FCW

Das Träumchen von einer kleinen Serie

Das 2:0 gegen den FC Wohlen war, im 29. Ligaspiel, erst der fünfte Sieg des FCW. Also nimmt er morgen gegen den FC Wil den fünften Anlauf, einem ersten Sieg einen nächsten folgen zu lassen. Wer es mit dem Verein besonders gut meint, würde dann von einer kleinen Serie sprechen …

Taugt auch als Innenverteidiger: Ousmane Doumbia (rechts), hier im Duell mit dem Wohler Taulant Seferi

Taugt auch als Innenverteidiger: Ousmane Doumbia (rechts), hier im Duell mit dem Wohler Taulant Seferi Bild: Madeleine Schoder

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Die Leistung der Winterthurer Fussballer gegen den FC Wohlen, der allerdings als Tabellenletzter und längst feststehender Absteiger anreiste, war in Ordnung. Sie war, wenigstens nach einigen Anlaufschwierigkeiten, in jeder Beziehung besser als drei Tage zuvor beim 1:3 in Rapperswil-Jona. Es gab jedenfalls keinen auf dem Feld, der sich mangelnden Einsatz hätte nachsagen lassen müssen.

Das Markanteste an diesen beiden ersten Spielen einer Woche mit drei Matches in nur 140 Stunden war zweifellos dies: Trainer Livio Bordoli wirbelte wie selten einer. Am Donnerstag standen nur vier von elf Spielern, die am Montag begonnen hatten, wieder in der Startelf; gar nur einer, der Innenverteidiger Jordi Lopez, auf derselben Position. In völlig neuer Besetzung vom 1:3 zum 2:0 – das ist natürlich verlockend, die Dinge positiv zu sehen. Auch wenn der Gegner schwächer war. Und wenn einzuräumen ist: Wohlen hatte schon nach 30 Sekunden eine erste „sichere» Chance; Wohlen hätte eine Minute vor dem ersten Tor des FCW selbst das 1:0 schiessen müssen, als der Debütant im Winterthurer Tor, Bojan Milosavljevic, ähnlich patzte wie Kollege Matthias Minder vor dem dritten Treffer in «Rappi». Aber er hatte das Glück, dass Lopez gerade noch rechtzeitig zurückgelaufen war und dem Flachschuss Igor Tadics den Weg ins Tor versperrte.

Doumbia und Sliskovic

Es ist also alles mit Zurückhaltung zu werten, ein Spiel sendet natürlich Signale aus, aber allzu viele Schlüsse sollten nicht gezogen werden. Am sichersten dünkt einen zu den vielen Einzelfällen, die nach diesen beiden Spielen zu beurteilen sind: Ousmane Doumbia taugt auch als Innenverteidiger. Anfangs hatte er gegen Wohlen Mühe, aber spätestens in der zweiten Halbzeit machte er einen Match von der Qualität, die er auch zeigen muss, die er in dieser Rolle schon bei Servette oft zeigte. Und an seiner Seite machte Lopez einen guten Match.

Ein deutliches Signal sandte auch Luka Sliskovic aus, als vorgeschobene Sturmspitze am Platz Silvios, der auf der Bank sass. Sliskovic glückte, was in dieser Saison erst Silvio zweimal geschafft hatte: In einem Match zwei Tore zu schiessen. Es hätte das eine oder andere mehr sein können, ja müssen. Aber immerhin trat Sliskovic wieder mal im Stil des Skorers auf. Womit er insofern den Auftrag des Trainers erfüllte, wie eine Sturmspitze zu spielen, «deren Job es ist, Tore zu schiessen» (Bordoli). Und nicht wie einer, der sich ständig zurückfallen lässt und sich damit auch läuferisch überfordert. Die Frage ist nun: Kann Sliskovic dies bestätigen, kommt er – endlich mal – über jene Ansätze hinaus, die er schon wiederholt zeigte.

Weil das grundsätzlich für die ganze Mannschaft gilt, weil es eben nicht ohne Bestätigung erster Eindrücke geht, wird Bordoli wohl einiges von dem, was er am Donnerstag unternahm, nur 68 Stunden später wieder sehen wollen. Nur das hilft ihm weiter. Nützlich dürfte auch sein, dass der nächste Gegner mehr Aussagekraft liefert als der letzte. Der FC Wil hat sich nämlich seit Anfang Februar vom letzten auf den 6. Platz verbessert, seine Frühjahrsbilanz ist mit 20 Punkten aus elf Spielen eine der besseren. Schon nach fünf Spielen im Frühjahr hatten die Wiler jene elf Punkte auf dem Konto, die zu gewinnen sie im Herbst 18 Matches benötigt hatten.

Der fünfte Anlauf

Von den elf Rückrundenspielen hat der FC Wil nur eines verloren, 2:3 gegen Aufsteiger Neuchâtel Xamax. Das ist ein Ausdruck von Konstanz wie ihn die Winterthurer in dieser Saison noch nie auch nur annähernd zustande brachten. In Fakten heisst das eben: Die längste positive «Serie» (allerdings in Anführungszeichen) waren die drei Spiele ohne Niederlage im November, ein 2:0 daheim gegen Wil zwischen den beiden 1:1 in Genf und Chiasso. Aber noch nie gelangen auch nur zwei Siege in Folge. Im Herbst folgten auf die beiden 2:0 gegen Wil zwei 1:1 gegen Chiasso; im Frühjahr wurde nach dem 4:1 in Wohlen in Wil 0:2 verloren und nach dem 1:0 daheim gegen den FC Vaduz gabs ein 1:1, wieder daheim, gegen Servette.

Und dass Fortschritte in letzter Zeit grundsätzlich kaum zu sehen sind, zeigen auch diese Zahlen: Im Jahr 2016 plus in den ersten zwei Runden 2017 gewann Sven Christ als FCW-Trainer (magere) 1,05 Punkte pro Spiel; für die übrigen 34 Spiele 2017 folgte Umberto Romano mit einem Schnitt von (mageren) 1,03 Punkten. Und jetzt steht Livio Bordoli bei (mageren) 1,09 Punkten – dank des Dreiers gegen den FC Wohlen minimal vor den beiden Vorgängern. Das mit einer Mannschaft, die nach den Abgängen Tobias Schättins und Robin Husers nominell eher schwächer scheint. Aber er hat die Aussicht, seine Bilanz noch aufbessern zu können. Beispielsweise morgen mit dem Beginn einer «Serie», die irgendwann auch nicht mehr in Anführungszeichen geschrieben werden müsste.

Erstellt: 20.04.2018, 20:37 Uhr

Challenge League

FC Winterthur - FC Wil. Sonntag, 22. April, 16 Uhr, Schützenwiese.

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