Winterthur

Der FCW in einer Negativspirale

Der FC Aarau mag zurzeit die erfolgreichste Mannschaft der Challenge League sein. Dennoch warenttäuschend, wie chancenlos der FCW auf dem Brügglifeld war. Ein Gegentor – und er war geschlagen, am Schluss 0:3.

Bild: Andy Mueller/freshfocus

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Die Ziele waren ganz anders ge­wesen vor dieser «englischen» Woche, der ersten des Trainers Sven Christ: Fünf Punkte aus den Matches gegen den Spitzenklub aus Wil, in Baulmes gegen den Tabellenletzten Le Mont und zuletzt aus dem Auftritt in Aarau, bei der Mannschaft der Stunde. Doch dar­aus wurde nichts, aber auch gar nichts. Nach einem 1:2 in letzter Minute gegen Wil gabs zwei Zu-nullniederlagen in der Fremde. Es war die erste Triplette an Niederlagen in dieser Saison. Und verliert der FCW in einer Woche auch noch in Schaffhausen, ist er nicht mal mehr in der oberen Tabellenhälfte. Dabei war er vor einer Woche gegen Wil angetreten, seine Chance auf Platz 2 zu nutzen..

Kein Zweifel, der FCW ist am Ende des ersten Meisterschaftsviertels unter Christ in einer Negativ­spirale. Er tritt wie eine Mannschaft auf, die das Siegen, ja das Punkten verlernt hat. Zehn Punkte aus neun Spielen holte er in diesem Jahr, das ist seine zweitschwächste Bilanz für ein Meisterschaftsviertel, seit vor bald vier Jahren die Zehner­liga eingeführt wurde.

Die Parallelen zu Baulmes

Es war gestern in Aarau ein an­derer Anlass als vier Tage zuvor in Baulmes. Es waren nahezu 4500 im Stadion, nicht kaum 100 wie im Waadtländer Dörfchen. Und man muss natürlich auch feststellen, dass der Gegner von anderem Zuschnitt war: Es war der FC Aarau, der nach diesem sicheren Sieg sein Viertel mit 21 Punkten aus neun Spielen abschloss, der besten Bilanz aller zehn Klubs. Mit sechs Siegen und drei Unentschieden holte er in dieser kurzen Zeit mehr Punkte als in der ganzen Vorrunde.

Dennoch sind die Parallelen der beiden Auftritte des FCW enttäuschend. Wie in Baulmes geriet er auch gestern eine Halbzeit nicht in Gefahr. Es war jedenfalls das Bemühen zu erkennen, dis­ziplinierter, konzentrierter und ener­gischer zu verteidigen. Mit einer Startelf, die genau dieselbe war wie gegen Wil. Im Vergleich zu Baulmes waren Musa Araz im zentralen Mittelfeld, Ramon Cecchini auf der linken Flanke und João Paiva als Sturmspitze zurück im Team; für Marco Mangold, Tunahan Cicek und Genc Krasniqi. Doch auch in dieser ersten Halbzeit fand der FCW offensiv nicht statt, überhaupt nicht.

Dann folgte eine zweite, in der die Aarauer zwei Minuten früher in Führung gingen als ehedem ­Le Mont. Es war ein Eckball, der auf dem Fuss Oliver Jäckles lan­dete. Und der traf zu seinem ersten Tor seit dem Juli 2013, zwischen vielen Beinen hindurch und womöglich noch leicht abgelenkt. Mit einem Gegentreffer ist im Fussball immer zu rechnen, auch wenn man ordentlich verteidigt, also auch der FCW gegen Le Mont oder in Aarau, gegen eine nominelle Nummer 10 wie gegen eine Nummer 1. Aber dieser FCW ist geschlagen, wenn ihm das widerfährt. Gestern wieder.

Zu wenig Widerstandskraft

Nach diesem Treffer mag der FCW willens gewesen sein, anders als in Baulmes zu reagieren. Aber es prägen ihn zurzeit eine offensive Harmlosigkeit und ein Mangel an Widerstandskraft, die ihn bereits nach einem Gegentor zum Verlierer stempeln. In Baulmes hatte er sich in 90 Minuten nicht die Andeutung einer Torchance erspielt, gestern gab es immerhin eine Szene, die zum Ausgleich hätte führen können. Christian Fass­nacht kam alleine vor dem Torhüter zum Schuss, aber Steven Deana wehrte ab. Möglich gewesen war diese Chance auch nur, weil der Schiedsrichter ein Handspiel Fass­nachts übersehen hatte.

Was dann auch wieder typisch für die aktuelle Lage, wenn nicht die grundsätzliche Situation dieser Mannschaft des FCW war: Christ hatte bald nach dem 0:1 ­der Reihe nach Cicek, Krasniqi und Patrick Bengondo eingewechselt, reine Offensivkräfte allesamt. Aber ihr Wirken war dann bedeutungslos, eher noch: Der FCW verlor an Ordnung. Auf der anderen Seite kam Mittelfeld-Hau­degen Michael Perrier für den ange­schlagenen Captain Sandro Burki und Carlinhos für Patrick Rossini. Perrier, in seinem ganzen Leben noch nie als Skorer aufgefallen, schoss mit seinem ersten Ballkontakt mit einem Holperball von der Strafraumgrenze das 2:0. Und Carlinhos liess in der Endphase noch das 3:0 folgen; Patrik Schuler und Guillaume Katz versuchten vergebens einzugreifen.

Unterschiedliche «Joker»

Auch Christ stellte die Unterschiede zwischen den «Jokern» fest, wie schon der Match gegen Wil – auf dem Weg vom 1:0 zum 1:2 – durch die beidseits Ein­gewechselten geformt wurde. Christ fand allerdings auch, er habe nach dem in jeder Beziehung missratenen Auftritt in Baulmes «eine Reaktion» gesehen. Doch diese Einschätzung ist nur bedingt zu teilen. Die Mannschaft mag sich wirklich bemüht haben. Aber das Ergebnis ge­nügte einfach nicht. Der FCW dieser letzten beiden Spiele war – noch beim Stande von 0:0 – nicht fähig, Vorteile zu erzwingen. Er kassiert dann, wie auch immer, ein Gegentor – und hat dann nicht die Kapazität, darauf zu rea­gieren.

Natürlich war bei einem wie dem Captain Schuler nicht zu übersehen, wie er sich in die Pflicht nahm und kämpfte. Es war die Rückkehr Araz’ zumindest bis zur Pause auch der erhoffte Gewinn im Mittelfeld. Es wurde eine Halbzeit lang gut ­verteidigt, von Sandro Foschini bis Marco Köfler. Doch es war ein Rea­gieren auf einen Gegner, der nicht brillierte, aber sich in diesem Frühjahr die Stabilität eines Spitzen­teams erarbeitet hat. Der also gegen eine Mannschaft wie diesen FCW nie in Rücklage ge­rät und dann, hat er mal ein Tor ­geschossen, die Dinge im Griff ­behält.

Die Aarauer sind jedenfalls ­auf ihrem Weg, die neue Saison vorzubereiten, schon wesentlich weiter als der FCW. Der und sein Trainer Sven Christ wissen immer deutlicher, dass ihre Mannschaft bedeutender Retuschen bedarf. Die ersten drei Monate unter dem neuen Trainer zeigten weit eher, was nicht geht, als dass ein Fortschritt in die von ihm ­gewünschte Richtung dominanten Spiels zu erkennen gewesen wäre. In Aarau, an seiner alten Wirkungsstätte, war Christ so chancenlos wie noch in keinem Spiel zuvor.

Also war diese «englische» ­Woche eine glatte Enttäuschung. Nach dem 2:0 waren selbst die so gutmütigen FCW-Fans hinter dem einen Tor still. Und wenn sie irgendwann auf die neue Tabelle schauten, werden sie sich gesagt haben: Der eine oder andere Punkt muss schon noch her. Sonst wird das letzte Viertel plötzlich doch noch spannend.

Erstellt: 11.04.2016, 09:27 Uhr

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