FC Winterthur

So gehts nun gar nicht

Dem 1:3 gegen den FC Wohlen liess der FCW ein 1:3 (1:2) beim Aufsteiger FC Rapperswil-Jona folgen – und eine Leistung, die noch schwächer war. Man muss gar sagen, es sei ein beängstigender Auftritt gewesen.

Erster und gleich doppelter Torschütze für Rapperswil-Jona in der Challenge League: Mychell Da Silva, beim FCW einst als nicht gut genug für einen Profivertrag eingestuft, traf zum 1:0 und zum 3:1.

Erster und gleich doppelter Torschütze für Rapperswil-Jona in der Challenge League: Mychell Da Silva, beim FCW einst als nicht gut genug für einen Profivertrag eingestuft, traf zum 1:0 und zum 3:1. Bild: Moritz Hager

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Wenn der FCW durch die Challenge League reist, dürfen sich die Gastgeber freuen. Denn er bringt auch Fans mit – wie in diesem Falle des Heimdebüts des FCRJ gar ein paar hundert. Und die kommen dann, wie diesmal, per Schiff; stellen sich hinters Gitter in ihrem Sektor; feuern ihre Mannschaft an, bis deren Niederlage feststeht; trollen sich dann wieder so friedlich wie sie gekommen sind. Aber nach diesem Spiel ist zu sagen, diese Mannschaft habe diese Fans nicht verdient.

Meier: «Alles investiert»

Natürlich sind zwei Runden – und zwei Niederlagen so wenig wie zwei Siege – nicht geeignet für gewichtige Bilanzen. Aber selbst wer das Ganze nur als erste, flüchtige Momentaufnahme sieht, muss sagen: Wenn sie nur einigermassen dem wahren Nennwert dieses FCW 2017 entspricht, dann ist dessen Lage bedrohlich. Denn der FCW war in keiner Art zu einer Reaktion auf den Fehlstart gegen den FC Wohlen fähig – so ganz anders als die Rapperswiler, die ihre Lektion aus dem 0:6 in Schaffhausen gelernt hatten. Deren Trainer Urs Meier konnte jedenfalls guten Gewissens sagen, was den Match aus seiner Sicht entschieden hatte: «Es war die Leidenschaft, die Bereitschaft, der Willen aller, auch in jenen Momenten, als Winterthur aufs 2:2 drängte.» Und: «Wir haben den Sieg hierbehalten, den wir auch verdienten. Dafür investierte die Mannschaft alles, mehr als der Gegner.»

«Es war die Leidenschaft, die Bereitschaft, der Willen aller.»Urs Meier, Trainer FC Rapperswil-Jona

Aus der Sicht des Gegners aus Winterthur sah der Match so aus: Der FCW geriet in Rückstand, weil er sich in der Defensive wieder Unzulänglichkeiten leistete – und zwar alle –, die einfach Niederlagen konditionieren. Wie sie es schon gegen Wohlen getan hatten. Der FCW holte dieses 0:2, Sekunden vor Halbzeit, zur Hälfte auf und war danach, trotz einer stärkeren Phase in den 20 Minuten nach der Pause, nicht fähig, auch den zweiten Teil dieses Aufholens zu schaffen – nun mangels Durchsetzungsvermögen in der Offensive. Es war eben die Gesamtleistung einer Mannschaft, die kollektiv eindeutig zu wenig bot, in der aber auch praktisch alle mit ihrer individuellen Leistung nicht zufrieden sein konnten. Als Mannschaft wie individuell liess dieser FCW jede Klarheit vermissen.

Die Achse, die noch keine ist

Die Probleme liegen also fast überall. Die Planungen sahen eine Achse vor mit Jordi Lopez als Abwehrchef, Kreso Ljubicic als «Sechser», Gianluca Frontino offensiv davor und Silvio als einigermassen verlässlicher Skorer im Sturm. Davon war an diesem Samstag dies zu sehen: Lopez nochmals auf der Tribüne; Ljubicic im ersten Match nach seiner jüngsten Verletzung ohne den geringsten positiven Einfluss aufs Spiel; Silvio wegen seiner Transferkapriolen weiterhin nicht im Kader.

Blieb Frontino, der als einziger in diesem Aufgebot den Eindruck einer Führungskraft machte und als einziger Feldspieler nach diesen zwei ersten Spielen sagen kann, vernünftig bis gut gespielt zu haben. Diesmal auch mit einem starken Freistoss an den Pfosten oder jenem Pass, der Luca Radice nach 58 Minuten das 2:2 ermöglicht hätte. Zum Vergleich: Der Rapperswiler Manuel Kubli hatte, im Duell mit Ljubicic, in einer praktisch identischen Szene und vom praktisch selben Quadratmeter aus das 2:0 geschossen.

Zur Achse gehört auch noch der Torhüter, Matthias Minder, der als Nummer 1 seinen Nachfolger David von Ballmoos nach zwei Jahren wieder abgelöst hat. An Minders Qualität für die Challenge League ist grundsätzlich nicht zu zweifeln. Er begann im Grünfeld auch mit einer sehr starken Parade, als seine Abwehr ein erstes Mal gepatzt hatte. Aber das 0:1 hätte er verhindern müssen. Der flache Ball Mychell Da Silvas kam aus so spitzem Winkel, dass er nicht die Kurve über die Torlinie hätte kriegen dürfen.

Es patzten alle

Und sonst: drei Verteidiger, Guillaume Katz, Tobias Schättin und Dennis Markaj, die sich alle schon bald individuelle Patzer leisteten. Als Aussenläufer Nicolas Stettler, der sich rechts zwar in der zweiten Halbzeit steigerte, aber vorher unzureichend spielte, und Radice, der sich bemühte, wirkungsvoller war als die meisten andern, aber doch jene «sichere» Chance vergab. Dazwischen standen, Ljubicic vorgestaffelt, die Romands Karim Gazzetta und Yang Ming-Yang. Sie waren beide bemüht, sie bastelten – zusammen mit Radice – auch das Tor. Aber insgesamt waren auch sie zu wenig konkret, vor allem Yang muss bei allem Eifer einfacher spielen. Und vorne kam eindeutig zu wenig von Manuel Sutter sowie den eingewechselten Kwadwo Duah und Genc Krasniqi.

Bei Halbzeit hatte Trainer Umberto Romano zum Mittel gegriffen, gleich zwei Wechsel vorzunehmen – Julian Roth für Schättin, der wieder mal über eine Blessur klagte, und Duah für Sutter. Es folgten die guten 20 Minuten – aber 20 Minuten sind zu wenig, etwas zu erzwingen. Es darf nach so einer Vorstellung auch nicht herangezogen werden, dass der Elfmeter zum 3:1, den Mychell Da Silva herausholte und auch verwertete, nicht annähernd gerechtfertigt war. So ging Mychell Da Silva, mittlerweile 28 und Captain dieser Rapperswiler Besetzung, nicht nur als erster, sondern gleich als doppelter Torschütze in die Challenge-League-Geschichte des FCRJ ein. Als Teenager hatte er einst ein paar Tore für die U21 des FCW geschossen. Aber er war nicht als gut genug für einen Profivertrag erachtet worden.

Wie weit es die Rapperswiler in der neuen Umgebung bringen können, wurde an diesem Tag natürlich nicht beantwortet. Klar war nur, Urs Meier hatte im Vergleich zum Debakel in Schaffhausen drei neue Kräfte gebracht und seine Mannschaft auf deutlich mehr Aggressivität getrimmt. Dass das für diesen FCW schon reichte, muss auf der Schützenwiese zu denken geben.

(Der Landbote)

Erstellt: 30.07.2017, 22:42 Uhr

Wende im Fall Silvio?

FCW-Trainer Umberto Romano fasste den natürlich auch ihn sehr enttäuschenden Auftritt auf dem Joner Grünfeld so zusammen: «Das Beste der ersten Halbzeit war das Tor. Dann hatten wir 20 gute Minuten, in denen wir hätten ausgleichen müssen. Danach verloren wir wieder an Druck, und übers Ganze gesehen haben wir zu wenig gebracht.»

Seine Mannschaft habe in diesen ersten zwei Meisterschaftsspielen vor allem auch «zu viele individuelle Fehler in der Defensive» begangen. Und sie habe sich, keineswegs zum ersten Mal, «zu wenig gewehrt», gegen einen Gegner, der nach seinem Debakel in Schaffhausen hart um jeden Ball kämpfte. Wie das selbstredend zu erwarten gewesen sei. Aber es ist eben so: Zumindest in der aktuellen Besetzung – nochmals ohne den designierten Abwehrchef Jordi Lopez, ohne Silvio, mit einem Kreso Ljubicic in sehr schwacher Tagesform – fehlten auch weitestgehend die «Charakterköpfe», die für diese Saison zu finden das so wichtige Ziel Romanos war. Auch aus des Trainers Sicht erfüllte eigentlich nur Gianluca Frontino diese Qualifikation. Aber das scheint ihm auch deshalb nicht unlogisch, weil aus seiner angedachten Achse Lopez und Silvio noch nicht mal spielten.

Die Wende? «Da müssen wir jetzt durch,» sagt Romano zur Lage – er mit seinen Spielern. Am kommenden Montag wird er gegen Aarau erstmals Jordi Lopez einsetzen können; es hat bis dahin auch Ljubicic eine Woche Zeit, die Form wiederzufinden, die er in der Vorbereitung mehr als nur angedeutet hatte. Vor allem aber scheint sich eine Wende abzuzeichnen im «Fall Silvio». Es waren übers Wochenende Signale zu erkennen, dass es doch eine Zukunft für den brasilianischen Stürmer auf der Schützenwiese gibt. Und nicht auf dem Wiler Bergholz.

Kwadwo Duah, dem mit einiger Hoffnung in die Saison gestartete Berner Stürmer, droht dagegen eine Pause. Er erlitt in der Endphase am Obersee eine Knieverletzung, die sich womöglich gar als Innenband- oder Meniskusschaden herausstellt. Genaueres wird heute disagnostiziert. hjs

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