FUSSBALL

Das nächste 0:1 auf der Schützi

Allmählich entwickelt der FCW doch einen Heimkomplex: Die Niederlage gegen den FC Vaduz war das siebte Saisonspiel auf der Schützi, das siebte ohne Sieg. Und es war das dritte hintereinander, das 0:1 endete. Also übernachteten die Winterthurer als Tabellenletzter.

Die Probleme des FCW liegen weniger in der Defensive mit dem gestern fehlerfreien Goalie Matthias Minder als in der Offensive.

Die Probleme des FCW liegen weniger in der Defensive mit dem gestern fehlerfreien Goalie Matthias Minder als in der Offensive. Bild: Marc Dahinden

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Die Heimspiele des FCW folgen sich und sie gleichen sich. Wieder kämpfte die Mannschaft gut, litten ihre Fans im Regen bis zur letzten Sekunde mit. Aber aus einer Kombination von mangelndem Spielglück und, vor allem, eigenen Unzulänglichkeiten schaffte es die Mannschaft noch nie, zu erreichen, was von möglich bis zwingend gewesen wäre.

Gewiss, das 1:3 im Startspiel gegen Wohlen war eine indiskutable Leistung ohne wichtige Stützen. Das 1:1 gegen den FCAarau war schon deutlich besser, der Ausgleich in letzter Sekunde verdienter Lohn. Das 0:2 gegen Servette kam nach sehr späten Toren zustande, das erste fiel im Gegenzug auf einen Pfostenschuss des FCW, der über weite Strecken gut spielte. Das 1:1 gegen Chiasso erkämpfte er sich in Unterzahl – das Tor der Tessiner fiel in der 91. Minute.

Und dann das 0:1 gegen Neuchâtel Xamax, das 0:1 gegen Rapperswil-Jona und jetzt dieses 0:1: Gegen Xamax fiel das entscheidende Tor wieder sehr spät, als selbst die anfangs überlegenen Neuenburger allmählich der Meinung waren, der Punkt für den FCW wäre verdient. Den Rapperswilern reichte ein Tor nach einem Ballverlust Kwadwo Duahs und einem schnellen Konter nach einer halben Stunde, weil der FCW allerbeste Chancen ungenutzt liess – selbst in doppelter Unterzahl.

Auch der Penalty passte . . .

Und nun dieses neuerliche 0:1, wieder in einem Spiel, über das der FCW nach einer mässigen ersten halben Stunde die Kontrolle hatte und zweifellos genügend Chancen, wenigstens ein Tor zu erzielen. Aber das gelang ihm wieder nicht und dann kam jener individuelle Fehler, der zum Glück für die Vaduzer wurde: Kofi Schulz stand zuerst schlecht und behalf sich dann im Duell mit Axel Borgmann mit einem Foul. Einem «leichten», aber einem klaren. Dazu passte, dass Torhüter Matthias Minder den schwachen Ball des Ukrainers Marko Devic abwehrte. Doch der war, als Schütze logischerweise, am schnellsten bereit, den abgeprallten Ball im Nachschuss über die Linie zu schieben.

Kurz zuvor war ein Tor Silvios, das sehr spektakulär gewesen wäre, nicht anerkannt worden, weil er den – erfolgreichen – Fallrückzieher am Mann angesetzt habe. Man musste diesen Entscheid akzeptieren. Aber er fiel in eine Zeit, in der die Vaduzer eigentlich längst mit einem Unentschieden hätten zufrieden sein müssen. Sie hatten am Anfang die eine oder andere gute Szene. In der 10. Minute musste Dennis Markaj einen Ball kurz vor der eigenen Torlinie wegschlagen. Doch als es auf die Pause zuging, gabs erste Aktionen, in denen sich die Winterthurer offensiv zeigten. Etwa nach einer halben Stunde, als gut umgeschaltet wurde, sich am Schluss aber ein Vaduzer noch in Kwadwo Duahs Schuss stürzte.

Auf das Gegentor reagierten die Winterthurer energisch. Es flogen, je näher das Ende kam, desto häufiger, gute Bälle in den Strafraum der Liechtensteiner. Die wehrten sich teils mit Fouls, auf jeden Fall mit viel Kampfgeist. Das eine oder andere Mal war Glück dabei, aber ungenügend war einfach, wie – beispielsweise – Veljko Simic zwei erstklassige Chancen verstolperte. Oder wie das auch Silvio tat, der nicht mal Gelegenheiten nutzte, dem Schiedsrichter einen Elfmeterpfiff «nahezulegen».

Trainer Umberto Romano wechselte gleich dreimal, aber der Erfolg war bescheiden. Das galt weniger für Karim Gazzetta und Dario Ulrich, die erst in der 80. Minute kamen, das lag aber an Simic, der zweitletzten Neuerwerbung, der nichts brachte. Und der letzte Neue, Schulz, spielte wie schon am Montag in Aarau als Linksverteidiger eine unglückliche Rolle. Er war einfach verantwortlich fürs Gegentor.

Formiert hatte Romano seine Mannschaft wie in Aarau, zumal bei gegnerischem Ballbesitz in einem 4-5-1. Im Vergleich zum Match auf dem Brügglifeld waren die Innenverteidiger Gabriel Isik und Jordi Lopez sowie als «Sechser» Tiziano Lanza neu im Team. Lopez kam nach verbüsster Sperre für den diesmal gesperrten Guillaume Katz. Der 18-jährige Isik stand erstmals in der Startelf, weil es Tobias Schättin seit dem Freitagstraining an einer Schulter zwickte. Lanza kam für den verletzten Kreso Ljubicic. Ihre Bilanz: Isik spielte absolut ordentlich, Lanza ebenso, Lopez wieder klar besser als vor seinen Fehltritten in Wohlen und gegen Rapperswil-Jona.

Fehlerlos spielte Minder, vernünftig Markaj als Rechtsverteidiger, gut kämpfte Luca Radice, soso lala Robin Huser. Und die andern: Schulz ist abgehandelt – wie Simic. Manuel Sutters Beitrag war, von Laufbereitschaft abgesehen, mässig, Silvio war trotz viel Einsatzes erfolglos. Duah hatte Ansätze, bessere als vor seinem grossen Auftritt in Aarau, aber nicht annähernd so wie dort.

«Den Match im Griff», aber . . .

Das Ergebnis ist einfach: Viele Mannschaften hätten ein Spiel wie dieses gewonnen, auf jeden Fall nicht verloren – der FCW schaffte es wieder. Mal schiesst er drei Tore und kassiert ebenso viele; mal gesteht er dem Gegner nur eines zu – und bleibt selbst vor dem gegnerischen Tor impotent. Er bringt einfach die Balance nicht hin – und ein 1:0 ohnehin kaum je. Bisher schaffte er es nur beim 2:2 in Vaduz und daheim beim 1:1 gegen Chiasso und beim einzigen Sieg, in Wil. Egal, ob Romano – wie Anfang Saison – eine Dreierabwehr oder – wie seit ein paar Wochen – eine Viererabwehr aufstellt. Ob er gar in einem 4-5-1 vorsichtig und auf Konter spielt wie in Aarau – oder auch gestern.

Am Willen fehlt es der Mannschaft nicht, weshalb sie bei ihrem Publikum auch (noch) nicht durchgefallen ist. Aber es ist schon eine unheilvolle Kombination aus individuellen Fehlern in der Defensive und zu wenig Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum. Die lässt Romano auch allmählich ratlos erscheinen. Gestern hatte er seine Mannschaft mit zunehmender Spielzeit gesehen als eine, «die den Match im Griff hatte». Aber dann sah er halt, wie alle andern auch, die Fehler, die zum Gegentor führten, die «Unsauberkeiten», die manch im Ansatz guten Angriff störten. Und schliesslich eben das Unvermögen im Abschluss.

Vrabec: «Einfach mal gewinnen»

Viele Unzulänglichkeiten musste auch Roland Vrabec, der Vaduzer Trainer, feststellen. Er stand nach der bisher für einen Aufstiegskandidaten sehr durchzogenen Saison, vor allem aber nach dem jüngsten 0:5 gegen Neuchâtel Xamax erheblich unter Druck. Also war begreiflich, dass er sagte: «Gewiss, wir haben heute auch gewonnen, weil wir etwas mehr Glück hatten als Winterthur. Aber wir brauchten einfach mal ein Spiel, das wir gewinnen – egal wie.» Und das ist seiner Mannschaft gelungen, einer Startelf mit einem Durchschnittsalter von fast 28 Jahren – mit viel Kampf und dem ersten Tor seit dem 1:0 gegen Chiasso. Nach einem 0:0, einem 0:2 und eben dem 0:5 danach.

Der FCW ist noch nie auch nur annähernd so dominiert worden wie Vaduz von Xamax, aber auch je vier Niederlagen mit zwei und, zuletzt, mit einem Tor Differenz sind Niederlagen. Ob der FCW am kommenden Samstag als Tabellenletzter zu Servette fährt, wird von den Genfern heute (mit-)entschieden. Wenn sie in Wil gewinnen, ist der FCW wenigstens Neunter. Klar ist: Er wird mit Romano als Trainer im Stade de Genève antreten. Das ist ja wenigstens nicht die Schützenwiese.

Erstellt: 29.10.2017, 23:23 Uhr

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