FCW

Mit Verzögerung muss Romano gehen

Zum dritten Mal in Folge wechselt der FCW im Winter den Trainer. Umberto Romano muss gehen– zum einen den Resultaten entsprechend, zum anderen doch überraschend. Zehn Tage nach dem letzten Vorrundenspiel.

Und dann war Schluss: Vor zwei Jahren musste Jürgen Seeberger, vor einem Jahr Sven Christ gehen. Jetzt trifft es Umberto Romano.

Und dann war Schluss: Vor zwei Jahren musste Jürgen Seeberger, vor einem Jahr Sven Christ gehen. Jetzt trifft es Umberto Romano. Bild: Heinz Diener

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Zehn Jahre lang hatte der FCW unter dem Präsidenten Hannes W. Keller nur zwei Trainer, zuerst Mathias Walther, dann Boro Kuzmanovic. Als «HWK» im Sommer 2015 zurücktrat, war Jürgen Seeberger schon eine Saison im Amt – ein halbes Jahr später, zwei Wochen vor der Winterpause, war er weg. Nur ein Jahr und zwei Spiele später musste auch Nachfolger Sven Christ gehen. Und nun ist, nach einem Fussballjahr minus zwei Runden, Umberto Romano dran – der Mann aus den eigenen Reihen.

Das wirft, man soll es gleich einleitend wieder mal sagen, ein schlechtes Licht auf den FCW in der präsidentenlosen Zeit «nach HWK», auf die Führungsproblematik, auf die Trainerfindung. Wer ständig den Übungsleiter wechselt oder wechseln muss, der hat fehlerhaft gearbeitet.

«12 Punkte definitiv zu wenig»

Im Fall Christs war die Bilanz – mit Platz 9 nach der Vorrunde 2016/17 und insgesamt 36 Punkten aus 36 Spielen – ziemlich präzis so, wie sie es nun unter Romano ist: Wieder Platz 9 nach der Vorrunde und dies mit 35 Punkten aus 34 Spielen. Dazu: Tendenz sinkend. In beiden Fällen reichen die Resultate allein aus, einen Trainerwechsel zu begründen. Bei Christ wars aus Sicht der Vereinsführung genug, als er nach schon enttäuschender Vorrunde auch noch die beiden Spiele im neuen Jahr 1:4 verlor, im vergangenen Februar in Chiasso und daheim gegen Servette.

Bei Romano schlägt stark zu Buche, dass er mit seinen zwölf Punkten in dieser Saison die mit Abstand schwächste Vorrunde seit Einführung der Zehnerliga verantwortete, um sechs Punkte schwächer noch als Christ ein Jahr zuvor.

Also sagt selbst Romano: «Zwölf Punkte sind definitiv zu wenig, das weiss ich auch.» Aber er war weiterhin überzeugt, den Turnaround zu schaffen – «auch im Wissen, dass ja neue Spieler kommen sollen.» Überdies im Wissen, die Mannschaft sicher nicht gegen sich zu haben. Und in der Meinung, in der ganzen Vorrunde von keinem Gegner dominiert worden zu sein.

Kam dazu, dass es in den ersten Tagen nach den letzten zwei Niederlagen, dem besonders bitteren 0:1 daheim gegen den FC Schaffhausen und dem weniger bitteren, aber ebenfalls durch krasse individuelle Fehler begünstigten 1:2 beim Leader Neuchâtel Xamax, eher danach aussah, als erhielte er noch eine Chance. Wenigstens für die ersten drei Spiele der Rückrunde, die ihn gleich gegen die Rivalen im Abstiegskampf geführt hätten – gegen Rapperswil-Jona, in Wohlen und gegen Wil.

Am Ende wars «einstimmig»

Aber dann hat sich die Lage in den vergangenen Tagen doch so entwickelt, dass eine Entscheidung gegen Romano fiel – und ihm gestern mitgeteilt wurde. Am Ende war sie, so heisst es, «einstimmig». Oliver Kaiser, der Leiter Sport, begründet: «Entscheidend war allein die sportliche Situation. Wir haben zu wenige Punkte, wir sind in Abstiegsgefahr. Es hat nichts mit der Person zu tun.» Geschäftsführer Andreas Mösli sagt, der Entscheid habe sich entwickelt «aus der Grundstimmung heraus, dass es Romano nicht schafft» – «es» wäre eben der Klassenerhalt.

«Entscheidend war allein die sportliche Situation. Wir haben zu wenige Punkte, wir sind in Abstiegsgefahr. Es hat nichts mit der Person zu tun.»

So muss jetzt Umberto Romano seine Arbeit auf der Schützenwiese beenden – nach Tagen, in denen er noch die Trainingspläne für die Vorbereitung zusammenstellte und Gespräche führte, welche Spieler als Verstärkungen in Frage kommen. «Natürlich bin ich enttäuscht», sagt er, «überrascht auch.»

Als Realist wirkt er aber auch gefasst. «Ich war so im Fokus», fügt er bei. Also hat er sich auch noch keinerlei Gedanken gemacht, wie seine nächste Zukunft aussehen könnte – für den Fall, dass eintritt, was nun eintrat.

Es ist schon noch einmal zu sagen, die Tendenz der Amtszeit Romanos sei ungünstig gewesen. Er selbst wirkte im Herbst nicht mehr so überzeugend wie noch im Frühjahr, in den Wochen, als er in den Cup-Halbfinal vorgestossen war und er mit zwei Unentschieden und dann vier Siegen in Folge die Abstiegsgefahr weitgehend gebannt hatte – bis dann der Rückzug des FC Le Mont bekannt wurde.

Von jenem Tag an spielte Romanos FCW nicht mehr so erfolgreich wie vorher. Das setzte sich dann auch im Herbst fort. Weil dem so war, ist doch auch zu urteilen, Romano habe nach seinem Aufstieg von der U18 ins «Eins» die erste Chance nicht genutzt, sich als Cheftrainer im Profifussball durchzusetzen – noch ehe er die Ausbildung für die Uefa-Pro-Lizenz abgeschlossen hat.

Der verfehlte Optimismus

Er begann, davon überzeugt, mit einer Dreierabwehr und Ballbesitzfussball. Davon wich er – unter gewissem Druck – im Herbst ab. Es wurde nun wieder mit vier Mann verteidigt, Ballbesitz und gehobenere Spielkultur waren nicht mehr das Thema. Die Resultate wurden nicht besser, im Gegenteil.

Trainer und Beobachter mussten sich immer über dieselben Mängel ärgern, über individuelle Fehler, die Punkte kosteten. Und dies von einer Mannschaft, die auch nicht so gut besetzt war, wie allenthalben gedacht wurde – zu Saisonbeginn galt Platz 6 als realistisches Ziel galt. Damals formulierte auch Romano, ohne dass er konkret von einem Rang sprach: «Wir müssen genug Selbstvertrauen haben, mit dem Abstieg nichts zu tun zu bekommen. Ja, wir müssen den Anspruch haben, das Überraschungsteam zu werden.»

Heute siehts anders aus. Romano ist seines Amtes enthoben, sein Vertrag läuft noch bis Ende Saison. Seine wichtigsten Partner, Assistent Dario Zuffi, Goalietrainer Paolo Cesari und Konditionstrainer Thomas Breitenmoser, sind vorderhand weiter im Amt.

Nach einem Entscheid, der Konsequenz ungenügenden Wirkens allenthalben ist, geht es nun darum, mit der Wahl des Nachfolgers klug zu handeln. Im Prinzip ist es, sagt der für dieses Tagesgeschäft zuständige Oliver Kaiser, «das Ziel, bis zum Trainingsbeginn Anfang Januar den neuen Mann zu haben.» Kaiser fügt, durchaus glaubhaft, bei: «Ich habe noch mit niemandem geredet – ich habe stets gesagt, dass ich keine solchen Spielchen mache.» Für ihn ist es ja auch der erste Trainerwechsel im Amt.

Doumbia wohl erster Neuer

Also ist es müssig, schon mit Namen zu spekulieren. Dafür ist der Name des ersten neuen Spielers zu nennen, dessen Verpflichtung nahe ist. Zu der leistete Romano in den vergangenen Tagen noch seinen Beitrag als Verhandler. Es ist, für die Problemzone im zentralen, defensiven Mittelfeld, der 25-jährige Ivorer Ousmane Doumbia.

Er trainierte schon im September zum Test auf der Schützenwiese. Eine Verpflichtung scheiterte damals daran, dass Doumbias Fitnessstand nach einer langwierigen Verletzung noch als fragil galt. Seither aber hat er in sechs Einsätzen über 90 Minuten in den letzten sechs Herbstrunden mit Yverdon-Sport aus der Promotion League den Nachweis geliefert, fit zu sein.

Von 2013 bis 2017 machte er für Servette gegen 90 Pflichtspiele; er war Stammkraft, wenn er nicht verletzt war. Er ist der jüngere Bruder des namhaften Stürmers Seydou Doumbia, zurzeit bei Sporting Lissabon, in der vergangenen Saison als Stürmer des FC Basel noch Topskorer der Super League.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.12.2017, 20:36 Uhr

Umfrage

Der FCW hat auf die schwache Hinrunde reagiert und Trainer Umberto Romano entlassen. Ein richtiger Entscheid?

Ja - die Mannschaft braucht neue Impulse von der Seitenlinie.

 
47.4%

Nein - am Trainer liegt's nicht. Romano hätte die Trendwende geschafft.

 
20%

Egal - mit diesem Team steigt der FCW sowieso ab.

 
32.6%

175 Stimmen


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