Brav und harmlos in die Niederlage

Nach einer Viertelstunde schenkte Nicolas Stettler dem FC Chiasso einen Elfmeter. Michele Monighetti verwertete ihn, und dieser eine Patzer, dieses eine Tor reichte, dass der FCW im Tessin 0:1 verlor. Seine Leistung war eine glatte Enttäuschung.

Mehr oder weniger auf Augenhöhe massen sich der FCW (links Milosavljevic) und Chiasso (Abedini).

Mehr oder weniger auf Augenhöhe massen sich der FCW (links Milosavljevic) und Chiasso (Abedini). Bild: Chiara Zocchetti

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Mit Darbietungen, wie sie der zuletzt achtmal in Folge sieglose FC Chiasso bot, dürfte man in dieser Liga eigentlich nicht gewinnen, man dürfte nicht mal Unentschieden spielen. Aber die Tessiner schafften es, und das ist das bedenklichste Urteil über die Vorstellung des FCW an diesem Abend. Er war zwar nicht unterlegen, er spielte sogar mehr Fussball als der Gegner. Aber er ergab sich nach dem frühen Gegentor brav und harmlos in diese Niederlage, die deshalb auch verdient war.Wenn man sich nach den ersten vier Spielen, die insgesamt den Eindruck von Uneinheitlichkeit hinterlassen hatten, von diesem Auftritt im Tessin mehr Klarheit versprochen hatte, dann erhielt man sie – wenn überhaupt – in negativem Sinne. Denn anders kann man nicht urteilen, wenn eine Mannschaft, die vier Tage zuvor gegen den einsamen Leader Neuchâtel Xamax noch vier Tore geschossen hatte, gegen diesen FC Chiasso praktisch keine klare Torchance zustande bringt – und ein Tor schon gar nicht.

Was war der FC Chiasso an diesem Abend – eine Mannschaft, die früh ihre Chance nutzte, nachher das Spielen weitestgehend verweigerte, je länger das Spiel dauerte, desto offensichtlicher auf Zeit spielte, dafür manche Provokation einstreute und am Schluss als Sieger vom Platz ging. Die Szene des Tages begab sich eben nach einer Viertelstunde, als sich Stettler bei seinem ersten Start in diesem Jahr von Gegner Ceesay überlisten liess. Ceesay überraschte Stettler von hinten, als es um einen in den Strafraum gespielten Ball ging; Stettler griff ungeschickt ein, erwischte den Gegner und musste hinnehmen, dass der Schiedsrichter Penalty pfiff.

Danach war der FCW zwar optisch nicht schlechter im Spiel als der Gegner, seine Passfolgen sahen – wenigstens im Mittelfeld – zeitweise passabel aus. Aber die Tessiner kümmerte das nicht. Ihr einziges Ziel war, diesen Vorsprung über die Zeit zu bringen – so lange es auch noch hin sein mochte bis zum Schlusspfiff. Sie konnten sich hinterher ja auch an die Brust klopfen, dass ihr Ersatztorhüter Anthony Mossi nicht zu einer halbwegs nennenswerten Parade gezwungen worden wäre. Zweimal flog in der ganzen Zeit zwar ein Freistossball Robin Husers gefährlich in den Strafraum Chiassos, aber die Kopfbälle Kofi Schulz’ glückten nicht. Schon über eine Stunde war gespielt, als Mossi den ersten Ball halten musste. Es war, nach einer Flanke Luca Radices, ein harmloser Kopfstoss Silvios. Und als sich der Brasilianer, zuletzt gegen Xamax noch ausgesprochen torgefährlich, doch mal in gute Schussposition gespielt hatte, fiel sein Abschluss viel zu harmlos aus.

Einfach nicht wehrhaft

Harmlos, geradezu brav ergab sich der FCW in diese Niederlage. Natürlich war ein gewisses Bemühen zu erkennen, das Spiel zu kehren. Aber es war viel zu wenig wehrhaft, was die Winterthurer fertig brachten. Ein weiteres Mal zeigten sie nicht die Balance einer erfolgreichen Mannschaft – durchsetzungsfähig vorne, fehlerarm bis fehlerlos hinten. Vielmehr wars wieder mal die unheilvolle Kombination, dass sie vorne zu wenig durchschlagskräftig waren und hinten jenen einen Fehler machten, der zu viel war. Im Gegensatz zu andern auf ähnliche Art verlorenen Spielen – etwa zuletzt beim 0:2 in Wil – hatte der FCW in Chiasso nicht mal die klaren Torchancen, die vergeben zu haben man als wichtigen Grund für die Niederlage sehen konnte. Oder anders gesagt: Wenn man vorne schon so wenig bringt, dann darf man sich hinten schon gar keinen Fehler leisten. Sonst geht es eben aus wie diesmal, dass ein 0:0-Spiel 0:1 endet …

Schättin vor dem Abgang

Auch Livio Bordoli, der Tessiner Trainer, sagte nach der Niederlage in seinem ersten Match mit dem FCW in «seinem» Kanton immer wieder: «Wir waren zu brav.» Eine eingehendere Einzelkritik erübrigt sich nach einem solchen Spiel, das in erster Linie die Niederlage des Kollektivs war. Aber einzelne Dinge sind halt doch zu sagen: Am Montag hatte Leandro Di Gregorio keinen guten Aussenverteidiger gegeben, gestern war Stettler keiner – obwohl er sich bemühte, der Offensive zu helfen. Das Mittelfeld bestand zu sehr aus Ousmane Doumbia. Den Tessiner des Aufbau-Trios, Nikola Milosavljevic, hätte Bordoli gut und gerne schon bei Halbzeit auswechseln können. Der auffallendste Einzelspieler war, vor allem in der ersten Halbzeit, noch Linksverteidiger Schulz. Aber was er auf seiner Seite an Ansätzen lieferte, setzten andere nicht fort, vor allem nicht Kwadwo Duah, der Stürmer vor ihm. Schulz übrigens dürfte der erste Linksverteidiger bleiben, denn es ist in der Tat davon auszugehen, dass Tobias Schättin zum FC Zürich wechselt – mit einem Leihvertrag bis Ende Saison.

Diese Personalie also ist erledigt. Welche Schlüsse Bordoli mit Blick aufs nächste Spiel, schon am Mittwoch auf der Schützenwiese gegen den FC Vaduz zieht, kann er sich am freien Wochenende im Tessin überlegen. Gestern hatte er nur drei Mann auf der Bank. Katz wird nach der vierten Verwarnung gesperrt sein, Dennis Markaj kehrt zurück – aufgrund der jüngsten Erfahrungen aber als Rechtsverteidiger …

Fünf Punkte aus fünf Spielen sind natürlich nicht, was sich Bordoli vorgestellt hat, als die Rückrunde begann. Es ist deshalb auch weiterhin Platz 9, und zwar mit deutlicherer Distanz zum Achten als noch in der Winterpause – auch wenn der jetzt Wohlen und nicht mehr Will heisst. Zumindest diesen Platz 9 zu verlassen, war doch das absolute Minimalziel. (Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2018, 23:37 Uhr

Telegramm

FC Chiasso - FC Winterthur 1:0 (1:0)
Riva IV. – 400 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tor: 16. Monighetti (Foulpenalty) 1:0. – Chiasso: Mossi; Gennari, Urbano (81. Ramcilovic), Martignoni, Monighetti; Fatkic, Kabacalman (71. Charlier), Abedini, Rey (59. Hamadi); Farrugia, Ceesay. – FCW: Minder; Stettler, Katz, Lopez, Schulz; Huser, Doumbia, Nikola Milosavljevic (70. Sliskovic); Radice (82. Gazzetta), Silvio, Duah. – Bemerkungen: Chiasso ohne Torhüter Russo, Delli Carri, Soumare (gesperrt), Carte Said (verletzt), Soumah, Oberlin und Guerchadi (nicht im Aufgebot); Trainer Abascal gesperrt auf der Tribüne, Assistent Mikel Llorente als Coach auf der Bank. – FCW ohne Markaj (gesperrt), Di Gregorio (kurzfristig erkrankt und deshalb nicht auf der Bank), Schättin, Roth, Ljubicic, Lanza, Ulrich und Sutter (verletzt); nur drei Feldspieler auf der Ersatzbank. – Verwarnungen: 26. Rey (Foul; fürs nächste Spiel gesperrt). 64. Monighetti (Foul). 81. Stettler (Foul). 90. Mossi (Zeitspiel). 93. Katz (???; fürs nächste Spiel gesperrt).

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