FCW

Aufstieg in Alzenau, Abstieg in Madrid

Ein Jahr nach dem grossen Umbruch lässt sich sagen: Der FCW schnitt besser ab als mancher der abgewanderten Spieler. Die Extreme: Kreso Ljubicic stieg auf, Jordi Lopez stieg ab.

Ex-FCW-Spieler Kreso Ljubicic war letzte Saison der kreative Kopf bei Bayern Alzenau.

Ex-FCW-Spieler Kreso Ljubicic war letzte Saison der kreative Kopf bei Bayern Alzenau. Bild: Heinz Diener

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Es war, vor einem Jahr, ein gewollter und auch zwingend nötiger Umbruch, den der FCW nach zwei Saisons des Misserfolgs vollzog. Es kam ein neuer Trainer, sieben der neuen Spieler wurden unbestrittene Stammkräfte; die neue Mannschaft wurde Vierter statt, wie die alte, Neunter, sie gewann 24 Punkte mehr. Die Vereinsbilanz ist also eindeutig positiv. So siehts bei den Spielern aus, die vor einem Jahr gingen oder gehen mussten:

Ein Trio im Ausland

Kreso Ljubicic (31/für den FCW 42 Pflichtspiele in zwei Jahren). Der Deutsch-Kroate war geholt worden, um den Leader im Mittelfeld zu geben. Er hätte die Fähigkeiten dazu gehabt, aber er war viel zu oft verletzt. Er erhielt keinen Vertrag mehr und kehrte in den Grossraum Frankfurt zurück, wo er einst bei der Eintracht Profi geworden war. Bayern Alzenau hiess sein neuer Klub, in der Hessenliga trat er an – am vergangenen Mittwochabend verliess er sie wieder: Zweiter hinter Direktaufsteiger FC Giessen war er, eine Aufstiegsrunde mit Röchling Völklingen und den vor einem Jahr unter Jürgen Seeberger abgestiegenen Stuttgarter Kickers war die zweite Chance. Nach einem 1:1 in Völklingen reichte ein 2:2 daheim gegen die Kickers – dank Auswärtstoren stand Alzenau am besten da. Ljubicic führte die Mannschaft als «kreativer Kopf», wie er gerühmt wurde, durch die Saison, fast immer spielte er, fast immer 90 Minuten. Fünf Tore und sechs Assists waren die offensiven Zahlen dazu. Um 4 Uhr 20 in der Nacht auf Donnerstag flogen die Bayern zwecks Feier des Aufstiegs von Frankfurt nach Mallorca. Die Kickers übrigens liessen die Saison ebenfalls auf «Malle» ausklingen. Sie flogen ab Stuttgart, aber erst um halb sechs. Und Ljubicic spielt künftig in der (viertklassigen) Regionalliga Südwest gegen das «Zwei» der Frankfurter Eintracht, des SC Freiburg und Hoffenheims, aber auch gegen die Offenbacher Kickers, Saarbrücken oder FSV Frankfurt.

Jordi Lopez (27/31 Pflichtspiele 2017/18). Er war aus der «Segunda B», der 3. Liga Spaniens, zum FCW gekommen, er kehrte dorthin zurück, nachdem er die Option auf eine Vertragsverlängerung (aus Versehen?) nicht gezogen hatte. Der FCW seinerseits zog sie, mangels Überzeugung, nicht. Lopez spielte fortan als Stamm-Innenverteidiger für Union Adarve aus dem Grossraum Madrid. Am Saisonende war Union 18. unter 20 Teams und damit ein Absteiger, zehn Punkte von der Rettung entfernt. Danach wurde der Trainer gewechselt, unter dem neuen heisst das Ziel: Wiederaufstieg.

Kofi Schulz (30/25 Pflichtspiele und 4 Tore 2017/18). Der Deutsche Linksfuss wechselte zu Apollon Smyrnis nach Griechenland. Die Mannschaft stieg aus der 1. Liga ab, von Schulz ist kein Einsatz überliefert. Bis Ende Januar übrigens war Vaso Vasic bei Apollon, ehedem in 50 Pflichtspielen im Tor des FCW. Kaum zweimal in der Startelf, sah er Rot. Dann ging er, mit einem Vertrag bis 2021, nach Mouscron in Belgiens höchste Liga.

Sieben in der Schweiz

Matthias Minder (26/82 «Eins»-Spiele für den FCW). Er hatte sich sicher mehr vorgestellt, als bei Xamax nur zweimal zu spielen: Einmal im Cup (Niederlage nach Elfmeterschiessen in Lugano) und in der letzten Runde in der Meisterschaft (1:4 in Basel). Am Schluss durfte er immerhin mittendrin die wundersame Rettung feiern – mit Laurent Walthert als unangefochtener Nummer 1.

Leandro Di Gregorio (27/43 Spiele in zwei Jahren). Schon in seinem zweiten FCW-Jahr war er kaum noch eingesetzt worden. Mit Stade Nyonnais begann er in der Promotion League die Saison hervorragend, mit 19 Punkten aus sieben Spielen waren die hoch gehandelten Waadtländer Erster. Dann warfen sie GC aus dem Cup. Aber es folgten vier Niederlagen in fünf Spielen und das Abrutschen auf Platz 5. Auf dem beendeten sie, weit hinter Stade Lausanne-Ouchy (SLO), auch die Saison. Di Gregorio spielte fast immer. Ein versöhnlicher Abschluss war dann, im Cup mit einem Sieg im Elfmeterschiessen gegen Münsingen die Hauptrunde zu erreichen. Challenge-League-Fussball gibt’s in Nyon in der nächsten Saison dennoch: SLO spielt dort.

Guillaume Katz (30/78 Spiele von 2015 bis 2018): Er ging mit seiner Familie zurück nach Lausanne und spielte als Amateur beim FC Echallens in der 1. Liga. Hauptberuflich fand er bald eine neue Stelle, als Marketing-Koordinator bei seinem alten Verein Lausanne-Sport. Mit Echallens war er bis zwei Runden vor Schluss Kandidat auf die Aufstiegsspiele.

Silvio (34/30 Tore in 70 Spielen 2016 bis 2018). Der längerfristige Vertrag lockte ihn zurück nach Wil. Mit zwei Toren zum 2:0 gegen den FCW startete er dort. Nach elf Spielen hatte er fünf Tore auf dem Konto, seither schoss er keines mehr, im Frühjahr verpasste er wegen Verletzungen zwei Drittel der Spiele. Seine Saison war also kein Erfolg, sein Vertrag läuft weiter.

Kwadwo Duah (22/25 Spiele 5 Tore 2017/18): Er war Leihgabe der Young Boys bei Xamax, ein Jahr beim FCW und zuletzt, mit zwei Toren in elf Einsätzen, bei Servette. Durchgesetzt hat er sich nie, auch nicht beim Genfer Aufsteiger. Erst ganz am Schluss durfte er nicht nur ganz wenige Minuten, sondern wenigstens zweimal eine halbe Stunde spielen. Jetzt geht er nach Wil, nicht mehr als YB-Leihgabe, sondern definitiv mit einem Zweijahresvertrag. Dort trifft er Silvio wieder, an dessen Seite er seine besten FCW-Spiele machte – etwa beim 3:3 in Aarau. Einmal Silvio, zweimal Duah schossen damals die Tore.

Tiziano Lanza (24/23 «Eins»-Spiele). Er wurde auf der «Schützi» vom Junior zum «Eins»-Spieler, aber der wahre Durchbruch gelang ihm nicht. Also setzte er aufs Berufsleben und begann in Zürich für YF Juventus zu spielen, als Stammkraft selbstredend. Die Saison war schwierig, das Ende aber erfreulich: Zuerst wahrte YF mit einem 2:1 in Nyon seinen Platz in der Promotion League, dann qualifizierte es sich mit einem Sieg im Elfmeterschiessen in Breitenrain für die 1. Cuprunde. Lanza spielt auch künftig für YF Juventus.

Dario Ulrich (21/18 Spiele 2017/18). Weil er sich bei Aufsteiger Kriens mehr Einsatzzeiten erhoffte, verliess der vom FC Luzern ausgeliehene Flügelmann den FCW. In Kriens spielte er in der Tat öfter, 27mal, aber meist als Joker und nur einmal über 90 Minuten. Ein Tor schoss er, das immerhin ein 1:1 gegen Lausanne einbrachte. Ein Fortschritt womöglich gar Richtung Super League war dieses Jahr für Ulrich nicht.

Kein neuer Umbruch, aber ...

Ein Umbruch wie vor einem Jahr ist beim FCW nicht angesagt, schon gar nicht ein gewollter. Allein, die guten Leistungen nicht zuletzt von Leihspielern haben Folgen: Sie führen zu Wechseln, in diesem Fall allerdings zu mehr, als dem Verein lieb wäre. Noch ist, wie der Terminus des Sportchefs Oliver Kaiser lautet, «nichts spruchreif». Aber nervös oder gar von der Zeit gedrängt wirkt er nicht bei seiner Aufgabe, Roberto Alves (zurück zu GC), Remo Arnold (Luzern), Taulant Seferi (YB) und Eris Abedini (Lugano) abzulösen. Mit ihnen ist immerhin ein Drittel einer Mannschaft zu ersetzen. Dazu hat der erfahrene Rechtsverteidiger Denis Markaj (28) ein Angebot des Vereins abgelehnt. Sein «Fall», es wäre der fünfte Abgang aus dem Stammpersonal, ist also zumindest hängig.

Sicher wesentlich mehr ungewiss ist beim FC Schaffhausen und seinem neuen Besitzer Roland Klein, Winterthurer mit langer FCW-Vergangenheit. Immerhin hat er, eine seiner ersten Personalien, schon vor ein paar Tagen dem Trainer Jürgen Seeberger (auch er: ex-FCW) mitgeteilt, dass er die Zukunft mit einem andern Übungsleiter plane.

Erstellt: 07.06.2019, 20:18 Uhr

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