So versucht der FCB sein Chaos zu erklären

Der FC Basel steht zum Trainingsstart ohne Sportchef da. Trotzdem will Präsident Burgener keine Krise erkennen.

Präsident Bernhard Burgener schaute zurück und nach vorne. (Video: Marcel Rohner)

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Wie nennt man es, wenn der Sportchef der teuersten Fussballmannschaft des Landes vier Tage vor dem Trainingsstart den Bettel hinschmeisst? Bernhard Burgener weiss an diesem Dienstag vor allem, wie er das nicht nennen will: Krise. «Es ist doch keine Krise, wenn ein Mitarbeiter in einem Betrieb zurücktritt», sagt der Besitzer des FC Basel also.

Ganz so, als ob Marco Streller nicht das Gesicht des neuen FCB gewesen wäre, der Posterboy eines Projekts, das nach zwei Jahren in schwere Schieflage geraten ist. Es ist nicht die einzige überraschende Aussage an einer Pressekonferenz, die in 75 Minuten auf ganz viele Fragen nur sehr wenige befriedigende Antworten liefert.

Warum ist Marco Streller am Freitag als Sportdirektor zurückgetreten? Warum hat er zuvor mit Aaraus Trainer Patrick Rahmen verhandelt? Warum hat der Basler Cheftrainer Marcel Koller am Mittwoch in Begleitung seines Beraters Dinge aus seinem Büro im St.-Jakob-Park getragen?

Die Welt, wie sie der FCB sieht

Die Geschichte, die der FC Basel an diesem Dienstag erzählen will, geht so: Möglich, dass Streller mit Rahmen Gespräche geführt hat. Aber das sei völlig normal, meint Burgener: «Ich erwarte von unserem Sportchef, dass er ein paar Dossiers hat, wenn uns jemand den Trainer wegnehmen will.»

Kurz darauf erklärt Koller zwar, er habe nie daran gedacht, Basel den Rücken zu kehren: «Von meiner Seite aus gab es keine Hinweise, dass ich den Verein verlassen könnte.» Aber das beirrt Burgener nicht. Er will die Öffentlichkeit glauben machen, dass mit Rahmen bloss gesprochen wurde, um bei einem eventuellen Abgang Kollers vorbereitet zu sein.

Des Weiteren bestreitet der FCB vehement, dass Marcel Koller am Mittwoch in einer Sitzung in Burgeners Büro freigestellt oder gar entlassen worden sei. Dies wird von mindestens einer Quelle behauptet. Koller sagt: «Eine Kündigung hat niemand ausgesprochen.» Burgener doppelt nach: «Es gab keine Freistellung.»

Koller und der Besuch im Büro

Trotzdem ist Koller nach jener Sitzung zusammen mit seinem Berater Dino Lamberti ins Stadion gefahren und hat Dinge aus seinem Büro getragen. Kollers Erklärung: «Weil ich schon in Basel war – und ich noch arbeiten musste –, habe ich ein paar private Sachen geholt und bin wieder in die Ferien ins Bündnerland gereist.»

Alles ganz normal also? Warum ist dann Marco Streller zwei Tage nach Kollers Besuch in Burgeners Büro zurückgetreten? Warum hat er in seiner Abschieds-SMS an die Spieler von «verschiedenen Dingen» geschrieben, «die er nicht akzeptieren kann»? Dazu mag Burgener nichts sagen: «Diese Vertraulichkeit haben er und der Verein verdient.»

Eine weitere offene Frage ist, was Streller künftig tun wird. Er ist zwar als Sportdirektor zurückgetreten, bleibt aber im Verwaltungsrat. «Er wird jetzt Ferien machen, dann sitzen wir zusammen», sagt Burgener, «wir werden noch schauen, welche Aufgaben er übernehmen wird.»

Heri will nicht Sportchef werden

Und wer wird neuer Sportchef? Die Zahl der eingegangenen Bewerbungen sei inzwischen zweistellig, erzählt Burgener. CEO Roland Heri wird bis auf weiteres die Transfer-Kommission leiten. Heri sagt selber: «Ich werde nicht der neue Sportchef sein.» Und sowieso seien die Transfers bereits von Streller aufgegleist worden: «Der Laden läuft.»

Alles gut in Basel? Nicht ganz, gibt Burgener dann doch noch zu: «In der Kommunikation können wir uns verbessern. Vertrauliche Gespräche müssen intern bleiben.» Und er äussert Vorwürfe an ungenannte Personen: «Es haben sich Leute über den Verein gestellt.»

Das Lachen der Journalisten

Bleibt das Schlusswort für den Trainer, der während Monaten durch die Aussagen von Streller und auch Burgener destabilisiert worden ist. Und der nun trotzdem die Vorbereitung auf die kommende Saison in Angriff nimmt. Koller verbringt die 75 Minuten mehrheitlich schweigend und lauscht mit verschlossener Miene, was sein Präsident und sein CEO zu erzählen haben.

Trotzdem sagt er am Schluss: «Meine Vorfreude auf die neue Saison ist riesig.» Auf das deutlich vernehmbare Schnauben aus der Schar der Medienvertreter: «Der eine oder andere von Ihnen hat jetzt gelacht. Aber ich bin ein Fussballbesessener.» Und auch noch: «Der FCB ist ein geiler Verein. Tolle Fans, super Stadion, tolle Mannschaft. Ich wollte nicht sagen, ich höre auf.»

Erstellt: 18.06.2019, 12:17 Uhr

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