Wie soll die GC-Abwärtsspirale enden?

Machtkämpfe, Trainer weg, und jetzt auch noch eine Pyroattacke der Fans – die Negativ-Schlagzeilen um den Zürcher Club reissen nicht ab.

Alles andere als eine 0:3-Forfait-Niederlage der Grasshoppers würde nach dem Spielabbruch im Tourbillon überraschen. (Video: SRF)

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Und wenn immer man denkt, dass es nicht noch tiefer geht, beweisen die Grasshoppers: Doch, es geht. Seit Samstagabend steht ihr Name für den Mob, der sich in ihrem Schlepptau bewegt und mit seiner Pyroattacke den Spielabbruch im Tourbillon verursachte. In Sitten haben sie darum die nächste grosse Stufe abwärts genommen. Und machen sie so weiter, haben sie bald auch die letzte Stufe erreicht: den Abstieg.

Die Verantwortlichen erzählen gerne, wie ihr Club im Ausland als Marke wahrgenommen werde. GC, Rekordmeister, pausenloses Blablabla. Dabei würden sich Stephan Anliker als Präsident und sein Ziehsohn Manuel Huber als CEO besser hinterfragen, was sie mit dem Erbe angefangen haben. Doch das tun sie nicht, weil sie dafür keine Zeit haben. Sie sind ganz damit beschäftigt, den Club zu zerlegen.

Seit fünf Jahren sind Anliker und Huber in führender Rolle tätig, 20 Millionen Franken geben sie pro Jahr aus, mindestens, und das einzige, was sie damit zustande bringen, sind Negativschlagzeilen. Trainer, Sportchefs und Spieler werden ausgetauscht, als gäbe es sie im Warenschlussverkauf abzuholen. 2018 war besonders schlimm mit den Intrigen um die Macht. Anliker bezeichnete eine Parallelorganisation, die am Entstehen war, als Krebsgeschwür; und der Kopf dieser Organisation, Erich Vogel, keilte zurück, Anliker sei der schlechteste Präsident von GC seit 1949. Als das Jahr vorbei war, sagte Anliker zur Mannschaft: «Gut, dass dieses Scheissjahr vorbei ist.» So zitierte ihn zumindest Thorsten Fink.

Der Trainer gehört inzwischen schon zur Geschichte des Vereins, vor zwei Wochen wurde er zusammen mit Sportchef Mathias Walther abgesetzt. Wenn er die Bilder vom Samstag sieht, kann er nur eines sein: froh, dass er den Kopf für seine Unzulänglichkeiten nicht mehr hinhalten muss. GC sei super aufgestellt, pflegte Fink jeweils zu sagen, als er noch im Amt war. Er sagte sogar: «So gut wie noch nie.» Und auch: Wer immer in der neuen Saison Trainer sei, übernehme eine gute Mannschaft. Eine gute Mannschaft? Eine gute Führung? Die Realität belegt: Finks Feststellungen sind ein Hohn.

Wenn Anliker wegen der Auswüchse in Sitten nach dem Verband und dem Staat ruft, ist das in erster Linie der Ausdruck davon, wie verzweifelt und hilflos er angesichts des riesigen Problemberges ist. Dass der Verein nicht geführt ist, das liegt in seiner Verantwortung. Und hat viele Konsequenzen auf diversen Ebenen, bis hin zur Nachwuchsabteilung. Ihr Ruf ist diskreditiert, weil sich nicht nur ein Trainer bezahlen liess, um Kinder zu bevorzugen, sondern weil auch ein weiterhin bei GC tätiger Verantwortlicher im Verdacht steht, Zehntausende von Franken dafür genommen zu haben.

Wer will noch bei GC bleiben?

Das Ausmass der Überforderung und anhaltenden Fehleinschätzungen zeigt sich nirgends besser als bei der Profimannschaft. Sie ist ein Flickwerk, zusammengeschustert von Fink und Walther. Spieler haben sich angesammelt, von denen nur wenige die Identifikation mit dem Club zeigen, wie das Goalie Heinz Lindner tut. Spieler eben, von denen viele spätestens seit Samstag nur eines im Sinn haben können: so schnell als möglich wieder wegzukommen. Auch Lindner wird im Sommer gehen, diese Prognose ist nicht schwierig. GC kann einem Goalie mit seinem Anspruch und Können keine Zukunft bieten.

Zu den Spielern gehört der Trainer. Der Ausbildungschef von GC, Timo Jankowski, kam auf die wilde Idee, Tomislav Stipic als Nachfolger von Fink zu holen. Tommy who?, war die allgemeine Reaktion. Stipic redete bei seiner Vorstellung von seinen Werten, die sich mit jenen von GC decken würden. Von Familie, Tradition, Bodenständigkeit, Ausdauerfähigkeit. Nur eines erwähnte er nicht: dass er auch mit seiner Vita als Abstiegscoach zu GC passt. Gegen Sion entschloss er sich, Stürmer Yoric Ravet als defensiven Aussenläufer zu nominieren. Wie kapital dieser Fehlgriff war, ging als Thema in den Pyros unter. Stipic ist keiner, der nach kurzer Zeit die Hoffnung nährt, GC sei wirklich bereit für den Abstiegskampf.

Ende Januar hatte sich Heinz Spross als Grossaktionär zurückgezogen und seinen Anteil von 30 Prozent an Anliker und Peter Stüber weitergegeben. Spross kann sich gratulieren, er hat sich keinen Moment zu spät abgesetzt. Anliker und Stüber müssen nun für die Kapitalerhöhung aufkommen, welche die Generalversammlung beschloss.

Anliker hat seinen Anteil daran von 3 Millionen Franken bereits bezahlt, Stüber, der zweite 45-Prozent-Eigentümer, hat das noch nicht getan. Bis Mittwoch hat er Zeit dazu. Wenn er gar nicht zahlen würde, wäre das ein nächster Knall. Er würde aber nicht zum Stil des leisen Mannes passen, dem Club so den Stecker zu ziehen. Auch wenn er sich jetzt nochmals fragen muss: Was ist das für ein Club, für den ich hier zahlen soll? (landbote.ch)

Erstellt: 17.03.2019, 16:02 Uhr

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