Challenge League

Wenigstens ein Punkt für einen zähen Kampf

Der FCW führte und hätte sein zweites Heimspiel gewinnen können, aber er hätte es auch verlieren können. Also war das 1:1 gegen den wie erwartet soliden Aufsteiger aus Kriens zwar nicht die erhofft überzeugende Leistung, aber immerhin ein korrektes Ergebnis.

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Der FCW hatte Mühe, in den Match zu kommen – wie das halt so ist, wenn man nicht gleich in Führung geht, wie ihm das eine Woche zuvor in Rapperswil gelungen war. Er bekam die Dinge nach einer Viertelstunde allmählich besser in den Griff. Und dann ging er kurz nach der Pause auch noch in Führung. Die Entstehung des Tors war irgendwie typisch für den ganzen Match – eine Kombination aus verunglücktem Bemühen und guter Reaktion darauf. Die trickreich gedachte Ausführung eines Freistosses war nämlich an Davide Callà gescheitert. Aber gleich danach – wieder in Ballbesitz – leitete Callà mit einem Steilpass auf Luca Radice und der mit seinem Zuspiel auf Luka Sliskovic eine Chance ein, die so gross war, dass sie dieser – endlich – zu seinem ersten Saisontor nutzte. Es war aber auch an der Zeit, nachdem Sliskovic nach einer Viertelstunde und einem Doppelpass mit Karim Gazzetta noch am weiteren Pfosten vorbeigeschossen hatte.

Spiegel und der Freistoss

Nach diesem Treffer lagen die Trümpfe beim FCW, nicht mehr bei den Kriensern, deren wichtigste Qualität es doch war, gut organisiert zu sein und in den Zweikämpfen unangenehm. Das ist dann besonders vorteilhaft, wenn man einen Gegner vom Schiedsrichter völlig unbeachtet so bearbeiten darf wie die Luzerner den FCW-Stürmer Jordan Gele. Der wurde schlicht benachteiligt. Ärgerlich war aber auch, dass die Winterthurer ihren Vorsprung nach nur drei Minuten wieder eingebüsst hatten – nach einem indirekten Freistoss aus 20 Metern für eine Aktion Sead Hajrovics, die kaum zu ahnden war, schon gar nicht von einem, der in vielen andern Fällen so viel zuliess. Ärgerlich war dann aber auch, wie sich FCW-Goalie Raphael Spiegel von Nico Siegrist erwischen liess – das war nur möglich, weil sich der Goalie verspekulierte, zwei Schritte zur Mitte machte und «seine» Ecke freigab.

Bis zum Schluss machte der FCW noch mehr als der Gegner, mit der einen oder andern Möglichkeit zum 2:1. Aber er hätte, bei einem Aussetzer Spiegels eine Viertelstunde vor Schluss, gar noch ins 1:2 laufen können. Spiegel verschätzte sich bei einem weiten Pass auf Stürmer Saleh Chihadeh völlig. Er lief weit aus dem Strafraum heraus, obwohl Denis Markaj einzugreifen bereit war. Chihadeh überlief ihn, hatte dann aber nicht das Können, den Ball aus vollem Lauf und seitlich von der Strafraumgrenze im leeren Tor unterzubringen.

Szenen wie diese oder zwei, drei andere in der ersten Halbzeit können die Krienser, abgesehen von ihrer soliden Organisation, anführen, wenn sie ihre – durchaus berechtigte – Meinung begründen, diesen Punkt keinesfalls gestohlen zu haben. Das Ergebnis war ohnehin eine nächste Bestätigung, wie dieser Aufsteiger auch einzustufen ist – nach drei Punktgewinnen in Lausanne (1:1), Aarau (2:0) und nun in Winterthur. Und nach einer krassen Niederlage im einzigen Heimspiel, 1:4 gegen Rapperswil.

Nicht verloren – der Fortschritt

Der Auftritt des FCW ist grundsätzlich so zu sehen: Er war nicht so gut bis glanzvoll wie bei den klaren Siegen gegen Aarau und in Rapperswil. Er war ein hartes Stück Arbeit, wie man es gegen diesen Gegner allerdings hatte befürchten müssen, das dann zu sehr von kleineren bis grösseren Fehlern geprägt wurde. Es war der vierte Match einer Mannschaft, die noch am Anfang ihrer spielerischen Entwicklung ist und auch lernen muss, Widerstände zu überwinden. Positiv ist, dass dieser FCW trotz einiger Schwächen einen Punkt gewonnen hat, was eine wichtige Qualität guter Teams ist. Oder anders gesagt: In der vergangenen Saison hätte der FCW ein Spiel wie dieses noch verloren.

Aus der Sicht des Trainers Ralf Loose sah das so aus: «Der Gegner war selbstbewusst und dünkte mich etwas spritziger, als wir es waren.» Dennoch habe sich seine Mannschaft «ins Spiel reingekämpft und doch die meiste Zeit die Kontrolle gehabt». Weil ein Spiel wie dieses für ihn «nicht­ ­unerwartet» kam, zog er auch den Schluss: «Wir müssen einfach kontinuierlich weiterarbeiten.» Und sie müssen davon ausgehen, dass in dieser Liga so gut wie jedes Spiel harte, manchmal auch mühsame Arbeit ist. Rechtsverteidiger Markaj war als einer der wenigen von Anfang an präsent und zog das auch durch. Er fand, «dass wir zu viele kleine Fehler im Spiel hatten und auch immer im selben Tempo spielten».

Callà, Radice und die Wechsel

Zur Aufarbeitung gehört aber auch die Erwähnung individueller Mängel, die eindeutig zahlreicher waren als in den beiden Spielen zuvor. Es begann bei Spiegel, der Glück hatte, nicht als Schul­diger der Szene dazustehen, die dem FCW die Niederlage einbrockte. Hajrovic begann nicht gut und wurde dann besser, Gabriel Isik spielte wieder ordentlich – allerdings war er zu wenig aufmerksam, als er Chihadeh kurz vor Halbzeit einen Eckball an den Aussenpfosten köpfeln liess. Enrique Wild war ganz am Anfang defensiv ein-, zweimal unsicher, erholte sich aber schnell. Mehr Mühe als bisher hatte Remo Arnold, er verlor zu viele Bälle. Gewichtig aber war vor allem, dass die beiden Leader auf den Flanken, Callà und Radice, nicht spielten wie zuletzt. Sie hatten diesmal eindeutig weniger Einfluss, sie waren nicht so spielfreudig und spritzig wie zuletzt.

Gazzetta dagegen war mit Zuspielen an drei guten Chancen beteiligt. Gele war der Pechvogel (siehe Schiedsrichter), auch in jener Szene, als er nach einer halben Stunde einen Eckball Radices mit dem Absatz erwischte – und die Latte traf. Nicht so gelungen wie zuletzt waren auch die Wechsel des Trainers. Man hätte nach dem harzigen ersten Umgang gerne schon einen bei Halbzeit gesehen. Wäre Taulant Seferi etwas früher erschienen, hätte er womöglich weniger das Gefühl gehabt, er müsse jeden Ball nehmen und erst im gegnerischen Tor ablegen, er müsse also das Spiel ganz allein entscheiden. Und dieses Gefühl hatte er wohl, weil ihm nur gut eine Viertelstunde Zeit blieb. Gar keinen Sinn machte, Roberto Alves in der 90. Minute noch aufs Feld zu schicken.

Dennoch sind sieben Punkte aus drei Spielen eine ordentliche Bilanz seit dem Fehlstart in Wil. Die Signale, es könne sich da etwas entwickeln, sind weiterhin zu sehen. Es durfte ja keiner erwarten, es gehe mit lauter Siegen weiter. So betrachtet, war dieser Match ein weiteres Lehrstück – und trotz allem ein nächster kleiner Schritt nach vorne. Denn man erinnert sich: In der vergangenen Saison gabs nicht einmal eine Phase mit sieben Punkten aus drei Spielen.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.08.2018, 19:20 Uhr

Telegramm

FC Winterthur - SC Kriens 1:1 (0:0)
Schützenwiese. – 3600 Zuschauer. – SR Schärli. – Tore: 53. Sliskovic 1:0. 56. Siegrist 1:1. – FCW: Spiegel; Markaj, Isik, Hajrovic, Wild (73. Schättin); Arnold; Callà, Gazzetta (90. Roberto Alves), Sliskovic (73. Seferi), Radice; Gele (63. Doumbia). – Kriens: Osigwe; Fäh, Elvedi, Fanger; Kleiner, Schilling (80. Wiget), Mangold (73. Cirelli), Mijatovic; Rüedi (63. Ulrich), Siegrist; Chihadeh. – Bemerkungen: FCW ohne Roth, Schmid (verletzt), Nikola Milosavljevic und Saliji (nicht im Aufgebot, bei der U21); Doumbia nach seiner Einwechslung im Mittelfeld, Sliskovic und nach dessen Auswechslung Seferi Sturmspitze. – Kriens ohne Sulejmani (verletzt) und Urtic (nicht im Aufgebot). – 29. Lattenschuss Geles. 40. Kopfball Chihadehs an den Aussenpfosten. – Verwarnungen: 57. Gazzetta (Foul). 66. Callà (??). 78. Elvedi (Unsportlichkeit). 80. Schilling (Foul). 83. Hajrovic (Foul). 86. Fäh (Foul) und Radice (Unsportlichkeit). – Untaugliche Schiedsrichterleistung; ein Witz allein: sieben Wechsel und nur drei Minuten Nachspielzeit.

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