Winterthur/Zürich

Der Favorit – um zwei Tore besser

Ein Tor pro Halbzeit – das war die Ausbeute für den FCZ. Der FC Winterthur spielte nicht schlecht, war aber für eine Überraschung nicht gut genug.

Tanz auf dem Wasser: Oliver Buff (Mitte) versucht, sich gegen vier Winterthurer durchzusetzen.

Tanz auf dem Wasser: Oliver Buff (Mitte) versucht, sich gegen vier Winterthurer durchzusetzen. Bild: Keystone

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13 704 im Letzigrund, aus Winterthur allein 2000 im Fansektor – das erste «kleine Derby» seit 21 Jahren, der erste Match des grossen FCZ in der neuen Umgebung, war schon mal ein aussergewöhnlicher Anlass. Und am Ende waren alle zufrieden: Die Zürcher hatten ihre erste Pflichtaufgabe auf dem Rückweg in die Super League erledigt; die Winterthurer Fans waren vom Auftritt ihrer Mannschaft schon fast begeistert. Auf jeden Fall feierte die FCW-Gemeinde ihre Fussballer auch nach der Niederlage.

Wie die sportliche Führung der Zürcher diesen Match bewerten würde, konnte erwartet werden: «Es war ein schwieriges Spiel, aber ich bin zufrieden», sagte hoch oben auf der Tribüne Thomas Bickel, der neue Leiter Sport. «Wir haben doch wenig zugelassen.» Unten in den Katakomben formulierte es Trainer Uli Forte so: «Es war weitherum eine gute Leistung meiner Mannschaft. Wir wollten Winterthur nicht ins Spiel kommen lassen. Das ist uns gelungen.» Nur zwei Dinge bemängelte er: «Wir müssen mehr Tore machen und wir hätten nach dem 2:0 nicht so nachlassen dürfen, dass es noch hätte gefährlich werden können.»

Sven Christ, der Winterthurer Trainer, widersprach der Zürcher Sicht nicht, als er sagte: «Es war über 90 Minuten ein verdienter Sieg des FCZ. Wir waren in den ersten 30 Minuten etwas zu ängstlich, aber wir haben nie aufgegeben und es war super, wie unsere Fans diese Leistung honorierten.» Das Pech der Winterthurer war, dass sie die erste Halbzeit in jener Platzhälfte angreifen musste, die nach Regenfällen und wohl auch wegen des grundsätzlich schlechten Zustands des Platzes kaum bespielbar war. Und später, als der FCZ dort offensiv wirkte, war der Platz doch etwas besser. Vor allem aber lagen die Zürcher zu jener Zeit längst in Führung.

Noch reichten 80 Prozent

Aus neutraler Perspektive kann man die Wertungen der Verantwortlichen beider Seiten etwas beschönigend finden. Aber es war schon so: Der FCZ hatte ein erstes Mal geschafft, was in dieser Saison von ihm noch 35mal erwartet wird. Und der FCW war auf dem Platz des hohen Favoriten nicht untergegangen, hatte zeitweise gut mitgehalten. Dass sich beide noch steigern müssen, wissen sie. Oder wie es Forte sagte: «Was wir heute schon bieten konnten, waren 80 Prozent.» Auf diese Ziffer wäre wohl auch Christ etwa gekommen. Also entsprach das Ergebnis wohl auch der grundsätzlichen Leistungsdifferenz zwischen den beiden Mannschaften – zwischen einem Spitzen- und einem Mittelklasseteam. Auf jeden Fall wars nicht so, dass Winterthur an diesem Tag gut genug gewesen wäre, Schwächen oder Formrückstände der Zürcher zu bestrafen.

Es war offensichtlich: Der FCZ begann besser; er ging schon in der 12. Minute in Führung; und er beherrschte die Lage mindestens 20 Minuten. Der FCW aber brachte den Ball hinter der Mittellinie kaum mehr weiter, meist blieb er im Sumpf stecken. Das Tor schoss Roberto Rodriguez mit einem vom Kollegen Adrian Winter leicht abgelenkten Ball. Vor allem Patrik Schuler und Guillaume Katz sahen als Winterthurer in dieser Situation schlecht aus. Nach einer halben Stunde waren die Winterthurer besser im Spiel, sie hielten auch nach der Pause nach zwei Wechseln ordentlich mit. Aber es war nicht zu übersehen: Torgefährlich waren sie kaum. Der erste Ball, den der neue FCZ-Goalie Andris Vanins festzuhalten hatte, kam erst in der 89. Minute – von Luka Sliskovic.

Die Umstellungen des FCW

Auf der andern Seite liess auch der FCW relativ wenig zu. Aber wurde es gefährlich, war es doch vor Torhüter David von Ballmoos, der einen guten Match machte. Aufgestellt hatte Christ seine Mannschaft leicht modifiziert, nämlich in einem 4-4-2, mit Robin Kamber anstelle von Sliskovic als zweiter Spitze neben Silvio. Die Abwehr musste der Trainer umstellen, weil Rechtsverteidiger Michel Avanzini über Nacht erkrankt war. Also wechselte Leandro Di Gregorio auf diese Seite, erschien Tobias Schättin links. Gute Leistungen boten Di Gregorio, Innenverteidiger Daniele Russo, zunehmend Nicola Sutter als zweiter Sechser neben Schuler und nach Anfangsschwierigkeiten auch Katz. Die Flügelspieler und Silvio konnten sich kaum durchsetzen. Nach den Wechseln war Luca Radice als Linksverteidiger besser als vorher offensiv, und Sliskovic hat ohnehin das Zeug zur ersten Wahl.

Beim FCZ wäre Vanins kaum zu bewerten, müsste man ihm eine Note geben. Das zeigt, dass die Defensive gut arbeitete, allerdings auch gegen eine Offensive, die nicht an das Wirken eines Super-League-Angriffs erinnerte, wie sie der FCZ noch im Frühjahr vorfand – und eben in einem Jahr wieder vorzufinden hofft. Fürs Spiel nach vorne trugen die (Aussen-)Verteidiger allerdings wenig bei; auch das zentrale Duo Sangoné Sarr/Burim Kukeli war eher defensiv aufmerksam.

Die Stärksten auf den Flügeln

Die offensiv Stärksten waren die beiden neuen Flügelleute, Roberto Rodriguez und Adrian Winter. Sie waren an den Toren beteiligt, Rodriguez mal als Skorer, Winter vor dem 2:0, das den Match in der 82. Minute entschied, als Vorbereiter. Er lupfte den Ball auf den Kopf Armando Sadikus. Der zeigte zwar noch nicht EM-Form, aber es reichte doch anzudeuten, dass er in dieser Liga ein herausragender Stürmer sein müsste. Und Forte hat ja noch einen Cavusevic in der Hinterhand, der in dieser Liga genauso Tore garantieren kann.

Am Samstag spielen die beiden Teams wieder gleichzeitig, und ihre Aufgaben werden keinesfalls dankbarer sein. Der FC Wil gilt auch nach einer Startniederlage als erster Herausforderer des FCZ, der nun aufs Bergholz muss. Und dass auf der Schützenwiese auch eine Niederlage in einem Heimspiel gegen den FC Aarau gefeiert würde wie gestern dieses 0:2 im Letzigrund – das ist dann doch nicht zu erwarten. Am Samstag werden Zürcher und Winterthurer sich den 100 Prozent schon einen weiteren Schritt annähern müssen. Beide werden es angehen im Glauben, am ersten Tag eine Basis gelegt zu haben.

Immerhin, der FCW fuhr gestern heim mit einer ungewöhnlichen Erfahrung: Vor so vielen Zuschauern hat er seit Jahren nicht mehr gespielt. Genau g enommen seit dem letzten Spiel der Saison 2008/09, als er bei Aufsteiger St. Gallen vor 19 000 antreten konnte. Das ist der Ligarekord. Aber auch der FCZ hatte in seiner vergangenen Super-League-Saison nur einmal mehr Besucher – im «Abstiegsspiel» gegen den FC Vaduz. (Landbote)

Erstellt: 26.07.2016, 08:04 Uhr

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