FCW

Auf dem Weg zum nächsten 4:1?

Neuchâtel Xamax ist auf bestem Weg, sechs Jahre nach dem Konkurs in die Super League zurückzukehren. Der FCW muss bei aktuellem Stand der Dinge froh sein, den Platz in der Challenge League zu behaupten.

Der «Spieler der Vorrunde»: Der 34-jährige Raphael Nuzzolo, im Sommer nach fünf Jahren bei den Young Boys nach Neuenburg zurückgekehrt, kam auf bisher auf 15 Tore und 2 Assists für Xamax.

Der «Spieler der Vorrunde»: Der 34-jährige Raphael Nuzzolo, im Sommer nach fünf Jahren bei den Young Boys nach Neuenburg zurückgekehrt, kam auf bisher auf 15 Tore und 2 Assists für Xamax. Bild: Keystone

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Geht’s nach historischen Aspekten, nach Statistiken aus fernerer und jüngerer Vergangenheit, nach dem aktuellen Tabellenstand ohnehin – dann ist nichts in dieser Challenge League so klar wie dies: Neuchâtel Xamax wird heute im eigenen Stadion den FC Winterthur schlagen, und zwar klar. Man kann sich sogar das Resultat ausrechnen – es müsste ein 4:1 sein.Die Geschichte. An diesem Wochenende ist es genau 50 Jahre her, dass der FCW als Leader der Nationalliga B zu einem Cup-Achtelfinal nach Neuenburg fuhr und 5:4 nach Verlängerung gewann, auf dem Weg in seinen ersten Cupfinal. Ein halbes Jahr später, sein Aufstieg in die Nationalliga A stand seit einer Woche fest, siegte der FCW in der Meisterschaft in Neuenburg 3:1. Seither fuhr 14mal eine Mannschaft aus Winterthur an den Neuenburgersee; zweimal kehrte sie mit einem 0:0 heim zwölfmal verlor sie. Nie mehr hat der FCW gewonnen!

Das Resultat. Im Sommer 2015 stieg Xamax auf, im Jahr 1 danach gewann er seine Heimspiele gegen den FCW 1:0 und 2:0. Auf der Schützi verloren die Neuenburger im Herbst 0:2 – die einzige Niederlage in Jahrzehnten gegen den FCW. Im Frühjahr 2016 gewannen sie schon 3:0. Und seither: 1:0 auf der Schützi, 4:1 daheim, 1:0 auf der Schützi, 4:1 daheim und wieder 1:0 auf der Schützi, Ende September. Wer also kann ernsthaft daran zweifeln, dass es heute wieder ein 4:1 gibt?

Die Entwicklung. Der FCW gehörte seit ein paar Jahren zur besseren Hälfte der Liga, manchmal zur weiteren Spitzengruppe, als sich Xamax vor zweieinhalb Jahren so weit von seinem Konkurs erholt hatte, dass es wieder in der Challenge League auftreten durfte. Und den Neuenburgern glückte es, man kann es nicht anders sagen, in Windeseile, den FCW einzuholen, zu überholen und immer weiter hinter sich zu lassen – wohl auch dank der finanziellen Entwicklung. Nach der Vorrunde 2015/16 überwinterte der FCW als Dritter noch einen Punkt vor Xamax – seither waren die Neuenburger stets obenauf.

Die Zahlen dazu sind eindrücklich: In 87 Spielen in zweieinhalb Jahren seit ihrem Aufstieg gewannen die Neuenburger sage und schreibe 74 Punkte mehr als der FCW. Sie siegten 51, der FCW nur 25mal; sie verloren nur 19 Spiele, der FCW 41. 2016 lag Xamax am Saisonende elf Punkte und vier Ränge vor dem FCW; 2017 waren es schon 32 und wieder vier Ränge; jetzt sind es nach knapp halbem Programm 31 Punkte und acht Ränge!

Ziele und Stärken. Nach zwei zweiten Plätzen und dem Abgang des übermächtigen FCZ riefen die Neuenburger im vergangenen Sommer den Aufstieg als klares Ziel aus. Diesem Anspruch sind sie bisher auch gerecht geworden, mit einer Meisterschafts-Vorrunde praktisch ohne Ausrutscher. Den leisteten sie sich einzig im Cup, als sie dem Erstligisten Echallens 2:3 unterlagen. Bisher bedeutendster Erfolg war, am vergangenen Montag, das 2:1 gegen Servette in Genf. Acht Punkte Vorsprung hat Xamax danach. Der Eindruck am Montagabend war dieser: Da ist eine Vorentscheidung gefallen.

Gefeiert wurde in Neuenburg, dass die Mannschaft zum wiederholten Mal ein Spiel, das sie zu verlieren drohte, noch kehrte. Gefeiert wurde vor allem Trainer Michel Decastel, weil er zum wiederholten Mal mit Wechseln und taktischen Massnahmen eine Wende erzwungen habe. Gegen die Genfer wurde in den letzten paar Minuten und Sekunden aus einem 0:1 ein 2:1, eine massgebliche Rolle spielten die Eingewechselten; schon im Hinspiel gegen Servette war Xamax vom 1:2 zum 3:2 gelungen. Vor kurzem gabs in Schaffhausen ein 2:1 dank eines Tores in der 85. Minute und ein 2:2 in Rapperswil dank eines Elfmeters in der 94. Minute. Gegen Chiasso wurde, ebenfalls nach einschneidenden Massnahmen Decastels, aus einem 0:1 binnen zehn Minuten ein 4:1. Oder früh in der Saison nach einem 0:1 in Wohlen nach Wechseln und späten Toren ein 2:1. Also wird die «Nase» des Routiniers Decastel gerühmt. Seit er die Mannschaft im Oktober 2015 übernahm (und gleich das zweite Spiel in Winterthur 0:2 verlor), hat Xamax nie mehr zweimal in Folge verloren.

Nuzzolo – und Glück. Eine wesentliche Rolle spielt immer wieder Raphael Nuzzolo, der im Sommer als 34-Jähriger nach fünf Jahren bei YB nach Neuenburg zurückkehrte. Er ist der «Spieler der Vorrunde», mit 15 Toren und 2 Assists. Für seine Cleverness wird er – je nachdem – gerühmt oder weniger gerne gesehen. Wenn er also beispielsweise einen Elfmeter «herausholt», wie am Montag gegen Servette zum 1:1. Oder wenn er, wie in Aarau geschehen, eine Flasche von der Ersatzbank aufs Feld wirft – und dafür nicht einmal bestraft wird. Überhaupt, Xamax hat in dieser Saison auch reichlich Glück – und wenn’s mit den Schiedsrichtern ist. Wie ebenfalls in Genf, als Servettes klar reguläres Tor zum 2:0 «übersehen» wurde.

Heute übrigens pfeift in Neuenburg ein Neuenburger – LionelTschudi, Kantonsangestellter und Sohn des Schauspielers Gilles Tschudi. Nuzzolo übrigens ist ein Exponent der Routiniers, die dieses Xamax prägen. In Neuenburg interessiert der Aufstieg, nicht die U21-Trophy. Ein paar Dreissiger bilden das Gerüst des Teams, in der U21-Trophy steht Xamax weit hinten, mit vier Nachwuchsspielern, die es bisher auf neun Starts brachten. Beim FCW, in dieser Wertung an der Spitze, sind es sieben Nachwuchsleute mit 46 Starts! Geht’s so weiter kassiert der FCW gegen Ende der Saison gegen 100 000 Franken an Prämien.

FCW: «eine schlechte Vorrunde». Beim FCW wissen sie, wie es auch Trainer Umberto Romano sagt, «dass das es oder so eine schlechte Vorrunde ist.» Immerhin, ein Punktgewinn beim Ersten wäre gut für die Stimmung. Anderseits, verliert der FCW, droht ihm gar das Überwintern auf Platz 10 und hat er, mit einem Dutzend Punkten, einen weniger auf dem Konto als vor einem Jahr der Tabellenletzte aus Schaffhausen.

Immerhin, zuletzt hat der FCW als Aussenseiter in der Fremde besser ausgesehen als daheim, in Aarau (3:3), Genf (1:1) und Chiasso (1:1) hat er nicht verloren. Heute kehrt nach einer Sperre Captain Luca Radice ins Mittelfeld zurück. Dennoch, nominell ist der FCW gegen Xamax so aussichtslos wie er es zuletzt im vergangenen März war, als er zum Cup-Viertelfinal zu den Young Boys nach Bern fuhr. Das Ergebnis ist bekannt: Er kehrte als Halbfinalist heim. Auch das ist Fussball. (Der Landbote)

Erstellt: 07.12.2017, 21:36 Uhr

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