Fussball

Saisonschluss und offene Fragen

FCW - Aarau ist heute Abend der letzte Match der Saison auf der Schützenwiese. Es ist das Duell jener beiden Teams in der Challenge League, die in dieser Saison am weitesten hinter ihren Zielen zurückblieben.

An seinem Einsatz auf dem Platz mangelt es Silvio nicht (hier im August beim 1:1 auf der Schützenwiese gegen den FC Aarau), aber manchmal am Commitment für den FCW.

An seinem Einsatz auf dem Platz mangelt es Silvio nicht (hier im August beim 1:1 auf der Schützenwiese gegen den FC Aarau), aber manchmal am Commitment für den FCW. Bild: Heinz Diener

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Die Saisongeschichte des FC Aarau ist bekannt: Mindestens unter den ersten drei, wenn nicht konkret im Aufstiegskampf wollte er sich bewegen – jetzt ist er gerade noch Leader der zweiten Tabellenhälfte, zwölf Punkte hinter dem Aufsteiger Rapperswil-Jona, gar 38 hinter Neuchâtel Xamax.

Es war eine Spielzeit voller Unruhe­, selbstredend auch mit einem Trainerwechsel. Marinko Jurendic, im Sommer gekommen, musste Mitte März gehen. Ein Holländer namens Ton Verkerk (63), der das Diplom liefert, sitzt heute auf der Bank; der eigent­liche (Interims-)Chef Stephan Keller ist gesperrt – auf die Tri­büne geschickt am Wochenende gegen Wil. Der neue Trainer heisst Patrick Rahmen. Wie Keller­ gesperrt sind heute übrigens: Olivier Jäckle und Ales­sandro Ciarrocchi nach Platz­verweisen, Juan-Pablo Garat nach acht Verwarnungen.

Beim FCW gilt der Deutsche Ralf Loose als der Kandidat aufs Traineramt: Livio Bordoli gehört heute zu jenen, die ihr Abschiedsspiel auf der Schützenwiese geben­. Es kommt eine Handvoll anderer hinzu. Denn so ist der Stand der Personalien – vom Tor bis in den Angriff:

Tor: neue Nummer 1. Matthias Minder war ein Jahr lang der Vorgän­ger und ein Jahr lang der Nachfolger von David von Ballmoos als erste Wahl im FCW-Tor. Jetzt, nach einer durchzogenen Saison, zieht er weiter zu Xamax. Die neue Nummer 1 soll einer werden, der vor sechs Jahren ins Ausland ging, dort nie in der ersten Mannschaft spielte, dem sie aber beim FCW zutrauen, mit seinen 25 Jahren auch reif genug zu sein, diese Rolle zu spielen. Es ist Raphael Spiegel, ehedem im Kader der U-17-Weltmeister von 2009. Einer, der bei West Ham United mit den Profis trainierte und in der U-23 spielte, sollte dort im Verhältnis zur Challenge League ausreichend gefordert worden sein. Aber ein Jahr ohne Spiel bei Boavista Porto ist erst mal wettzumachen. Nicht mehr im FCW-Kader steht künftig Yannick Bünzli. Mit Bojan Milosavljevic wird verhandelt, er wäre dann die Nummer 2.

Abwehr: Fragezeichen linke Seite.Guillaume Katz und Leandro Di Gregorio, deren Verträge auslaufen, verlassen den Verein; Nicolas Stettler kehrt nach beendetem Leihjahr zum FC Zürich zurück. Der vielseitige, aber am ehesten für die rechte Flanke vorgese­hene Denis Markaj bleibt mit laufendem Vertrag. Dazu kommen vier zentrale Vertei­diger: Jordi Lopez (Vertrag läuft weiter), Sead Hajrovic (kehrt nach zwei Jahren in Wohlen zurück) und die Nachwuchsleute Gabriel Isik und Julian Roth. Isik konnte sich in den letzten Wochen empfehlen, Roth hat seinen Kreuzbandriss überstanden.

Bleibt die linke Flanke. Es stellt sich die Frage, was mit Tobias Schättin passiert, der Anfang Rück­runde zum FCZ ausge­liehen wurde, dort aber wegen Verletzungen wenig geprüft ­werden konnte. Leiht ihn der FCZ nochmals aus oder wird der Vertrag mit dem FCW wieder gültig? Klar ist: Spielt Schättin nicht auf der Schützi, braucht der FCW noch einen Linksvertei­diger – ungeach­tet der Situation von Kofi Schulz.

Mittelfeld zentral – ohne Ljubicic. Ousmane Doumbia, Karim Gazzetta, Nikola Milosavljevic und Riad Saliji stehen unter Vertrag, jener des immer wieder von Verletzungen geplagten Kreso Ljubicic läuft aus. Ljubicic wird den Verein verlassen. Mit Tiziano Lanza, dem Eigengewächs, das verlässlich ist, aber den Durchbruch nicht wirklich schaffte, wird diskutiert.

Aussenbahn offensiv – mit ­Callà?Davide Callà ist, mehr noch als Hajrovic, jener Neue, auf den sie beim FCW als Leader setzen, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung und Persönlichkeit. In seinem Fall fragt man sich allerdings, ob einer seiner Bedeutung nicht im Zentrum hilfreicher ­wäre als auf der Flanke, wo er auch zuletzt in Basel wirkte. Für die Flanken gibt es: Luca Radice, der seinen Vertrag verlängerte.

Es gibt auch Dario Ulrich und Kwadwo Duah. Aber der eine ist vom FC Luzern, der andere von den Young Boys ausgeliehen – es haben also die beiden «Besitzer» mitzureden. Duah hat sein Talent bisher nicht den Möglichkeiten entsprechend ausgespielt, Ulrich ist ein verlässlicher Mann. Und dann ist da eben noch Kofi Schulz, auf der linken Flanke defensiv wie offensiv einzusetzen, allerdings mit defensiven Schwächen. Seine Leistungen waren schwankend, oft von einer zur anderen Halbzeit. Es waren manchmal zwei verschiedene Spieler zu sehen. Die Konsequenz: Schulz’ Zukunft ist das eine grosse Fragezeichen der Kaderplanung.

Sturm – was mit Silvio? Das andere­ ist Silvio, der nominell noch immer beste Stürmer, aber mit seinen 33 Jahren in der Endphase seiner Karriere. An seinem Einsatz auf dem Platz ist nicht zu zweifeln, aber manchmal am Commitment zum Verein, also­ seine Identifikation. Denn mit seinen Abwanderungsgelüsten Richtung Wil stand er eben an der Basis des Fehlstarts im vergangenen Sommer, von dem sich der FCW genau genommen nie mehr richtig erholte.

Es wird auch massgeblich sein, wie der neue Trainer die Fälle Schulz und Silvio sieht. Der Vertrag von Luka Sliskovic läuft ­weiter, jener von Manuel Sutter läuft nach zwei Jahren aus. Die zweite Saison Sutters war deutlich weniger vom Glück begünstigt als die erste, mit ihm ist der Verein im Gespräch. Der kongolesische Nachwuchsmann Ambre Nsumbu hatte im Frühjahr seine ersten paar Auftritte. Einen gül­tigen Schluss erlaubten sie noch nicht, jetzt fällt er verletzt für ein paar Wochen aus.

Silvio und Schulz werden die ersten gewichtigen (Mit-)Entscheide des neuen Trainers sein. Hajrovic und Callà, der neue Torhüter auch, müssen sich als ­gute Transfers bestätigen, sie müssen helfen, eine neue Mentalität ins Kader zu bringen. Aber derlei hat man in den vergangenen Jahren oft gesagt. Nur, so schlecht wie diese war seit langem keine Saison mehr. (Der Landbote)

Erstellt: 17.05.2018, 22:56 Uhr

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