Challenge League

Den Alltag meistern

In drei Heimspielen binnen zehn Tagen kann der FCW viel für eine gedeihliche nächste Zukunft tun. In der Meisterschaft heute gegen Vaduz, dann gegen Chiasso und schliesslich im Cup gegen Thun.

Für Ralf Loose gilt es vor dem Highlight gegen Thun, den Platz in der Spitzengruppe zu festigen.

Für Ralf Loose gilt es vor dem Highlight gegen Thun, den Platz in der Spitzengruppe zu festigen. Bild: Freshfocus

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In zehn Tagen also kommt der FC Thun aus der Super League auf die Schützenwiese. Der Cup-Achtelfinal, den sich der FCW durch einen Sieg Mitte September gegen den FC St. Gallen verdient hat, wird ein nächster Höhepunkt in dieser Saison, die aus Winterthurer Sicht noch nicht annähernd zu definieren ist. Denn der Erfolg gegen den FCSG vor 8000 Zuschauern war Teil eines Auf und Ab, mit einem Höhepunkt wie diesem oder dem Auswärts-2:2 gegen die Grasshoppers, aber auch mit Ausrutschern wie dem 0:6 gegen Lausanne, dem 0:3 gegen Wil, beide auf der Schützenwiese, oder dem 2:3 in Kriens. Es fehlt an Konstanz – das war die erste Schlussfolgerung, die sich aufdrängte, so wurden die ersten zwei Monate der FCW-Saison analysiert.

Doch zuletzt waren erste Ansätze zur Besserung zu erkennen. 2:0 in Chiasso, 3:1 daheim gegen Schaffhausen, 0:0 selbst auf dem Platz des Leaders Lausanne-Sport – erstmals zwei Siege hintereinander, erstmals in dieser Saison drei Spiele ohne Niederlage waren erste Hinweise auf Konstanz. Es waren Signale, der FCW könnte in dieser Saison fähig sein, nicht nur hin und wieder zu blenden, sondern auch dauerhaft den Alltag zu meistern. Denn das muss, wer seine Saisonziele erreichen will. Die werden beim FCW zwar ausgesprochen zurückhaltend formuliert, von (Barrage-)Platz 2 wird offiziell jedenfalls keiner reden. Aber in der Mannschaft beispielsweise wird schon davon ausgegangen, dass mindestens Platz 4 zu machen sei. Vierter war der FCW in der vergangenen Saison, Vierter ist er jetzt, nach zehn von 36 Runden.

Alltag des Handwerkers

Alltag schlechthin, wie er eben gemeistert werden muss, ist, was dem FCW bevorsteht bis zum nächsten Highlight gegen Thun. Es sind die Heimspiele gegen graue Mäuse der Liga, gegen den Tabellensiebten aus Vaduz, dann gegen den Tabellenletzten aus Chiasso. Gewinnen die Winterthurer zweimal, docken sie hinter den Topteams aus Lausanne und Zürich an. Aber verlieren sie nur schon den Match heute gegen Vaduz, rutschen sie hinter die Liechtensteiner ab.

Chiasso in dessen Riva IV und Schaffhausen im Derby waren ja absolut vergleichbare Aufgaben. Beide wurden bestanden, mit einem 2:0 im Tessin, mit einem 3:1 gegen Schaffhausen mit Leistungen und einem Zugang zum Spiel, wie es von dieser Mannschaft des FCW als Standard verlangt werden darf. Es waren, wie danach beim kämpferisch wie auch optisch bemerkenswerten 0:0 in Lausanne, Vorstellungen von einer Laufbereitschaft und einem Einsatzwillen, die keine Wunderdinge sind, aber einen weit bringen können. So tritt im Berufsalltag ein Handwerker auf, der sich nicht als Künstler sieht, von dem keine Wunderdinge erwartet werden, der aber sein Metier versteht und professionell solide ausübt. Deshalb bringt er zum Laufen, was von ihm verlangt wird – ob es in der Küche ist, die Waschmaschine oder, heutzutage besonders wichtig, die Elektronik des PC.

Wieder ohne Davide Callà

Handwerkermeister Ralf Loose handelt denn auch im Sinne des soliden Berufsmannes, wenn er keine Änderungen vornimmt an der Startelf, die zuletzt Schaffhausen nach zähem Start klar beherrschte und in Lausanne einen «Kraftakt» (Loose) zeigte. Allerdings hätte der Trainer, der seit vielen Jahren unweit des Vaduzer Rheinparks wohnt, gerne einen Wechsel vollzogen. Er wollte seinen Captain Davide Callà erstmals seit dem Startspiel gegen den FC Aarau – und das fand doch schon Mitte Juli statt – von Beginn weg aufstellen. In Lausanne hatte es zum Comeback nach langwierigen muskulären Problemen in der Wade für die letzten 40 Minuten gereicht; im Testspiel während der Länderspielpause, beim 0:1 in Altach, spielte er 75 Minuten. Aber jetzt fällt er doch wieder aus, zurückgeworfen durch eine allergische Reaktion.

Unter Loose übrigens hat der FCW in 46 Meisterschaftsspielen seit Sommer 2018 71 Punkte gewonnen, pro Match also 1,54. Das ist eine gute Zahl, wie sie bei der Gesamtleistung der Winterthurer unter dem Dortmunder auch zu sehen ist. Solide, manchmal gar spektakulär, aber vor allem in keinem Moment mehr daran erinnernd, wie der FCW in den zwei, drei Jahren davor gespielt hatte – dem Tabellenende bedrohlich nahe, viel näher als der oberen Tabellenhälfte. Looses Gegenspieler, «Ländle-Denkmal» Mario Frick, hat seine Zeit als Chef des FC Vaduz im Herbst 2018, vor etwas mehr als einem Jahr, mit einem Heimspiel gegen seinen alten Nationaltrainer und den FCW begonnen. Es endete 0:1, es war der erste Winterthurer Sieg im Ländle seit dem Herbst 2001.

Die Brüder Burgmeier

Aus einem Aufbruch zu wieder besseren Zeiten wurde in Vaduz (noch) nichts. Die Saison beendeten die Liechtensteiner, die zeitweise gar in Abstiegsgefahr gerieten, 14 Punkte hinter dem FCW auf Platz 6. Aus den bis heute 40 Ligaspielen unter Frick holten sie mit zwölf Siegen und bei 17 Niederlagen im Schnitt 1,18 Punkte, was eben deutlicher weniger ist, als was der FCW unter Loose sammelte. Von einer Rückkehr in die Super League ist nicht die Rede. Neu ist seit ein paar Tagen, dass der vormalige Geschäftsführer Patrick Burgmeier als Nachfolger von Ruth Ospelt Präsident ist, geschäftsführender Präsident. Er ist mit seinen 39 Jahren auch der zwei Jahre ältere Bruder des über hundertfachen Internationalen Franz Burgmeier, der im Sommer 2018 als Spieler zurücktrat und seither als Sportchef wirkt.

Die Liechtensteiner können also den FCW heute mit einem Sieg überholen – so eng ist in dieser Liga das meiste beisammen. Also weist auch Loose, selbstredend ein genauer Kenner des FCV, darauf hin, «wie schwierig jedes Spiel wird». Oder anders gesagt: Spielt der FCW gut, darf er mit einem Sieg rechnen. Ist er dazu nicht fähig, ist der Match rasch verloren. Die Vaduzer besserten ihre Bilanz zuletzt mit Heimsiegen gegen Aarau (5:2) und Stade Lausanne-Ouchy (ein glückhaftes 3:2) auf. Einen absoluten Höhepunkt haben sie schon seit Mitte August hinter sich: Erst zum zweiten Mal in der Clubgeschichte überstanden sie – in ihrer Rolle als Liechtensteiner Cupsieger – im Europacup zwei Runden, in der dritten durften sie gegen Eintracht Frankfurt spielen. Vor so vielen Zuschauern wie den 48 000 in Frankfurt hatte zuvor nie eine Vaduzer Mannschaft gespielt – «und auch noch nie gegen eine so gute Mannschaft», wie Stürmer Manuel Sutter schon nach dem Hinspiel sagte. Das ging im Rheinpark 0:5 verloren, das 0:1 dann in Frankfurt war eine Ehrenmeldung.

Ein Stück harte Alltagsarbeit erwartet den FCW heute. Von Anfang August bis Mitte September konnte er nie zu Hause spielen, jetzt bittet er binnen zehn Tagen gleich dreimal auf die Schützenwiese. Vaduz, Chiasso, schliesslich Thun – da liegt einiges drin. Zuerst ein – zumindest einstweiliger – Platz in der Spitzengruppe der Challenge League, dann einer in den Viertelfinals des Cups. Es sind wegweisende Tage. Sie könnten selbst den Alltag veredeln.

Erstellt: 18.10.2019, 22:15 Uhr

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