Fussball

Aufstiegsduell und zwei Absteiger

An der Spitze wurde die 2. Liga vom spannenden Duell zwischen Bassersdorf und Phönix Seen geprägt. Auf der negativen Seite stehen die Abstiege von Veltheim und Oberwinterthur.

Hängende Köpfe gabs in der abgelaufenen Saison bei drei regionalen Zweitligateams: Phönix Seen (Bild am Sonntag in Schaffhausen), Veltheim und Oberi.

Hängende Köpfe gabs in der abgelaufenen Saison bei drei regionalen Zweitligateams: Phönix Seen (Bild am Sonntag in Schaffhausen), Veltheim und Oberi. Bild: Urs Kindhauser

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Der FC Bassersdorf kann auf eine rundum geglückte Saison zurückblicken. Der Mannschaft ist eine Steigerung im Vergleich zur vergangenen Saison von Rang 7 und 40 Punkten auf Platz 1 und 59 Zählern gelungen. Nach mehreren Jahren unter Erfolgstrainer Marco Tanner hatte letzte Sommer Gianni Lavigna das Amt übernommen. Der damals 46-Jährige war mit einem Palmarès von drei Aufstiegen als Coach gekommen.

Lavignas Stärken sind seine Beobachtungsgabe und sein Weitblick. «Bassersdorf soll eine coole Reise sein», lautete sein vielsagendes Ziel im Sommer bei seinem neuen Club. Lavigna erkennt die Qualitäten der gegnerischen Teams und kann entsprechend darauf reagieren. In Bassersdorf hat er zudem gut ausgebildete Akteure angetroffen. «Ich habe Jungs im Team, die sehr gut Fussball spielen können», hält er fest. «Der Teamgeist war auch gut», fügt er an. Die neun Punkte Rückstand im Oktober auf Tabellenführer Phönix Seen liessen den Trainer die Nerven nicht verlieren. «Die Entwicklung eines Teams ist wichtig, nicht der aktuelle Zustand. Deshalb schauten wir vorwärts», begründet er seine damalige Besonnenheit. Als Bassersdorf den Rückstand auf Phönix verkleinern konnte, wollten die Unterländer primär den grossen Favoriten ärgern. Es ist mehr daraus geworden.

Phönix: Enttäuschung

«Die Enttäuschung sitzt tief.» Abramo D’Aversa, Trainer des FC Phönix Seen, fiel es nicht leicht, Worte für den knapp verpassten Aufstieg zu finden. Zum dritten Mal in Folge musste seine Mannschaft mit dem 2. Schlussrang vorliebnehmen. So nah dran waren die Winterthurer in D’Aversas sechs Jahre dauernder Amtszeit noch nie – ein Punkt trennte sie von Bassersdorf. «Wir können uns zwar nichts davon kaufen, dass wir endlich mal bis zum Schluss dabei waren, trotzdem darf und muss ich meinen Jungs ein Kompliment dafür aussprechen», so D’Aversa.

Nach dem überragenden Start mit elf Siegen in Folge setzte es winterübergreifend vier Niederlagen in Serie ab. «Wir fielen in eine Bahn, in der wir dachten, dass alles von allein gehe und weniger als hundert Prozent reichen würde», bilanziert der Coach. «In der Rückrunde waren immer wieder Durchhänger dabei.» Ein Beispiel dafür war das 0:4 gegen Wiesendangen, nur drei Tage nach dem Mut machenden 4:2-Sieg in Bassersdorf. «Klar gab es immer wieder schöne und weniger schöne Momente. Wenn ich jedoch die ganze Saison betrachte, muss ich meiner Mannschaft ein Kränzchen winden für die Leistungen, die sie erbracht hatte.» D’Aversa gibt sich als fairer Verlierer: «Kompliment an Bassersdorf zum letztlich verdienten Aufstieg.»

Wiesendangen: Wende

Der FC Wiesendangen hat eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich. Zu Beginn war alles in Ordnung, mit vier Punkten aus zwei Partien. Anschliessend folgte das erste Tief, in den nächsten vier Spielen konnten keine Punkte eingefahren werden. Die kleine Talfahrt endete mit einem 1:0-Sieg in Schaffhausen vor über 100 Wiesendanger Fans, die den Lipo-Park in Beschlag nahmen. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Bassersdorf und dem Unentschieden in Wallisellen folgte die Niederlage gegen Diessenhofen, ehe man mit drei Vollerfolgen die Vorrunde doch noch versöhnlich abschliessen konnte.

Als zu Beginn der Rückrunde drei Niederlagen gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf folgten, zog der Club die Reissleine: Die Trainerposten von Dogan Isik und Ertugul Batir wurden neu von Stephan Meili und Fabian Graf besetzt, die zuvor Wiesendangens Viertligamannschaft betreut hatten. Unter ihnen gelang die Wende. Nach einer Startniederlage gegen Unterstrass konnten die Wiesendanger in den nächsten acht Spielen immer punkten und sich somit frühzeitig über den Ligaerhalt freuen. «Die Niederlage gegen Unterstrass hätten wir vermeiden können, wiederum war der Punkt in Bassersdorf eher glücklich», sagt Meili, der auch nächste Saison das Team trainieren wird. Dank der zweitbesten Defensive der Liga reichte es für den 8. Rang. «Die Mannschaft und der ganze Staff haben sehr gut gearbeitet, und am Ende haben wir unser Ziel, den Ligaerhalt, erreicht», sagt der Coach über seine ersten zwölf Wochen im Amt.

Veltheim: Zwei Gründe

Das erklärte Saisonziel des SC Veltheims – gar nicht erst in den Abstiegskampf hineinzugeraten – wurde verfehlt. Schlimmer noch: Den Stadtverein zog es nicht nur in den Abstiegsstrudel hinein, sondern fand den Weg auch nicht mehr heraus. Nach drei Spielzeiten in der 2. Liga muss der SCV den harten Gang in die tiefere Klasse gehen. Zwei Gründe nannte Trainer Richard Oswald für die Relegation: «zu viele Fehler und mangelnde mannschaftliche Geschlossenheit». Obwohl gemäss Oswald das fussballerische Potenzial vorhanden wäre, sei man selbst verantwortlich für das ergangene Schicksal: «Auf jeder Position haben wir durchs Band zu viele Ungenauigkeiten eingestreut – sei dies ein nicht zugestellter Laufweg oder ein simpler Fehlpass in der Hintermannschaft.» Nicht immer konnte ein dadurch verspielter Vorsprung oder entstandener Rückstand zurechtgebogen werden. «Durch einen starken Zusammenhalt hätten wir die individuellen Fehler während den Spielen vielleicht kompensieren können, jedoch konnten wir eben diesen Teamgeist nicht wie gewünscht kreieren», so Oswald kritisch.

Ein moralischer Knackpunkt sei die bittere 2:3-Heimniederlage gegen Phönix sieben Runden vor Schluss gewesen, als der Rivale mit zwei Toren in der Nachspielzeit das Spiel drehte. «Das war der Genickbruch – nebst den vielen, kleineren Rückschlägen, die wir über die ganze Saison erlitten», analysiert Oswald. Etwas Positives findet er dennoch: «Durch den Abstieg entsteht eine gewisse Selbstreinigung.»

Oberi: Zielsetzung verpasst

Bereits seit einigen Wochen herrscht beim FC Oberwinterthur die Gewissheit, dass man den Weg zurück in die 3. Liga antreten muss. Nach schwachem Saisonstart konnte der Aufsteiger ausgerechnet gegen den Rivalen aus Wiesendangen drei Punkte einfahren, die moralisch sehr wichtig waren. Trotzdem blieben die notwendigen Resultate in der Vorrunde aus, wodurch man mit einer beträchtlichen Hypothek in die Rückrunde ging. Oft fehlte es an der Effizienz, dem Quäntchen Glück und in gewissen Spielen auch an der Konstanz. Trotzdem ist Assistenztrainer Sasa Rakic überzeugt, dass die Mannschaft alles versucht habe: «Wir haben sehr viel investiert, um den Abstieg abzuwenden.» Das junge Team zeigte sich meist stark verbessert, konnte aber oft trotzdem nichts Zählbares mitnehmen. Natürlich durfte das Trainerteam mit der zweitletzten Rang nicht zufrieden sein. «Klar hätten wir uns den Klassenerhalt gerne erkämpft», meint Rakic.

Auch wenn die Oberwinterthurer zurück in die 3. Liga müssen, waren in vielen Partien gute Ansätze vorhanden. Nach der Enttäuschung schaut man in Oberwinterthur auf die kommende Spielzeit, in der man wieder voll angreifen will. «Wir werden alles daransetzen, dass wir gut in die Saison starten», fügt Rakic an.

Erstellt: 18.06.2019, 20:43 Uhr

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