FC Schaffhausen

Der Aufstiegstrainer solls richten

Der FC Schaffhausen ist in Abstiegsgefahr gerutscht. Also holte er mit Jürgen Seeberger den Trainer zurück, der ihn einst in die Super League führte. Heute geht es gegen den FCW, einen andern ehemaligen Klub Seebergers.

Zurück beim FC Schaffhausen, aber noch ohne Sieg: Jürgen Seeberger.

Zurück beim FC Schaffhausen, aber noch ohne Sieg: Jürgen Seeberger. Bild: Freshfocus

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In Winterthur ist Jürgen Seeberger in Erinnerung als der Trainer, der den FCW nach fünf Jahren unter Boro Kuzmanovic im Sommer 2014 übernahm – zehn Tage nur vor dem Saisonstart. Und der dann nach einem fulminanten ersten halben Jahr mit dem Sturmduo Patrick Bengondo/João Paiva auf Dauer nicht die erhofften Leistungen brachte. Der zwar Manuel Akanji fürs «Eins» entdeckte, aber allmählich auch unter der personellen Konstellation mit den alternden Skorern litt – und darunter, von der sportlichen Führung nicht so gestützt zu werden, wie gut gewesen wäre. Ende November 2015 war seine Zeit auf der Schützi zu Ende. Von den Nachfolgern aber ist erst der vierte erfolgreicher, Ralf Loose.

In Schaffhausen ist der Name des mittlerweile 54-jährigen Konstanzers Seeberger von anderem Gewicht als in Winterthur. Denn er steht für die letzten grossen Jahre des FCS. Im Juli 2000 übernahm er den Verein in der 1. Liga. Als er fast sieben Jahre später gehen musste, spielte der schon sein drittes Jahr in der Super League. Er war nicht mal Letzter, als der Aufstiegstrainer fortgeschickt wurde. Aber abgestiegen ist der FCS doch und der Elite seither nicht mehr nahe gekommen.

Jetzt ist Seeberger in Schaffhausen zurück, nicht mehr auf der Breite, wo einst seine Aufstiege gefeiert wurden, sondern im neuen Park im Herblingertal. Es ist sein streitbarer Präsident von ehedem und Stadionbauer, Aniello Fontana, gestorben. Der Verein allerdings ist noch immer im Besitz der Familie. Und jetzt heisst der Auftrag für den Rückkehrer: Den Abstieg verhindern. Nur noch vier Punkte sinds zum Abstiegsplatz, im dümmsten Fall ist es heute Abend nur noch einer.

Die offene Zukunft

Die Schaffhauser holten ihren alten Aufstiegstrainer kurz nach Fontanas Tod, nachdem die Mannschaft mit Vorgänger Boris Smiljanic mit noch einem Punkt aus den ersten vier Rückrundenspielen abgestürzt war. Seeberger hat nun vier Spiele gemacht – und auch nur einen Punkt gewonnen. Er sagt dazu: «Die Mannschaft muss offensichtlich erst damit zurechtkommen, dass sie nach hinten schauen muss – und nicht mehr nach oben blicken darf.» Das war noch in der Winterpause der Fall, als der Verein die Vorrunde auf Platz 5 beendet hatte – nur fünf Längen hinter dem FCW auf Barrage-Platz 2. Und dieser Platz galt den Schaffhausern dann auch ganz offiziell als Frühjahrsziel. Doch dann starb der Präsident. Es ist nun die Zukunft des Vereins ein Fragezeichen. Keiner weiss, wie es weiter geht – ob die Familie Fontana beherrschend bleibt, wie es um den immer wieder genannten deutschen Investor steht, der bereit stehen soll. Fakt ist – und so nimmt es auch Seeberger wahr –, dass Fontanas Schwiegersohn Marco Truckenbrod Fontana als Geschäftsführer der starke Mann im Alltag ist. Verstärkt noch, seit kurz nach dem Abschied von Präsident Fontana Sportchef Axel Thoma gehen musste.

Seeberger übernahm eine Mannschaft, die nicht mehr zu vergleichen ist mit der, die noch in der Saison 2017/18 unter Murat Yakin und dann Smiljanic hinter dem souveränen Aufsteiger Neuchâtel Xamax Zweiter wurde. Massgeblichen Anteil daran hatte das Offensivtrio Miguel Castroman (8 Tore und 8 Assists), Tunahan Cicek (21/6) und Helios Sessolo (16/10). Aber dann ging Cicek zu Xamax, Sessolo fiel ein halbes Jahr aus, nur Castroman war weiterhin eine verlässliche Stütze, einer der besten Spieler der Liga. Cicek versuchte sich bei Neuchâtel Xamax, ehe er im Winter zurückkehrte. Waren es von diesem Trio im vergangenen Jahr insgesamt 45 Tore und 24 Assists, sind es in dieser Saison nur 13 Tore und 5 Assists.

Nur Cicek aus dem Toptrio

Der Rest des Kaders gibt – nicht nur statistisch – für die Offensive nicht annähernd so viel her. Die drei Tore, welche die Mittelfeldspieler Valentino Pugliese und Luca Tranquilli schossen, sind die aktuellen Spitzenwerte – hinter jenen Castromans mit seinen immerhin wieder zehn Toren. Der hat, als YB-Leihgabe in Schaffhausen, jüngst seine persönliche Zukunft geregelt. Er geht im Sommer nach Thun in die Super League. Cicek hat in seinem ersten halben Jahr bei Aufsteiger Neuchâtel Xamax eine Chance in der Elite nicht nutzen können, deshalb eben ist er jetzt – leihweise – zurück. Cicek spielt heute als einziger des Trios. Sessolo ist nach seinem Platzverweis am Samstag in Aarau gesperrt, Castroman wieder verletzt.

Für Cicek, den gebürtigen Türken aus der Ostschweiz, ist das Arbeiten unter Seeberger ja nicht neu. Denn als ihm der FCW nach Misserfolgen in St. Gallen die Chance gab, wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen, hiess der Trainer auf der Schützenwiese Seeberger. Zwölf Tore in zwei Jahren waren die FCW-Zahlen Ciceks. Castroman, Sessolo und Cicek – sie alle sind feine Fussballer, aber eben nicht harte Kämpfer. Sie passen immerhin in eine Schaffhauser Mannschaft, die als Kunstrasenteam einzustufen ist. Denn es ist doch kein anderer Schluss möglich, wenn eine Mannschaft in 26 Spielen 28 Punkte gewinnt – und von denen nur zwei auf einem der sieben Naturrasen in dieser Liga. Neben den 19 Punkten auf dem heimischen Kunstrasen waren es von neun Punkten aus 13 Auswärtsspielen sieben auf den Kunstrasen in Kriens und Wil, aber – sage und schreibe – erst zwei auf Naturrasen. Im Herbst für zwei 1:1 in Winterthur und Vaduz.

Diese Statistik verbessern, seine Mannschaft wettkampfhärter machen – das muss Seeberger. Für die Rückkehr nach Schaffhausen war er bereit, weil seit vergangenem Sommer der Job als Experte beim Bezahlfernsehen sein einziger im Fussball war. Trainer war er nicht mehr, seit ein kurzes Gastspiel mit den Stuttgarter Kickers mit dem Abstieg aus der Regionalliga Südwest endete. Auf eine Weiterbeschäftigung verzichtete Seeberger dann. Immerhin, die Challenge League behielt er als TV-Mann im Blick. Nicht zuletzt auf der Schützenwiese war er immer wieder zu sehen. Sein Vertrag mit dem FCS läuft noch bis Ende Saison – dann sieht er weiter.

20 Jahre nach dem Halbfinal

In Erinnerung hat er natürlich, was – bisher – die Höhepunkte seiner Trainertätigkeit waren: Vor den mehrheitlich glorreichen Jahren in Schaffhausen war es die Halbfinal-Qualifikation im Schweizer Cup mit dem Erstligisten Red Star, aber auch der nur um vier Punkte oder einen Rang verpasste Platz im Bundesliga-Playoff mit Alemannia Aachen im Jahr 2008/09. Jörg Schmadtke hatte ihn damals nach Aachen geholt. Als Schmadtke im Zwist mit den Vereinsoberen gegangen war, hatte Seeberger nicht mehr den nötigen Rückhalt. Die Erwartungen waren hoch, als Alemannia im Sommer 2009 nach knapp verpasstem Aufstieg vom alten Tivoli ins neue Stadion ging. Also waren fünf Punkte aus vier Spielen nicht der erwünschte Start, ein paar Tage nach einem 3:0 gegen den FSV Frankfurt musste Seeberger gehen. Seither war die Alemannia nie mehr annähernd so gut klassiert. Heute ist sie Sechster in der – zwei Klassen tieferen – Regionalliga West.

Am 20. Mai jährt sich übrigens der erste grosse Match Seebergers zum 20. Mal. Am 20. Mai 1999 stand er mit Red Star im Cup-Halbfinal gegen GC im Letzigrund. Auch Innenverteidiger Uli Forte konnte das 0:7 nicht verhindern. Ein Höhepunkt der Klubgeschichte bliebs. Seeberger will die alten Kameraden im Mai versammeln – und er hofft, es stehe dannzumal, zwei Runden vor Saisonschluss, der Klassenerhalt mit Schaffhausen fest.

Erstellt: 01.04.2019, 20:45 Uhr

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