FC Winterthur

Eine schöne Hauptprobe

Mit einem 2:1 gegen den VfL Wolfsburg und einer guten Leistung empfahl der FCW seiner Gemeinde den Besuch des Meisterschaftsstarts in einer Woche gegen den FC Wohlen. Das wird, um Punkte, dann allerdings eine ganz andere Sache sein.

Kwadwo Duah (links, im Duell mit dem Wolfsburger Robin Knoche) brachte den FCW 1:0 in Führung.

Kwadwo Duah (links, im Duell mit dem Wolfsburger Robin Knoche) brachte den FCW 1:0 in Führung. Bild: Heinz Diener

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2700 waren auf die Schützenwiese gekommen. Eine ordentliche Zahl zu Ferienbeginn und doch auch ein Hinweis, dass der VfL Wolfsburg einer der potentesten Bundesligavereine sein mag, aber hierzulande von mittelmässiger Zugkraft ist. Nach den gut 90 Minuten allerdings wurden die Fussballer des FCW gefeiert, als hätten sie einen bedeutenden Sieg errungen. In der Tat war dieses 2:1 gegen die «Wölfe» eine Überraschung. Es war über 90 Minuten gesehen auch durchaus verdient. Aber auch jeder der Gefeierten musste danach wissen: Schon in einer Woche, wenn der FC Wohlen auf die Schützi kommt, wird dieser Sieg nichts, aber auch gar nichts mehr zählen.

«Ein gutes Gefühl holen»

Also soll – und wird – keiner dieses Ergebnis überschätzen. Doch zweierlei ist anzumerken: Der Match liess erkennen, dass in dieser Mannschaft des FCW durchaus Potenzial steckt, dass Neue sehr wohl ein Gewinn sein können. Selbstvertrauen sollte dieses Spiel vermittelt haben. Und den Zuschauern den Grund geliefert, am kommenden Samstag wieder zu kommen. Das ist doch schon mal etwas.

Aber natürlich wars ein Freundschaftsspiel, in dem der FCW der Aussenseiter war, in dem jede gute Aktion gnädig aufgenommen wurde. In einer Woche gegen Wohlen wirds ungekehrt sein. Dann werden nicht die Winterthurer jene sein, mit denen man schon zufrieden ist, wenn sie einigermassen gut auf Konter spielen. Dann werden sie gegen eine defensiv eingestellte Mannschaft zu viel Arbeit gezwungen – und das unter der Vorgabe, dass ein Heimspiel gegen die Freiämter gewinnen sollte, wer auch nur ein bescheidenes Saisonziel erreichen will. «Wir wollten ein gutes Gefühl holen fürs Spiel gegen Wohlen,» sagte Trainer Umberto Romano hinterher. Das immerhin sollte seine Mannschaft geschafft haben.

Gegen den VfL bot der FCW eine gute Leistung, zumindest nach einem verhaltenen, ja ängstlichen Beginn. Aber allmählich war zu sehen, dass die Mannschaft in der Entwicklung ihres Offensivspiels etwas kann. Sie hätte bei Halbzeit durchaus führen können. Geführt hat sie dann ein paar Minuten danach, nach einem erstaunlichen Doppelschlag: Zuerst leistete Manuel Sutter mit energischem Zweikampfverhalten und einem guten Rückpass die Vorarbeit für Kwadwo Duahs 1:0, das der junge Berner mit einem präzisen und klugen Schuss erzielte. Der spielerische Höhepunkt war, schon eine Minute später, das 2:0: Luca Radice, der neue Captain, flankte, Sutter lenkte mit dem Kopf zurück und Gianluca Frontinos erfolgreicher Abschluss war ein erstklassiger Direktschuss aus zwölf Metern.

Danach war Stimmung im Haus. Die Wolfsburger, die eine magere erste Halbzeit geboten und danach die ersten fünf Spieler ausgewechselt hatten, brachten nach gut einer Stunde sechs weitere Neue, darunter Prominenz wie Anthony Brooks, den neuen amerikanischen Innenverteidiger von Hertha Berlin, den langjährigen Dortmunder Polen «Kuba» Blaszczykowski und den Topstürmer Mario Gomez. Fortan taten die Wolfsburger mehr, im dritten Testspiel die erste Niederlage zu verhindern. Aber es gelang ihnen nicht, weil sie doch wenige klare Torszenen herausspielten, dabei zwei-, dreimal an Matthias Minder scheiterten. Der Winterthurer Torhüter offerierte ihnen einmal, mit einem schlechten Pass, allerdings auch eine klare Chance. Nur der portugiesische Europameister Vieirinha hatte Erfolg, mit einem in der Tat brillanten Freistoss aus 23 Metern. Aber das was schon in der 86. Minute.

Eine Stunde «keine Lösung»

Während sich Romano zwar über den Sieg freute, aber sich im Urteil klugerweise grösste Zurückhaltung auferlegte, sprach Wolfsburgs holländischer Chef Andries Jonker so: «In der ersten Stunde haben wir nicht gut gespielt. Da fanden wir keine Lösungen, um Chancen zu kreieren. Dann waren wir in den ersten fünf Minuten nach der Pause zu nachlässig.» Erst in der letzten halben Stunde, also nach der zweiten Tranche von Wechseln, habe seine Mannschaft gespielt, «wie ich mir das vorstelle. Wir schossen ein Tor, hätten noch häufiger treffen müssen, die hundertprozentigen Chancen waren da.» Es habe sich aber auch gezeigt, wie hart in den vorangegangenen Tagen gerarbeitet wurde. Es ist ja auch so, die Wolfsburger starten erst am 19. August zur Meisterschaft. Dannzumal steht dem FCW schon das sechste Pflichtspiel bevor.

Markaj wohl der nächste Neue

Was seine Zuschauer gesehen haben: Neue, die ein Gewinn sein können. Duah mit seinem Punch und seiner Schnelligkeit; Yang Ming-Yang mit seiner Laufstärke, Nicolas Stettler mit einer soliden Leistung als rechter Aussenläufer. Yang bildete mit seinem alten Kumpan Karim Gazzetta das zentrale Mittelfeld, hinter dem Offensivtrio. Aber die beiden Romands werden noch etwas effizienter spielen müssen, den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel verpassten sie etwas zu oft.

Offensichtlich war aber auch, dass es der Mannschaft gut tut, wenn Frontino gut spielt – besser jedenfalls als in den letzten Wochen der vergangenen Saison. Und dann war da noch der vierte Neue in der Startelf: Dennis Markaj (26) begann als linker Innenverteidiger fehlerhaft, steigerte sich dann aber. Nach dem Spiel einigte er sich mit dem Verein grundsätzlich darauf, dass er in dieser Saison für den FCW spielen wird.

Der fünfte Neue, Robin Huser, erschien nach einer Stunde für Gazzetta. Der sechste, Abwehrchef Jordi Lopez, sass derweil auf der Tribüne. Ihn und Tobias Schättin rechtzeitig fürs Startspiel fit zu bringen, wird eine Aufgabe der nächsten Tage sein. Nach einer schönen Hauptrobe, welche die Fans geniessen konnten. Sie werden nun mit einer gewissen Zuversicht in die Saison gehen.

Auf der Tribüne sass übrigens auch Marco Mangold, der FCW-«Sechser», der im Frühjahr wegen eines Kreuzbandrisses ausfiel. Sein Vertrag ist Ende Juni ausgelaufen, der FCW hätte gerne vorgesehen, dass er zurückkommt, wenn er wieder fit ist. Das könnte in zwei Monaten der Fall sein. Aber nun hat er anderswo unterschrieben – beim SC Kriens, seinem Stammklub.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.07.2017, 23:26 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – VfL Wolfsburg 2:1 (0:0)

Schützenwiese. – 2700 Zuschauer. – SR Hänni. – Tore: 48. Duah 1:0. 49. Frontino 2:0. 86. Vieirinha 2:1. – FCW: Minder; Roth (61. Isik), Katz, Markaj; Stettler, Yang, Gazzetta (61. Huser), Radice; Frontino; Duah (90. Lanza), Sutter (70. Sliskovic). – Wolfsburg: Casteels (46. Grün); William (46. Seguin), Knoche (61. Jaeckel), Rexhbecaj (61. Brooks), Badu (61. Vieirinha); Bazoer (46. Möbius), Camacho (46. Guilavogui); Osimhen (61. Ntep), Malli (46. Didavi), Stefaniak (61. Blaszczykowski); Dimata (61. Gomez). – Bemerkungen: FCW ohne Jordi Lopez, Schättin und Ljubicic (verletzt); der abwanderungswillige Silvio (auf der Bank) nicht eingesetzt; Duah angeschlagen ausgewechselt. – Wolfsburg ohne Bruma (angeschlagen) sowie die U21-Europameister Gerhardt und Arnold (Urlaub); erster Einsatz des Spaniers Ignacio Camacho (27/Malaga).

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