PSG-Boss zählt seine Stars an

Jetzt ist offenbar genug: Nasser al-Khelaifi hat die Allüren seiner Fussballer satt. In einem Interview schlägt er neue Töne an.

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Sie haben es sich offenbar um einiges leichter vorgestellt, die Geldonkel von der Arabischen Halbinsel. Als sie 2011 via die Qatar Sport Investments (QSI) Paris Saint-Germain übernahmen, träumten sie vom ganz grossen Coup: dem Gewinn der Champions League. Geld spielte dabei keine Rolle, bis auf das lästige Financial Fairplay, das die Uefa durchzusetzen versuchte. Die katarische Transferoffensive in Paris gipfelte im 222-Millionen-Euro-Kauf des brasilianischen Superstars Neymar. Um ihre Ambitionen zu untermauern, holten sie im gleichen Transferfenster noch Kylian Mbappé. Zufrieden sagte PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi über den Neymar-Transfer: «Wir sind stolz, den besten Spieler der Welt bei uns zu haben.» Das war im Sommer 2017.

Nun wird al-Khelaifi offenbar bewusst, dass er sich nicht nur mit diesem Satz verspekuliert hat. Denn Neymar war zwar sicher ein Erfolg fürs Marketing, sportlich hatte der Stürmer aber nicht die erhoffte Wirkung. Auch, weil er in beiden Saisons die entscheidende Phase in der Champions League verletzungsbedingt verpasste, worauf Paris jeweils früh ausschied. In Abwesenheit des Brasilianers konnte auch der zweitteuerste Spieler der Welt, Mbappé (180 Millionen Euro), das europäische Fiasko nicht verhindern. Deshalb sagt al-Khelaifi jetzt, im Sommer 2019: «Die Dinge hier müssen sich komplett ändern.»

Diese Aussage stammt aus einem Interview, das am Dienstag in «France Football» erscheinen wird. Das Fussballmagazin hat vorab schon mal eine Auswahl an knackigen Zitaten veröffentlicht. Und sie zeigt, dass sie in Katar mit ihren hochbezahlten Profis alles andere als zufrieden sind. «Die Spieler werden noch mehr zur Verantwortung gezogen als bisher. Sie werden mehr machen müssen, mehr arbeiten müssen. Sie sind nicht hier, um sich zu vergnügen.» Und wer darauf keine Lust habe, für den hat der Geschäftsmann nur ein Wort übrig: «Ciao!»

Völlig neue Töne aus einem Verein, der bisher bekannt dafür war, das zu bekommen, was er wollte. Auch wenn ein Spieler Wechselgefühle entwickeln sollte, so wurden diese mit einer satten Gehaltserhöhung einfach mal abgekauft. So beispielsweise bei Mittelfeldspieler Marco Verratti, der sich Medienberichten zufolge im Sommer 2017 mit Barça schon einig gewesen sein sollte. PSG stellte sich allerdings quer, verbesserte seinen Vertrag und bezahlte als Rache die festgeschriebene Ablösesumme für Neymar. So einfach geht das, wenn Geld keine Rolle spielt.

Fertig mit den Starallüren

Doch nun hatten sie in Paris (und Katar) eine Erleuchtung: Alles lässt sich mit Geld doch nicht kaufen. Beispielsweise das allerletzte Commitment der Fussballer mit dem Projekt PSG. So war Neymar in den letzten beiden Saisons öfters in Barças Trainingszentrum zu Besuch als bei Champions-League-Achtelfinalspielen auf dem Platz. Aufgrund von Verletzungen und Sperren verpasste er 53 Pflichtspiele, aber keine Geburtstagsparty seiner Schwester in Brasilien. Erschwerend kam in den letzten Wochen hinzu, dass Mbappé, der französische Goldjunge, öffentlich sagte, dass es möglicherweise der Zeitpunkt für eine neue Herausforderung wäre.

Solche Eskapaden sollen künftig nicht mehr toleriert werden. «Ich will diese Starallüren hier nicht mehr sehen», so al-Khelaifi. Worte, die wie eine letzte Warnung daherkommen. Denn zuletzt machte sich das Gerücht breit, wonach QSI sich ernsthaft überlegen soll, bei PSG auszusteigen. Doch kampflos aufgeben wollen sie in Katar nicht. Auch wenn Geld keine Rolle spielt: Seit 2011 mehr als 1,2 Milliarden Euro für Ablösesummen auszugeben und in der Champions League nicht über den Viertelfinal hinauszukommen, das wäre dann doch keine sehr gute Werbung.

Das sind die zehn teuersten Transfers der Fussballgeschichte:

(fas)

Erstellt: 17.06.2019, 11:31 Uhr

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