Fussball

Dieser FCW braucht zu viele Lektionen

Die Winterthurer begannen in Kriens erst mit dem Fussballspielen, als sie 0:3 zurücklagen. Also war ihre 2:3-Niederlage folgerichtig, auch wenn es ihnen am Ende noch zu einem Unentschieden hätte reichen können.

Trotz aller Bemühungen wurde der FCW von den Kriensern zurück gebunden.

Trotz aller Bemühungen wurde der FCW von den Kriensern zurück gebunden. Bild: Nadia Schaerli

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Am Ende marschierten die Krienser mit strahlenden Mienen durch die Katakomben ihres Kleinfelds. Sie hatten sehr wohl Grund dafür, denn nach der dritten Niederlage in der Fremde hatten sie auch ihr drittes Heimspiel der Saison gewonnen, erstmals gar gegen einen Gast, der in der Tabelle höher stand, der auch höher eingestuft wird. Einen «grossen Sieg» nannte Trainer Bruno Berner das 3:2 gegen den FCW, der schon im Februar das erste Spiel des Jahres in Kriens verloren hatte. Über die Punkte hinaus durften sich die Krienser aber auch freuen, wie sie gespielt hatten – wenigstens eine gute Stunde lang. Da war ihre Rechnung in so ziemlich jeder Beziehung aufgegangen.

Auf der andern Seite des Kabinentrakts waren die Gesichter lange. Das Thema beim FCW war nicht, dass gut möglich gewesen wäre, aus dem 0:3 in der 62. Minute noch ein 3:3 zu machen. Denn als die Winterthurer endlich begonnen hatten, Fussball zu spielen, hätte sich selbst ein so deutlicher Rückstand noch wettmachen lassen. Zuerst lupfte Roman Buess den Ball nach einem Steilpässchen Gjelbrim Taipis ins Tor. Gleich danach wurde Anas Mahamid im Strafraum eindeutig gefoult – aber wegen einer imaginären Schwalbe verwarnt. Eine geradezu absurde Szene. Kurz darauf traf Buess aus 20 Metern den Pfosten. Mahamid lupfte den Ball freistehend am weiteren Pfosten vorbei. Und obwohl Luka Sliskovics 2:3 erst in der 92. Minute fiel, gabs noch die Chance zum Ausgleich. Torhüter Sebastian Osigwe fischte aber Sead Hajrovics Direktabnahme nach einem letzten Eckball aus der tiefen rechten Ecke.

«Zu wenig in Zweikämpfen»

Aber Sportchef Oliver Kaiser und Trainer Ralf Loose war nicht das wichtig. Sie liessen auch beiseite, dass dem zweiten Gegentor wohl ein Foul an Buess vorausgegangen war und dem dritten sicher kein Foul Granit Lekajs. Natürlich war der Schiedsrichter – wie in dieser Liga durchaus üblich – schlecht. Aber die FCW-Oberen sahen auch, dass der Aktion gegen Buess ein schlechter Pass Tobias Schättins vorausgegangen war. Und dass der unberechtigte Freistoss Omer Dzonlagics nie zum 3:0 hinter der Linie hätte landen dürfen. Dzonlagic erwischte Torhüter Raphael Spiegel aus einer seitlichen Position gut 35 Meter vor dem Tor, als jeder einen Flankenball erwartete, in der vorderen Ecke. Eine Mauer stand schon gar nicht im Weg, dieses Tor hätte dem sonst doch formstarken Spiegel nicht passieren dürfen.

Die Erklärungen Looses und Kaisers waren vielmehr geprägt vom Ärger, dass man Voraussehbares nicht verhindert hatte. «Wenn wir 70 Minuten lang nicht Fussball spielen, dürfen wir uns über die Niederlage nicht beklagen», sagte Kaiser. Loose wirkte für seine Verhältnisse ziemlich angefressen: «Alles ist doch eine Frage, wie man ins Spiel geht. Und wenn ich den Willen habe, etwas zu tun, muss ich es auch tun – und nicht reden.» Oder: «Wir waren als Kollektiv zu sorglos, zu wenig in den Zweikämpfen.

In dieser Liga muss man sich auch mal wehren.» Abwehrchef Sead Hajrovic, der nach seinen Problemen mit der Schilddrüse erstmals seit dem Startmatch gegen Aarau wieder antrat, sprach auch nicht um den heissen Brei herum: «Das war nicht unser Fussball. Wir müssen wieder dahin kommen, wo wir letzte Saison waren. Dass jeder defensiv und jeder offensiv mitarbeitet.» In der vergangenen Saison, das merkte Hajrovic dann doch auch noch an, «haben wir aber hier einmal genau gleich verloren.» Eben so, dass danach – mit Hajrovic – zu sagen war: «Wir müssen aus diesem Spiel lernen. Heute haben wir die Zweikämpfe nicht angenommen.»

Das Wirken des FCW-Schrecks

Das ist eigentlich der grösste Vorwurf, der einer Mannschaft zu machen ist. Zumal in einer Liga, in der jeder jedem gefährlich werden kann. Wie Stade Lausanne-Ouchy, wenn er den grossen Nachbarn Lausanne-Sport gleich mit einem 3:0 abserviert; wie der FC Schaffhausen, der GC im Letzigrund schlägt und eine Woche später gegen SLO daheim verliert; oder wie der FC Aarau, der in Chiasso nach einem 2:0 noch 2:4 verliert. Dieses Wochenende ist so zusammenzufassen: Die ersten Vier nach fünf Runden gewannen zusammen einen Punkt!

SCK – FCW wurde in dieser Liga der Arbeiter so geradezu ein Klassiker: Es siegte die weniger hoch eingestufte und spielerisch auch weniger begabte Mannschaft, weil sie die Sache energischer anpackte, dem Gegner viel mehr auf den Füssen stand und in den Zweikämpfen ganz einfach härter war. Das hätte man als Winterthurer wissen können, ja müssen.

Dazu passte, dass der FCW-Schreck Nico Siegrist nach zehn torlosen Spielen wieder mal auf den Plan trat. In der vergangenen Saison lieferte er ein Tor zum 1:1 der Krienser auf der Schützenwiese und beide Assists zu ihrem 2:0-Heimsieg, dazu einen Assist bei ihrer 1:2-Heimniederlage. Diesmal nutzte er mal kühl die Vorarbeit Dzonlagics und mal mühelos jene Dario Ulrichs zu den ersten zwei Toren aus. Es waren Szenen, die auch spielerische Fähigkeiten der Krienser verrieten. Der kleine Schwyzer Ulrich, vor zwei Jahren als Luzerner Leihgabe beim FCW, machte als rechter Aussenläufer im Krienser 3-4-3 einen auffallenden Match. Igor Tadic, der andere FCW-Schreck, der wieder das Krienser Trikot trägt, blieb 90 Minuten auf der Bank. Dafür beschäftigte ein giftiger 22-Jähriger aus Ghana mit portugiesischem Pass die Winterthurer Abwehr. Asumah Abubakar heisst er, in der vergangenen Saison spielte er noch beim MVV Maastricht in Hollands 2. Liga.

Die Fragen für den Trainer

Der FCW brockte sich in Kriens die zweite Niederlage im siebten Pflichtspiel der Saison ein. Der Anlass wuchs sich zur zweiten Lehrstunde nach dem 0:6 gegen Lausanne aus. In jedem dritten Ligaspiel eine Lektion – das ist zu viel für ein Team mit den Ansprüchen des FCW. Oder es bedeutet: Mehr als ein biederer Mittelfeldklub ist er nicht. So deutlich braucht man es (noch) nicht zu sehen. Aber Loose muss sich seine Überlegungen machen, wie er allenfalls mit personellen Eingriffen gegen Fehlleistungen wie diese angeht oder auch gegen Formschwächen. In Kriens bildeten erstmals seit dem 12. April, seit dem 2:2 in Aarau, Lekaj und Hajrovic wieder das Abwehrzentrum. Gabriel Isik wurde zum Rechtsverteidiger, weil Nils von Niederhäusern zuletzt nicht genügt hatte. Dann sah Isik beim 0:1 schlecht aus, verletzte er sich an der Schulter – und von Niederhäusern erschien wieder.

Loose muss sich auch fragen, was er unternimmt, wenn in der Offensive auf den Flanken Nuno Da Silva und Luca Radice spielen wie diesmal, die eingewechselten Martin Liechti und Mahamid aber deutlich mehr Zug bringen. Erneut war die Doppelsechs Ousmane Doumbia/Taipi keine ideale Kombination. Taipi war zuerst defensiv nicht stabil, aber dann stark, als im Rückstand offensive Dienste gefragt waren. Auf Doumbia wirkten die Krienser gut eingestellt – wie in jener Szene, als er vor dem 0:1 den Ball an Liridon Berisha verlor. Es war der Anfang vom Ende eines aus eigenem Verschulden missratenen Spiels.

Zwei Wochen hat der FCW Zeit, die Lehren zu ziehen. Dann ist er im Cup gegen den FC St. Gallen gleichsam der SC Kriens – wenn er denn fähig ist, diese Rolle so anzunehmen wie die Luzerner an diesem Samstag.

SC Kriens – FC Winterthur 3:2 (2:0)

Kleinfeld. – 1300 Zuschauer. – SR Jancevski. – Tore: 17. Siegrist 1:0. 29. Siegrist 2:0. 62. Dzonlagic 3:0. 74. Buess 3:1. 92. Sliskovic 3:2.

Kriens: Osigwe; Alessandrini, Elvedi, Berisha; Kukeli; Ulrich, Wiget (64. Yesilcayir), Sadrijaj (92. Fäh), Dzonlagic (70. Costa); Siegrist, Abubakar (82. Hoxha). – FCW: Spiegel; Isik (37. von Niederhäusern), Lekaj, Hajrovic, Schättin (71. Wild); Taipi, Doumbia; Radice (58. Liechti), Sliskovic, Nuno Da Silva (71. Mahamid); Buess.

Bemerkungen: Kriens ohne Fanger, Mijatovic, Urtic und Bürgisser (verletzt). – FCW ohne Callà, Schmid (verletzt), Hamdiu, Roth (im Aufbau) und Bdarney (U-21); Isik mit Schulterluxation ausgeschieden. – 79. Pfostenschuss von Buess. – Verwarnungen: 45. Berisha (Foul). 50. Buess (Unsportlichkeit). 56. Lekaj (Foul). 75. Mahamid («Schwalbe», die keine war). 84. Hajrovic («Unsportlichkeit»).

Erstellt: 31.08.2019, 21:27 Uhr

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