FC Winterthur

Zwei Teenager mittendrin

Der «neue» FCW hat nach einer Startniederlage zweimal überzeugt, und mittendrin sind zwei Teenager: Gabriel Isik als Innen- und Enrique Wild als Linksverteidiger. Der eine schoss schon ein Tor, der andere bereitete eines vor.

Kleiner Linksfuss aus dem Thurgau: Enrique Wild.

Kleiner Linksfuss aus dem Thurgau: Enrique Wild.

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Als der FCW am Abend des ersten Spieltags der Saison enttäuscht von einer 0:2-Niederlage in Wil heimfuhr, sassen zwei Teenager im Bus, die als einzige Feldspieler nicht eingesetzt worden waren. Gabriel Isik, seit Juni 19, und Enrique Wild, der Ende September 19 wird. Eine Woche später, als der FC Aarau auf die Schützenwiese kam, standen sie in der Startelf. Isik durfte sich neben Sead Hajrovic ins Abwehrzentrum stellen, weil Granit Lekaj nach Hochzeitsfeierlichkeiten im Kosovo erst am Spieltag zurück war. Und Wild erhielt von Trainer Ralf Loose seine Chance, weil Tobias Schättin, mit einem gewissen Rückstand in die Saison gestartet, nicht überzeugt hatte – wie allerdings die meisten andern auch.

Isik konnten die FCW-Habitués immerhin schon kennen, denn er hatte im Frühjahr unter Livio Bordoli achtmal gespielt und war doch schon seit über einem Jahr Stammkraft in der U-21. Wild aber war erst im Frühjahr in der U-21 aufgetaucht. Und dann trugen beide zu einer starken Leistung des FCW beim 3:1 gegen den Favoriten aus Aarau bei. Isik hatte mal Glück, als er als hinterster Mann den Ball verlor. Sonst aber war er stark. Der schnelle Wild wurde gar so etwas wie die Entdeckung des Abends. Also war es nichts als logisch, wenn auch das Pech Lekajs und Schättins, dass Loose die beiden auch vor einer Woche in Rapperswil aufstellte. Und wieder reüssierten sie individuell und mit der Mannschaft. Schon nach 52 Sekunden lenkte Isik mit dem Fuss einen Eckball Luca Radices zum 1:0 ins gegnerische Tor; in der 48. Minute lief Wild flink über den linken Flügel, und seinen Flachpass nutzte Ousmane Doumbia mit – zumindest in Winterthur – selten gesehener Entschlossenheit zum 3:0. Die letzte Hoffnung Rapperswils war geknickt.

Mainz, Wehen, FCW

Also ist zu erwarten, dass das Duo auch heute beginnt, Lekaj und Schättin warten müssen, bis sie gebraucht werden. Isik ist Deutscher mit türkischen Wurzeln, mit seinen 1,86 m zum Innenverteidiger prädestiniert, für diesen Job aber ziemlich schnell. Er ist in Wiesbaden geboren, wurde jahrelang bei Mainz 05 ausgebildet (als Thomas Tuchel und Martin Schmidt im Verein wirkten). Sein letztes Team in Deutschland war aber die U-17 des Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden. Nach Winterthur kam er als 16-Jähriger, weil hier Familienangehörige leben.

Ein halbes Jahr musste er auf die Spielberechtigung warten, im April 2016 debütierte er in der U-18 des Trainers Umberto Romano, ab Frühjahr 2017 wurde er zum zunehmend verlässlichen Wert in der U-21. Noch unter Romano debütierte er im Oktober 2017 im «Eins», Bordoli setzte ihn dann öfter ein, im 12. Spiel – eben in Rapperswil – schoss er sein erstes Tor. Die KV-Ausbildung hat er im Mai abgeschlossen, er kann sich jetzt also ganz auf den Fussball konzentrieren. Zwei Jahre läuft sein Vertrag noch.

Das Geld in Middlesbrough

Kollege Wild ist Thurgauer, aus Bettwiesen nahe Wil. Schon sehr früh wurde er ins Future Champs Ostschweiz unter Führung des FC St. Gallen aufgenommen. Im Campus in Bürglen ging er deshalb zur Schule, für Junioren des FCSG spielte er, für die U-16 des FC Wil. Aber es gab auch ein – eher administrativ begründetes – Zwischenspiel beim FC Tobel-Affeltrangen und, vor allem, eines beim FC Middlesbrough. Aus einem geplanten Sprachaufenthalt wurde im Herbst 2015 nämlich ein halbes Jahr in der Academy von «Boro» – durchaus mit Anschluss bei den «Grossen». Der kleine Linksfuss aus dem Thurgau staunte da, «wie viel Geld vorhanden war. Ich wurde jeden Morgen mit dem Taxi bei der Gastfamilie abgeholt.» Der Verein hätte Wild gerne in seiner Academy behalten, aber man einigte sich – mit St. Gallen – nicht wegen der Ausbildungsentschädigung. Middlesbrough stieg in jener Saison übrigens mit dem ehemaligen Mourinho-Assistenten Aitor Karanka als Manager in die Premier League auf.

Als das feststand, war Wild zurück in der Schweiz, wurde beim FCZ Mitglied der U-18 Ludovic Magnins. Im Frühjahr 2017 gings in die U-18 des FCW, im Sommer in die U-21, wo er sich aber bald verletzte und deshalb erst in der vergangenen Rückrunde die Gelegenheit erhielt, wirklich vorzuspielen. Schon im zweiten Spiel, beim 3:0 gegen St. Gallens U-21 notabene, trat er mit einem Assist und einem Tor hervor. Jetzt hat auch er einen ersten Profivertrag beim FCW, gültig für zwei Jahre plus Option. Daneben soll ab kommendem Montag die KV-Ausbildung an der United School of Sports angegangen werden.

Längst nicht abgeschlossen ist, mit 19 und erst ein paar Spielen in der Challenge League, die Ausbildung zum Fussballprofi. Aber die Teenager Gabriel Isik und Enrique Wild sind zurzeit im Begriff, einen schönen Schritt zu tun. (Der Landbote)

Erstellt: 10.08.2018, 22:50 Uhr

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