainer hiess nicht mehr Heiko Vogel, sondern Paulo Sousa. Der brachte es fertig, Basels Winterthurer Luca Zuffi 90 Minuten auf der Bank zu lassen. Der FCW des Jürgen Seeberger war optimistisch, denn er spielte bis dahin eine gute Saison. Aber der FCB war konzentriert und liess den Aussenseiter abblitzen, nachdem der Ägypter Mohamed Elneny nach einer halben Stunde zum 1:0 getroffen hatte.

Die Fortsetzung gehörte vor allem dem Jüngsten auf dem Platz: Der 17-jährige Breel Embolo hatte seinen ersten grösseren Auftritt. Er traf noch dreimal, der FCB siegte 4:0 – erstmals also nicht 2:1. Der Gegenspieler, den Embolo immer wieder düpierte, war der Jüngste des FCW, der 19-jährige Manuel Akanji. Heutzutage verteidigt der schon so gut, dass er es für den FCB tun darf.

Erstellt: 04.04.2017, 21:50 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles