FC Winterthur

Zeichen stehen eher auf Zusammenarbeit

Mit dem Heimspiel gegen den FC Schaffhausen erreicht Trainer Livio Bordoli die Halbzeit seines (vorläufigen) Wirkens beim FCW. Mit einem Sieg, dem ersten gegen den FCS seit über zwei Jahren, könnte er die Bilanz seines ersten Viertels so aufwerten, dass sich von einer deutlichen Steigerung sprechen liesse.

Livio Bordoli gefällt es auf der Schützenwiese und beim FCW ist man bisher zufrieden mit der Arbeit des Trainers (auf dem Bild mit Kwadwo Duah).

Livio Bordoli gefällt es auf der Schützenwiese und beim FCW ist man bisher zufrieden mit der Arbeit des Trainers (auf dem Bild mit Kwadwo Duah). Bild: Heinz Diener

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In der kommenden Woche wäre, befände man sich in der Politik, die 100-Tage-Bilanz fällig. Denn so lange wird Bordoli dann auf der Schützenwiese im Amt sein. Es steht aber auch die Halbzeitbilanz seines einstweilen bis Ende Saison terminierten Wirkens an – nach zwei von vier Monaten, nach neun von 18 Spielen. Natürlich ist alles, was in diesem Frühjahr in der Challenge League bei Klubs wie dem FCW passiert, konditioniert durch den Ausfall des Abstiegskampfs. Dennoch müssen die Resultate und die Leistungen herangezogen werden, wenn es um die Planung der Zukunft geht – wie jener des Trainers.

Besser, aber noch immer nicht wirklich überzeugend

Bedeutsames hat sich in diesem Frühjahr auf der Schützi (noch) nicht getan, weder positiv noch negativ. Die Punktausbeute ist besser als im Herbst unter Umberto Romano. Damals waren es sechs Pünktchen pro Viertel, also zwölf aus 18 Spielen. Zurzeit sind es neun aus acht Spielen; also wäre das Guthaben Bordolis nach einem Sieg heute doppelt so hoch für ein Viertel wie bei seinem Vorgänger. Das ist besser, aber noch immer nicht überzeugend. Im Schnitt etwas besser, aber noch immer nicht durchgehend überzeugend waren auch die Leistungen. Sie waren zuhause, zumindest gemäss Resultaten, besser, auswärts aber schwächer als im Herbst. Daheim ist Bordoli noch ungeschlagen (4 Spiele/6 Punkte), Romano brachte es in 9 Spielen auf 5 Punkte. Auswärts ist die Entwicklung leicht gegenläufig: Von 9/7 auf 4/3. Aber das war auch leicht zufällig. Um nur dieses Beispiel anzuführen: Im letzten Heimspiel glich Rijad Saliji gegen Servette in letzter Sekunde mit einem eher zufälligen und nicht unhaltbaren 25-m-Schuss in letzter Minute aus; im letzten Auswärtsspiel in Aarau schaffte Silvio das 2:2 in zweitletzter Minute nicht, obwohl seine Chance dafür «hundertprozentig» war.

Dennoch ist zusammenzufassen, Bordolis FCW biete den heimischen Zuschauern mehr als Romanos Team im Herbst. Man kann auch sagen, es hätten sich einzelne Spieler gesteigert, beispielsweise Robin Huser bis zu seinem Abgang nach Thun, Kwadwo Duah oder Kofi Schulz. Bordolis Wirken ist unprätentiös, aber solide, von einschlägigen Erfahrungen und deshalb nicht Träumereien geprägt. Seine Zusammenarbeit mit dem Leiter Sport Oliver Kaiser ist einwandfrei, ja ausgesprochen vertrauensvoll. Was wohl ein Unterschied ist zum Zusammenwirken mit Umberto Romano.

Es ist – 100-Tage- oder Halbzeitbilanz hin oder her – noch nicht an der Zeit, darüber zu entscheiden, ob Bordoli den FCW in die neue Saison führen soll. Mindestens die kommenden vier Spiele, also mit der «englischen Woche» mit gleich drei Spielen von Montag bis Sonntag in Rapperswil, gegen Wohlen und Wil, sind dafür abzuwarten. Aber zu sagen ist: Die Zusammenarbeit Kaisers und Bordolis wirkt, als gingen beide wie selbstverständlich von einer gemeinsamen Zukunft aus.

Bordoli: «… als sei ich noch fünf Jahre hier»

Kaiser formuliert es, bei aller Zurückhaltung, so: «Wir sind zufrieden mit seiner Arbeit. Und es gibt im Moment keine Anzeichen dafür, nicht weiter zusammen zu arbeiten.» Bordoli sagt – als ein Mann, der schon erlebte, wie rasch der Kredit eines Trainers schwinden kann: «Ich fühle mich gut hier. Ich komme gerne ins Stadion, obwohl es ein altes Stadion ist. Ich komme gerne in die Kabine, obwohl es keine komfortable ist. Und so lange ich hier bin, werde ich arbeiten, als sei ich noch fünf Jahre hier. Dazu bin ich allein deshalb verpflichtet, weil ich bis Ende Saison einen Vertrag habe.» Aber, fügt er bei, «ich weiss auch, wie es gehen kann.» Das heisst: Die bisherigen Eindrücke mögen auf ein weiteres Zusammenarbeit schliessen lassen. Aber natürlich ist ein Unterschied, ob der FCW in den letzten zehn Spielen der Saison 20 oder mehr Punkte holt oder wieder auf einen Schnitt wie im Herbst zurückfällt. «Auch wenn ich dann noch immer derselbe Bordoli bin wie jetzt», wie der freundliche Mann aus dem Tessin beifügt.

Personell ist ja ohnehin noch manches im Verein offen – selbstredend auch die Tatsache, dass der FCW weiterhin keinen Präsidenten und entsprechende Klarheiten in der Führung hat. Es ist auch sehr vieles im Fluss in den Planungen mit den einzelnen Spielern. Man kann gar sagen vom Torhüter bis zum Leader im Sturm, Silvio. Auch da wird man, eine Art nächster Fixpunkt, mehr wissen nach den vier besagten Spielen.

Smiljanic – der öffentlich abgewatschte Trainer

Heute geht’s mal gegen den Nachbarn aus Schaffhausen. Jordi Lopez ist nach dem Platzverweis in Aarau zum zweiten Mal in dieser Saison gesperrt. Routinier Kreso Ljubicic sitz zum zweiten Mal in diesem Frühjahr nach Aarau auf der Bank, nach der starken Leistung am Dienstag in der U21 einem Teileinsatz aber näher als auf dem Brügglifeld. Dario Ulrich ist nach überstandenen Schambeinproblemen und einem ersten Auftritt in der U21 erstmals wieder im Kader. Kwadwo Duah kehrt nach verbüsster Sperre in die Offensive zurück. Ambre Nsumbu dagegen ist noch nicht qualifiziert.

Der FC Schaffhausen hat die letzten fünf Spiele gegen den FCW allesamt gewonnen. Letzter Winterthurer Punktgewinn war, im Spätsommer 2016, ein 2:2 noch auf der Breite, als noch Axel Thoma gegen Sven Christ dirigierte. Der FCS ist aber auch jene Mannschaft, die nach elf Runden Erster war, jetzt Vierter und nach Verlustpunkten gar nur Fünfter ist. Und deren Trainer Boris Smiljanic jüngst vom Präsidenten Aniello Fontana in der Lokalzeitung wie ein Schuljunge abgewatscht wurde.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.04.2018, 19:43 Uhr

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