Fussball

Einfach solide Pflichterfüllung

Der FCW spielte im Cup gegen YF Juventus nicht mehr als mittelmässig und siegte 3:0, ohne ins Zittern zu kommen. Die nächste Aufgabe ist zwar schwierig, aber durchaus attraktiv – St. Gallen auf der Schützi.

In der 1. Cup-Hauptrunde behauptete sich der FCW (rechts Torschütze Roman Buess) gegen YF Juventus.

In der 1. Cup-Hauptrunde behauptete sich der FCW (rechts Torschütze Roman Buess) gegen YF Juventus. Bild: Melanie Duchene

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Es war in Altstetten kein Anlass, der länger in Erinnerung haften bleibt. Wer einfach so zuschaute, wird ihn gar als grossmehrheitlich langweilig empfunden haben. Für den «Grossen» auf dem Platz, den FCW, ist das zum einen Kritik, zum andern aber auch ein Kompliment. Er hat sich zwar fast eine Halbzeit lang Zeit gelassen, in Führung zu gehen. Und er hat fast eine zweite Halbzeit lang zugewartet, mit einem dritten Tor alle theoretischen Eventualitäten auszuschalten. Aber er war immerhin von Anfang an konzentriert und, wie es Trainer Ralf Loose schon bei Halbzeit sagen sollte, «geduldig genug», nichts anbrennen zu lassen.

Nuno wie einst im Juli

Natürlich hätte man sich vorstellen können, die Winterthurer würden ihre Aufgabe dynamischer, temporeicher, offensiv zupackender angehen. Oder ganz einfach: etwas spritziger wirken. Ihre Ballstafetten waren dann oft eher langatmig als geradlinig zielgerichtet. Aber sie erweckten auch nie den Eindruck, den Gegner nicht ernst zu nehmen. Dem Vorwurf, den nach drei Unentschieden in der Promotion League noch ungeschlagenen SC YF Juventus zu unterschätzen, setzten sie sich nicht aus. Es wirkte auch nicht so, als dächte auch nur einer: Die haben wir in der Vorbereitung 5:1 geschlagen, also haben wir sie locker im Griff.

In Erinnerung kam jener Match allerdings, als der FCW in der 37. Minute das 1:0 schoss. Nach einem Pass Gjelbrim Taipis liess Linksaussen Nuno Da Silva mit einem lockeren Häkchen den ehemaligen FCW-Nachwuchsmann Marco Trachsel stehen. Dann schlenzte er den Ball in die weitere hohe Ecke. Es war sein erster Treffer in einem Pflichtspiel für den FCW, auf jenem Platz, auf dem er beim 5:1 im Juli in den ersten zehn Minuten dreimal getroffen hatte. Drei Minuten später lenkte Roman Buess einen Eckball Taipis per Kopf zum 2:0 ins Tor. Der Weg zum Pflichtsieg war damit geebnet, noch ehe die Zürcher eine Hürde hätten aufstellen können.

Des Trainers Vorsicht

Aber die Winterthurer müssen sich, was auch ihr Trainer tat, schon den Vorwurf gefallen lassen, aus einer ordentlichen Zahl an klaren Chancen zu wenig gemacht zu haben. Loose hat ja einschlägige Erfahrung. Berühmt ist, wie er einst mit dem FC St. Gallen beim interregionalen Zweitligisten Küssnacht am Rigi verlor. Davide Callà war schon damals sein Captain. Callà wurde gar vom Platz gestellt. Am Samstag schaute er, noch immer an der Wade verletzt, zu.

Loose hatte, da mit Sead Hajrovic auch der Abwehrchef weiterhin fehlt, sehr konservativ aufgestellt. Wahrscheinlich auch aufgrund der Trainingseindrücke. Nicht einen «Probable» brachte er. Er wechselte erst aus, als ihn der nach einem Schlag auf die Wade hinkende Ousmane Doumbia dazu zwang. Loose, das gebrannte Kind, dachte, so lange es nicht 3:0 steht, droht das Szenario: «Die schiessen ein Tor und wir zittern. Das kann schnell gehen.» Also ging der Trainer gar so weit, in der Endphase Mario Bühler als dritten Innenverteidiger aufs Feld zu schicken und jegliche Lücke dort zu schliessen.

Dass dritte Tor fiel dann schon noch, aber erst in der Nachspielzeit. Erzielt hat es der für Doumbia erschienene Rijad Saliji mit einem Hocheckschuss aus 20 Metern. Es war, nach Nuno Da Silvas 1:0, der zweite spielerische Höhepunkt. Die Young Fellows waren in der langen Zeit seit dem 2:0 allerdings nie ernsthaft gefährlich geworden. Raphael Spiegel, der sehr konzentriert im Tor stand, hatte keine halbwegs nennenswerten Probleme zu lösen. Es ist halt schon auch zu sagen: Die Zürcher waren nicht fähig, Akzente zu setzen. Sie waren für eine Überraschung nicht geeignet.

Ein paar nicht in Form

Zu den individuellen Leistungen der Winterthurer ist einzig anzumerken: Granit Lekaj war auch im zweiten Match nach seiner viermonatigen Verletzungspause der zwingend erforderliche Stabilisator im Abwehrzentrum; Doumbia ist in Form, Partner Taipi war immerhin an den ersten zwei Toren beteiligt und traf mal die Latte. Anderseits hätten Luka Sliskovic, Luca Radice und Buess, alle drei im Moment nicht in Form, manche Chance zu einem Tor besessen. Sliskovic und Buess übertrieben es in ihrem Zusammenspiel immer wieder mit auf gleich mehrfachen Doppelpass ausgerichtetem, also zu kompliziertem Spiel. Es war schon erstaunlich, wie schlecht einer wie Sliskovic abschloss, der doch so gut schiessen kann.

Die Pflicht solide erfüllt hat der FCW also. Es war auf jeden Fall kein Rückschlag in der «Reha» nach dem Debakel gegen Lausanne. Damit war es getan bei einem Anlass, der wenig bot und auch weniger gut besucht war als erhofft. Mehr als die Hälfte der rund 500 auf den Rängen kam aus Winterthur, etwa 250 im eigens eingerichteten Gästesektor. Der hatte immerhin einen provisorischen Verpflegungsstand, aber zuerst keine und später auch nur völlig ungenügende sanitäre Einrichtungen. Dafür kostete ein Tribünenticket 40 Franken.

Erstellt: 18.08.2019, 19:48 Uhr

FCW - St. Gallen

«Ein Los für die Fans»

FCW-Trainer Ralf Loose verbirgt nicht, dass ihm dieses Los passt. Gleiches gilt für Oliver Kaiser, den Leiter Sport: Es kommt am Wochenende des 14./15. September der FC St. Gallen zu einem Cup-Sechzehntelfinal auf die Schützenwiese. «Ein Los für die Fans», nennt das Loose zum einen. Es darf mit einem sehr gut gefüllten Stadion gerechnet werden. Es ist aber auch ein sportlich gutes Los: Gegen einen der mittleren A-Klubs wie eben den FCSG kann sich der FCW an einem guten Tag sehr wohl Chancen ausrechnen.

Genauso war die Ausgangslage, als sich Winterthurer und St. Galler zum bisher letzten Mal begegneten. Das war ein Viertelfinal im März 2012. Die St. Galler führten in der ausverkauften Schützi 2:0, Luca Radice und Patrick Bengondo glichen aus. Das Elfmeterschiessen gewann der FCW, weil Alberto Regazzoni, der letzte St. Galler, als einziger Schütze nicht ins Tor traf, sondern den rechten Pfosten. Ein paar Wochen später gewann Basel auf der Schützi bekanntermassen glückhaft 2:1.

Boro Kuzmanovic war damals FCW-Trainer, heute ist er in St. Gallen Assistent des Deutschen Peter Zeidler. Ralf Loose wiederum war in der Saison 2005/06 Trainer in St. Gallen, bis er nach 29 Meisterschaftsrunden gehen musste, «obwohl wir auf Platz 6 lagen». Jene Entlassung findet er wohl noch heute daneben. Mit den St. Gallern hat er seither «nichts mehr zu tun gehabt», sagt er noch. Er war er, zwischen St. Gallen und Winterthur, ja auch stets Trainer in Deutschland – und das nicht auf Europacup-Ebene…

St. Gallen ist mit drei Punkten aus fünf Spielen mässig zur Meisterschaft gestartet. Bis zum Auftritt in Winterthur hat er nur noch einen, in zwei Wochen daheim gegen Lugano. Der FCW spielt noch auswärts gegen GC und in Kriens. Mitte September wird dann seine Zeit der Spiele in der Fremde ablaufen. Was sie beim FCW zurzeit vor allem interessiert: In welchem Zustand sich der Platz dannzumal präsentiert – wie gut erholt (oder allenfalls erneuert) von Faustball-WM und dafür nötigen Aufbauten. Wie ramponiert er aktuell aussieht, ist in den nächsten Tagen zu sehen, wenn er von allen Zusatztribünen befreit daliegt.

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