FCW

Das klassische Resultatspiel

Es ist noch lange hin, bis der wahre Abstiegskampf beginnt. Aber FC Wohlen – FC Winterthur ist heute Abend doch schon eines jener Spiele, die nicht verlieren sollte, wer sich nicht mit Abstiegssorgen beladen will.

Die Niederlagen gegen Wohlen und Rapperswil-Jona brockten dem FCW (im Bild Luca Radice) ein mässiges Meisterschaftsviertel ein.

Die Niederlagen gegen Wohlen und Rapperswil-Jona brockten dem FCW (im Bild Luca Radice) ein mässiges Meisterschaftsviertel ein. Bild: Heinz Diener

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Die Lage des FCW als Zweitletzter der Challenge League nur einen Punkt vor dem Letzten aus Wil lässt sich mit Sinn fürs Positive so beurteilen: Die Mannschaft rennt zwar immer noch den Punkten her, die sie in den ersten beiden Spielen mit den 1:3 gegen Wohlen und FC Rapperswil-Jona, die beiden ersten Gegner auch im zweiten Viertel notabene, abgegeben hat. Aber sie hat sich allmählich gesteigert – vom unentschuldbaren Aussetzer im Cup in Delsberg mal abgesehen. Sie wurde, insgesamt, etwas zu schlecht belohnt für ihren Aufwand. Zuletzt waren die beiden Vorstellungen gegen die Spitzenteams aus Schaffhausen und Neuenburg gut, in neuer Ordnung war der FCW auch gut organisiert. Punktgewinne wären beide Male möglich, in Schaffhausen sogar zwingend gewesen. Es gibt also Grund «für Zuversicht», wie sie auch der Trainer Umberto Romano hat. Abstiegsgefahr also ist für dieses Team nicht abzusehen.

Das drittschlechteste Viertel

Aber der Blick auf den FCW im Herbst 2017 kann auch dieses Urteil provozieren, das dann manche weniger negativ als vielmehr realistisch nennen würden: Er hat das drittschlechteste von 21 Saisonvierteln seit Einführung der Zehnerliga 2012 hinter sich – mit sechs Pünktchen aus neun Spielen, mit sage und schreibe 18 Punkten Rückstand auf die Spitze. Eine solche Differenz nach einem Startviertel häufte der FCW noch nie auch nur annähernd an. Bisher waren die neun Punkte unter Sven Christ vor einem Jahr Minusrekord, und der wurde etwas dadurch abgefedert, dass ja der grosse FCZ mitspielte.

Schlechtere Viertel als jetzt Romano lieferten nur Boro Kuzmanovic und Christ je einmal ab. Kuzmanovic holte aus dem letzten Viertel der Saison 2013/14 vier Pünktchen und rutschte noch auf Platz 6 ab – danach war seine Zeit auf der Schützenwiese nach fünf Jahren beendet. Und Christ landete vor einem Jahr bis Weihnachten mit nur fünf Punkten aus den zweiten neun Spielen auf Platz 8 – zwei weitere Spiele und Niederlagen später wurde er im Februar entlassen. Sechs Punkte, wie sie nun Romano sammelte, dürfen noch keineswegs Grund sein, seine Position in Frage zu stellen. Aber der grosse Leistungsausweis sind sie natürlich nicht. Das beste Viertel übrigens spielte Kuzmanovic ein Jahr vor seiner Entlassung, als sich sein FCW mit 19 Punkten für sechs Zu-null-Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen noch auf Schlussrang 2 vorschob.

Jetzt heisst es «müssen»

Aber zu einer Zwischenbilanz nach einem Viertel der Spielzeit 2017/18 gehört auch die Feststellung, dass der FCW einer deutlichen Verbesserung seiner Resultate bedarf. Sonst bleibt irgendwann als schlüssige Feststellung, er habe – wieder mal – eine Saison wenn nicht in den Sand gesetzt, so doch nicht den Erwartungen entsprechend gestaltet. Es ist auch nicht zu übersehen, dass Romanos Punkteschnitt nach 25 Ligaspielen mässig ist: Bei 1,16 Punkten steht er, bei Vorgänger Christ waren es nach gut einem Jahr (37 Spiele/39 Punkte) 1,05 Punkte. Bei Jürgen Seeberger nach anderthalb Jahren (52/72) 1,38 Punkte pro Spiel, bei Kuzmanovic nach fünf Jahren (162/245) 1,51 und bei Matthias Walther nach ebenfalls fünf Jahren (166/220) 1,32.

Jetzt steht Romanos FCW also zwischen den beiden Spielen gegen die Tabellenführer aus Schaffhausen und Neuenburg, die verloren werden «durften» und, wenn auch nach guter Leistung, verloren wurde. Und den Rückspielen gegen Wohlen und Rapperswil-Jona, die vom Beobachter nicht so gnädig aufgenommen würden, wenn sie ebenfalls ertragslos blieben – nach Punkten zum einen, nach Toren zum andern. Es sind Spiele, in denen das Resultat fast alleine zählt. Auch Romano sagt, von seiner Zuversicht abgesehen: «Wir müssen die absolute Leistungsbereitschaft, den letzten Siegeswillen mitbringen. Denn wir müssen immer ganz ans obere Limit gehen, wollen wir Erfolg haben. Uns fehlt es ja doch etwas an der individuellen Klasse, die bei andern manchmal reicht, ein Spiel zu entscheiden.» Wie bei Neuchâtel Xamax und seinem routinierten Angreifer Raphaël Nuzzolo am vergangenen Sonntag.

Diese Leistungsbereitschaft auch unter erhöhtem Resultatzwang zu liefern – das ist es, was von Romanos FCW heute und dann in zehn Tagen gegen Rapperswil-Jona besonders verlangt wird. «Die Bestätigung der letzten Leistungen und Arbeit, Arbeit,» das sind die Stichworte, die Romano dazu liefert.

Die Rangliste, wie sie nach einem Viertel der Saison besteht, lässt sich noch korrigieren. Aber sie lügt auch nicht, will heissen: Der FCW steht dort, wo er es verdient, weil er sich halt in entscheidenden Momenten gewichtige Patzer leistete: Silvios Platzverweis gegen Chiasso war so einer; die schlechte Chancenauswertung war oft ein anderer – sonst wäre das Spiel in Schaffhausen mit Sicherheit nicht verloren worden. Was dem FCW übrigens auch noch nie gelungen ist: ein Spiel zu kehren. Sechsmal geriet er in Rückstand, nur gegen den FC Aarau glich er, in letzter Sekunde, wenigstens noch aus. Dreimal schoss er das 1:0, was in Wil zum – sage und schreibe – einzigen Sieg führte, in Vaduz und gegen Chiasso wenigstens zu einem Unentschieden.

Immerhin, die Situation im quantitativ knappen Kader hat sich in dieser Woche entschärft: Luca Radice ist nach verbüsster Sperre zurück im Mittelfeld; Karim Gazzetta ist nach ausgeheilter Blessur, Kwawdo Duah nach überstandenen gesundheitlichen Problemen wieder verfügbar. Veljko Simic hat eine weitere Woche Training hinter sich und könnte gar für die Startelf in Frage kommen. Keinen Grund zu Wechseln gibt es in der Defensive vor ihrem dritten Spiel mit einer Viererabwehr.

Der «ratlose» Goalietrainer

Gegner Wohlen gehörte zu Saisonbeginn – anders als der FCW – zu den Abstiegskandidaten. Sein unerwartetes 3:1 auf der Schützenwiese führte dann zu einem kurzen Stimmungshoch. Mittlerweile spielen die Freiämter aber wie ein Abstiegskandidat, auch wenn sie dank ihres zweiten Sieges, dem 1:0 gegen den FC Vaduz vor zehn Tagen, eine Länge vor dem FCW stehen. «Gegen Vaduz – das war ein Spiel, in dem alles für uns lief,» sagt Pascal Zuberbühler, im Nebenberuf Goalietrainer der Wohler. «Sein» Torhüter Flamur Tahiraj wehrte in jenem Match in letzter Sekunde einen Foulpenalty ab. Das Hauptproblem Wohlens sind die 21 Gegentore: «Die machen mich auch etwas ratlos,» sagte Zuberbühler nach dem 1:5 in Genf im letzten Spiel. «Da kann etwas nicht stimmen, wir müssen über die Bücher. Wir müssen uns fragen, ob wir das richtige System spielen, ob die Spieler auf den richtigen Positionen stehen.»

Heute wird man allfällige Ergebnisse sehen, wenn Ranko Jakovljevic sein Team aufs Feld schickt. Zuberbühler wird, wie meist, nicht dabei sein. Er wirkt fürs Bezahlfernsehen als Experte bei GC – FCB. Mit beiden Klubs wurde er einst Meister.

Erstellt: 29.09.2017, 20:09 Uhr

Kofi Schulz und der FCW

Der Deutsche Kofi Schulz (28) scheint der letzte neue FCW-Spieler in dieser heute ablaufenden Transferzeit zu werden. Er würde vom FC St. Gallen ausgeliehen, dessen Trainer Giorgio Contini zuletzt keinen Platz mehr für Schulz in seinem «Eins»-Kader sah. Also spielte der Berliner vereinzelt, etwa gegen die U21 des FCW, im Erstligateam. Schulz war Junior bei Hertha Berlin und spielte später am längsten beim KFC Uerdingen in der Regionalliga. 2015/16 machte er bis zu dessen Konkurs 24 Spiele für den FC Biel. St. Gallen setzte ihn 2016/17 in 22 Pflichtspielen ein.

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