Fussball

Gepunktet, aber eine grosse Chance vergeben

Der FCW hatte die grosse Chance, erstmals seit 50 Jahren ein Auswärtsspiel gegen GC zu gewinnen. Er führte zweimal, war lange in Überzahl. Aber mehr als ein 2:2 verdient hat er dann doch nicht.

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Ein Punkt gegen GC im Letzigrund ist für einen Gast wie den FCW grundsätzlich gut. Der Winterthurer Trainer Ralf Loose war nach 96 Minuten mit dem Ergebnis auch «hochzufrieden, denn nimmt man das ganze Spiel, war GC besser als wir.» Diese Sicht der Dinge war korrekt, die Zürcher hätten es nicht verdient, diesen Match zu verlieren. Aber am Ende musste man zumal aus Winterthurer Sicht eben auch sagen: So wie das Spiel lief, hätte es der FCW sehr wohl gewinnen können, man muss schon fast sagen: Er hätte es gewinnen müssen.

Denn es war ein Match, dessen Verlauf den Winterthurern so in die Karten spielte, dass sie dies zu einem Sieg hätten nutzen können – hätten sie ihre Trümpfe auch ausgespielt. Der Spielverlauf war knapp formuliert so: GC begann besser, hatte gleich mehrere Chancen – und nutzte sie nicht. Dann ging der FCW mit einem ersten berechtigten Foulelfmeter in Führung; schon nach einer guten halben Stunde konnte er auch noch in Überzahl spielen; und selbst nach dem ersten Ausgleich der Zürcher wurde dem FCW der Weg zum Sieg mit einem zweiten Elfmeter nochmals geebnet. Allein, die Winterthurer brachten es nicht fertig, entweder diesen zweiten Vorsprung über die Zeit zu bringen oder dann die vielen Konterräume zu nutzen, die ihnen die in Unterzahl zum Angriff veranlassten Grasshoppers zwangsläufig boten.

Jung und Alt fehlerhaft

Die Grasshoppers haben an diesem Abend besser begonnen als zuletzt bei der Heimniederlage gegen Schaffhausen. Sie waren auch besser willens und fähig, in Unterzahl zu reagieren. So gesehen haben sie sich eher als wirklicher Aufstiegskandidat erwiesen als in andern Spielen dieser Saison, ausgenommen in Aarau. Aber es hatte natürlich auch Gründe, weshalb sie es nicht schafften, den FCW in Rückstand zu versetzen und ihn so womöglich schon früh in die Knie zu zwingen. Es war zum einen die mangelnde Qualität im Abschluss, zum andern aber waren es Fehler, die Junge wie Alte begingen.

Den ersten fatalen Patzer beging in der 22. Minute ein «Alter», der Captain Vero Salatic mit einer Unsicherheit im Zweikampf mit Nuno Da Silva, auf die er mit einem eindeutigen Penaltyfoul reagierte. Ähnlich hatte sein nahezu ebenso erfahrener Kollege Marko Basic das entscheidende Penaltytor gegen Schaffhausen verschuldet.

Den nächsten, noch gravierenderen Patzer, bot dann in der 34. Minute der jugendliche Mann an Salatics Seite: Allen Nje war schon sehr früh verwarnt worden; er hatte nach 31 Minuten nach einem Zwist mit Luka Sliskovic schon sehr viel Glück, nicht ein zweites Mal Gelb zu sehen; das folgte dann kurz darauf nach einem nächsten, offensichtlichen Verwarnungsfoul. Trainer Uli Forte gab hinterher zu, «dass ich ihn schon vorher hätte rausnehmen müssen.» Er schickte dann zwar Djibril Diani zum Einlaufen – «aber dann ging es zu schnell. Schon war Nje draussen.» Die letzte für GC ausgesprochen «dumme» Szene war dann der zweite Elfmeter, als Torhüter Mirko Salvi gegen Roman Buess zu spät kam.

Weil seine Mannschaft das zweite Comeback geschafft hatte und auch in Unterzahl dem Sieg am Ende mindestens so nahe war wie der FCW, sprach Forte am Ende von einem «wichtigen Punkt für die Moral. Es ist auch ein wertvoller Punkt, weil die Mannschaft Leidenschaft zeigte. Ja, es ist ein gefühlter Sieg.» Natürlich hätten die Zürcher bei «normalem Verlauf» dieses Spiel wohl gewonnen. Aber sie begingen eben auch zahlreiche kleinere Fehler, welche mit Leidenschaft nicht ausreichend wettzumachen waren. Über die wahren Qualitäten der Grasshoppers darf man also noch immer rätseln. Immerhin, in die Spitze gehören sie.

Absenzen und Formschwächen

Der FCW wiederum, der sich ja nicht zur absoluten Spitze, sondern eher zur zweiten Reihe zählt, kann sich mit vier Auswärtspunkten aus den zwei Spielen seit dem 0:6 gegen Lausanne genau in dieser zweiten Reihe sehen – eben hinter dem Spitzenduo Lausanne/GC. Diese vier Punkte sind auch zufriedenstellend für eine Mannschaft, der halt schon anzusehen ist, dass ihm mit dem erkrankten Abwehrchef Sead Hajrovic und dem verletzten Antreiber Davide Callà seit dem spielerisch bisher klar besten Match, dem Startspiel gegen Aarau, zwei absolute Schlüsselspieler fehlen.

Kämpferisch war die Leistung gut, spielerisch waren es einzelne Passagen auch. Aber insgesamt brachte es der FCW zu selten fertig, auch nur zehn Gegner zu kontrollieren und die Räume zu Gegenangriffen gescheit genug zu nutzen. In dieser Besetzung ist die Mannschaft nicht zu Spitzenleistungen fähig wie man sie ihr mit der gesamten ersten Wahl zutrauen würde.

Aber es gibt zurzeit ja nicht nur die beiden prominenten Abwesenden, es gibt auch welche, die nicht sonderlich in Form sind. So machte Rechtsverteidiger Nils von Niederhäusern keinen guten Match, es hatte Rechtsaussen Luca Radice wieder keinen guten Tag. Es liessen in der letzten halben Stunde auch jene zwei nach, die das Spiel ihrer Mannschaft lange Zeit am besten getragen hatten: Innenverteidiger Granit Lekaj und «Sechser» Ousmane Doumbia. Lekaj liess sich dann von Nassim Ben Khalifa zu einfach düpieren und es stand 2:2. Später unterliefen ihm noch zwei, drei gravierende Fehlpässe, Doumbia war lange hervorragend, aber gegen Schluss schien ihm die Luft ausgegangen zu sein.

Deckel nicht draufgemacht

Die individuell beste Leistung bot Torhüter Raphael Spiegel, der in der Anfangsphase mehrmals so hielt, dass seine Kollegen überhaupt die Gelegenheit bekamen, mal ins Spiel zu kommen. Ordentliche Leistungen boten auch Gabriel Isik und Linksverteidiger Tobias Schättin. Allerdings waren sie auch Teil einer Defensive, die dem Zürcher Linksverteidiger Euclides Cabral den ersten Ausgleich ermöglichte: Er durfte durch die ganze Abwehr tänzeln, ehe er ausreichend Zeit hatte, eine Lücke im Winterthurer Tor zu finden, die nicht einmal Spiegel mehr schliessen konnte.

Sliskovic nutzte kühl die beiden Elfmeter. Er traf mit einem Weitschuss auch noch die Latte. Roman Buess hatte vereinzelt gute Szenen, Nuno Da Silva hatte die meisten. Einen gewissen Zug aufs Tor entwickelte auch sein Nachfolger Anas Mahamid. Der zwang Salvi zur letzten guten Paraden. Szenen wie diese waren es, die den eigentlich ja «hochzufriedenen» Realisten Loose doch auch sagen liessen: «Wir hätten den Deckel schon auch draufmachen können.» So ist es.

So verdient der Punkt für GC auch sein mag, der FCW hätte die Vorteile des Spielverlaufs besser nützen müssen. Hätte er das getan, könnte er nun den ersten Sieg gegen GC in Zürich seit dem Mai 1969 feiern und sähe er beim Blick auf die Tabelle, dass er gar vor dem Rekordmeister stünde.

Grasshoppers – FCW 2:2 (0:1)

Letzigrund. - 5300 Zuschauer. - SR Wolfensberger. - Tore: 22. Sliskovic (Foulpenalty) 0:1. 64. Cabral 1:1. 68. Sliskovic (Foulpenalty) 1:2. 76. Ben Khalifa 2:2.

GC: Salvi; Arigoni (58. Asllani), Basic, Cvetkovic, Cabral; Salatic, Nje; Pusic (86. Morandi), Roberto Alves (37. Diani), Gjorgjev (86. Sukacev); Ben Khalifa. - FCW: Spiegel; von Niederhäusern, Isik, Lekaj, Schättin; Doumbia, Taipi; Radice (69. Liechti), Sliskovic (73. Saliji), Nuno Da Silva (69. Mahamid); Buess.

Bemerkungen: GC ohne Goelzer, Momoh (verletzt) und Kamber (nicht im Aufgebot). - FCW ohne Hajrovic (krank), Schmid, Callà (verletzt), Roth und Hamdiu (im Aufbau); Sliskovic angeschlagen ausgeschieden; nach Radices Auswechslung Buess Captain. - Platzverweis: 34. Nje (zweite Verwarnung wegen Fouls; erste in der 7.). - 6. Pfostenschuss von Nje. 30. Lattenschuss von Sliskovic. - Verwarnungen: 13. Cabral (Foul). 22. Salatic (Penaltyfoul). 31. Sliskovic (Unsportlichkeit), 36. Doumbia (Foul; Fehlentscheid). 56. Cvetkovic (Foul). 85. Ben Khalifa (Unsportlichkeit).

Challenge League: 1. Lausanne-Sport 4/10 (15:2). 2. GC 5/10 (7:5). 3. Winterthur 5/8 (6:10). 4. Wil 4/7 (6:4). 5. Kriens 4/6 (4:8). 6. Schaffhausen 4/5 (6:7). 7. Aarau 4/4 (8:8). 8. Vaduz 4/4 (5:5). 9. Chiasso 4/3 (4:8). 10. Stade Lausanne-Ouchy 4/1 (5:9). – Die nächsten Spiele: Samstag: Wil – Kriens, Lausanne-Sport – Aarau , Schaffhausen – Stade Lausanne-Ouchy. Sonntag: Chiasso – Vaduz.

Erstellt: 23.08.2019, 23:38 Uhr

Infobox

FCW im Cup am Freitag

Das erste Heimspiel des FCW nach dem 0:6 gegen Lausanne am 3. August findet nun am 13. September statt. Es ist der Cup-Sechzehntelfinal gegen den FC St. Gallen, der auf den Freitagabend vor dem Bettag-Wochenende angesetzt wurde. Den Wünschen des FCW entspricht das nicht. Angepfiffen wird um 20 Uhr, und bis dahin soll auch der Schützi-Rasen nach dem Zwischenspiel mit der Faustball-WM wieder in ausreichendem Zustand sein. Das nächste Meisterschaftsspiel auf der Schützenwiese folgt dann am Samstag darauf gegen den FC Wil.

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