Favre ist beim BVB offenbar bereits angezählt

Kaum hat die Saison begonnen, schon brodelt es um Dortmund. Mittendrin: der Schweizer Trainer.

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Sie kann lang sein, diese Länderspiel-bedingte Ligapause. Fast endlos dürfte sie denjenigen vorkommen, die das letzte Spiel vor dem Unterbruch verloren haben. Als (selbst deklarierter) Titelanwärter. Gegen einen Aufsteiger. So waren es zehn ungemütliche Tage, die Borussia Dortmund und Trainer Lucien Favre hinter sich haben.

Denn der deutsche Boulevard hatte viel Zeit, um das überraschende 1:3 des BVB bei Union Berlin auszuschlachten. Um Ursachenforschung zu betreiben. Und, vor allem, um Brandherde aufzuspüren. Davon gibt es in Dortmund offenbar ein paar, wenn man der «Sport Bild» glauben darf.

Forsches Ziel

Im Zentrum der Kritik soll Favre stehen, also der Mann, der vor einem halben Jahr noch als Genie gefeiert wurde. Nach der Niederlage in Berlin liess er sich zu einem Seitenhieb in Richtung Vereinsführung hinreissen: «Wir müssen aufpassen, was wir sagen. Ich sage das seit langem. Es ist viel zu tun, aber wir können es nicht mehr ändern.» Damit meint er vor allem das öffentliche Bekenntnis, in dieser Saison die Bayern überflügeln zu wollen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren lautet Dortmunds Saisonziel jetzt ganz offiziell Deutscher Meistertitel.

Das stört Favre. Und dass ihn das stört, stört im BVB-Umfeld. Ottmar Hitzfeld beispielsweise sagte zur «Sport Bild»: «Wenn man in der vergangenen Saison schon so nah dran war, ist es der logische Schritt, wenn die Vereinsführung das Ziel Gewinn der Meisterschaft für diese Spielzeit ausgibt. Das sollte auch der Anspruch des Vereins sein.» Der frühere Schweizer Nationaltrainer gewann mit Dortmund 1995 und 1996 die Schale, 1997 zudem die Champions League.

Wollte Favre den Hummels gar nicht?

Auch Jürgen Kohler, ebenfalls eine Vereinslegende, versteht die forsche Zielsetzung: «Es ist absolut legitim, nachdem Borussia Dortmund so viel Geld in die Mannschaft investiert hat und vergangene Saison aufgrund des zwischenzeitlichen Neun-Punkte-Vorsprungs den Titel hätte gewinnen müssen.» 127,5 Millionen Euro gab der Verein aus – 26 Millionen weniger als Bayern München. Doch ausgerechnet vom teuersten Spieler soll Favre nicht wirklich angetan sein, Königstransfer Mats Hummels gar nicht gewollt haben. Zu langsam sei er für den Schweizer, schreibt die Boulevardzeitung. Bei der hochstehenden Defensive hätte Favre den schnelleren Abdou Diallo bevorzugt, dieser wurde aber für 32 Millionen Euro an PSG verkauft. Auch von Nico Schulz soll der 61-Jährige nicht wirklich angetan sein – dass der Aussenverteidiger wettbewerbsübergreifend in vier von fünf Spielen in der Startformation stand, davon ist in der «Sport Bild» dann aber nichts zu lesen.

Was unbestritten gegen Favre spricht: seine reservierte Art. Im Gegensatz zu den Meistertrainern Hitzfeld und Jürgen Klopp ist er «kein Menschenfänger», wie Kohler, Weltmeister von 1990, bemängelt. So sollen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Marco Reus für die Motivationsansprachen zuständig sein – deshalb leide Favres Ansehen. Wenig hilfreich, dass er dann immer wieder betont, die Spieler sollen arbeiten statt reden. Dabei hätten sich die Profis darauf gefreut, endlich offen zu ihren Ambitionen zu stehen.

Gut also, geht es am Samstag wieder ums Wesentliche: Fussball. Dann trifft Dortmund auf Leverkusen (15.30 Uhr) und den früheren BVB-Trainer Peter Bosz. Sollte es da, oder auch drei Tage später, zum Champions-League-Start gegen Barcelona einen Sieg geben, dürfte Favre vom Angezählten schnell wieder zu dem werden, was er in den ersten neun Monaten seiner Amtszeit bei Dortmund war: dem unbestrittenen Taktik-Genie. (fas)

Erstellt: 11.09.2019, 17:23 Uhr

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