Challenge League

Der FCW liefert die nächste Enttäuschung

Drei Niederlagen und ein Unentschieden – das ist nach vier Spielen die Bilanz des FCW gegen den Aufsteiger Rapperswil-Jona. Beim 1:3 auf dem Grünfeld lieferten die Winterthurer eine nächste enttäuschende Vorstellung. Danach hat Rapperswil 46 Punkte und Platz 2 im Blick, der FCW nur 21.

Egzon Shabani (rechts) erzielte mit diesem Schuss das 1:0 für Rapperswil-Jona.

Egzon Shabani (rechts) erzielte mit diesem Schuss das 1:0 für Rapperswil-Jona. Bild: Michael Trost

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Für die Rapperswiler und ihren Trainer Urs Meier wars ein nächster Auftritt, mit dem sie zufrieden sein konnten. Die Leistung war solide, das Resultat gut. Aus elf Frühjahrsspielen haben sie nun 23 Punkte geholt – das ist ein Ausweis von Konstanz, von welcher der FCW dieser Tage und Wochen nur träumt.

Die individuellen Patzer

Die Rapperswiler spielten gewiss nicht spektakulär. Es gab lange Phasen, in denen der FCW durchaus mit ihnen mithielt. Aber sie spielten einfach stilsicherer, geschlossener und – dies vor allem – fehlerärmer als der Gegner. «Es sind immer wieder individuelle Patzer, die uns in Schwierigkeiten bringen», sagte Oliver Kaiser, der Leiter Sport, hinterher. Und Livio Bordoli, sein Trainer, bemängelte gar den Einsatz des einen oder andern, zumindest in der ersten Halbzeit. Es entschlüpfte dem Tessiner gar das Wort «Frechheit». Einer fiel in der Tat besonders negativ auf: Kwadwo Duah spielte nicht nur schlecht, sondern auch zu wenig lauffreudig, mithin zu wenig einsatzvoll. Ihn liess Bordoli schon bei Halbzeit in der Kabine.

Dabei waren die Winterthurer nach 45 Minuten wenigstens nicht in Rückstand. Sie hatten nach 25 Minuten das 0:1 kassiert, als ein Ball Egzon Shabanis aus rund 20 Metern praktisch mitten aufs Tor unter die Latte – aber eben von Denis Markaj und Jordi Lopez abgelenkt, was den Torhüter Matthias Minder irritierte. Schon im Gegenzug stands 1:1, nach einem guten Angriffszug, der mit einem Flankenball Kofi Schulz‘ auf Luca Radice endete – und Radice lenkte den Ball ins Tor.

Zu kompliziert, zu schöngeistig

Trotz des positiven Resultats war schon da festzustellen, dass der FCW ein weiteres Mal nicht die für Ruhe und Klarheit in seinem Spiel erforderliche Passsicherheit erreichte. Es war geradezu nervig zu sehen, wie viele Fehlzuspiele ihm unterliefen – auch deshalb, weil immer zu kompliziert, zu schöngeistig gespielt wurde.

In der zweiten Halbzeit erschien Kreso Ljubicic im zentralen Mittelfeld, erstmals an der Seite Ousmane Doumbias. Dafür übernahm Karim Gazzetta eine offensivere Rolle. Es folgte eine Viertelstunde, nach der man zu glauben meinte, der FCW habe das Spiel einigermassen im Griff. Aber dann folgte eben, was verhängnisvoll ist: Schwache Abwehrarbeit, die der Gegner ausnützt und wieder in Führung geht. Diesmal erlaubte es Markaj dem Gegner Shabani, ungehindert zu flanken. In der Mitte reagierte Aldin Turkes am schnellsten und erzielte aus wenigen Metern das 2:1.

Danach sprach wieder sehr viel, wenn nicht alles, für die Rapperswiler. Denen genügte nun, möglichst keine Fehler zu begehen. Das gelang ihnen, denn es war bis zum Schluss nicht mehr davon zu reden, der FCW habe sich auch nur eine klare Torchance herausgespielt, der Torhüter Diego Yanz sei auch nur einmal nur einer schwierigen Parade gezwungen worden. Am ehesten galt das noch für einen Weitschuss Ljubicics, den Yanz unter der Latte hervorholte. Zu diesem Zeitpunkt aber war die Entscheidung schon gefallen, durch das 3:1 Valon Fazlius in der 81. Minute.

Minders nächstes «faules Ei»

Und dieses Tor war besonders bezeichnend für die aktuelle Lage des FCW. Das Heimspiel gegen den FC Schaffhausen hatte er nicht zuletzt wegen Patzern des Torhüters Minder verloren. Der stand nun unter besonderer Beobachtung, auch des Trainers. Und nun leistete sich Minder wieder einen Bock, der ihn am Donnerstag im Heimspiel gegen den FC Wohlen den Platz im Tor kosten könnte, wenn nicht müsste – zum ersten Mal, seit er im vergangenen Sommer die Nachfolge des zu den Young Boys zurückgekehrten David von Ballmoos als Nummer 1 antreten durfte. Denn Minder rutschte ein Freistossball, den Fazliu aus sehr spitzem Winkel Richtung vordere Torecke getreten hatte, unter dem Körper hindurch über die Linie. Es war eines dieser „faulen Eier“ wie sie der Alptraum jedes Torhüters sind. Da spielte auch keine Rolle mehr, dass Minder nichts dafür konnte, wie dieser Freistoss zustande gekommen war – durch eine übereifrige Aktion von Kofi Schulz, die von der Schiedsrichterin mit einem Pfiff bestraft wurde.

Schulz war da, weil Markaj gegen Angreifer Luka Sliskovic ausgewechselt worden war, nicht mehr rechter Flügelmann, sondern linker Aussenverteidiger. Aber ob defensiv oder offensiv – auch Schulz hatte keinen guten Tag, wie so mancher anderer auch. Silvio beispielsweise, der sich immerhin stets bemühte, lieferte vor allem eine schwache erste Halbzeit. Radice schoss zwar das Tor, war aber nie richtig im Spiel, zu wenig klar im Ausdruck. Auch Doumbia, der ebenfalls ausgetauscht wurde, machte einen Match, der deutlich unter seinem Niveau war.

Eigentlich kann man nur einen herausheben, von einem sagen, er habe einen guten Match gespielt. Das war Karim Gazzetta. Passabel war die Halbzeit Ljubicics, ordentlich spielte noch der jüngste der Verteidiger, Gabriel Isik. Aber in eigentlich jedem andern Fall kann (vielmehr muss) sich Bordoli überlegen, welche Alternativen er am Donnerstag gegen Wohlen sieht.

Rapperswiler «Luxusprobleme»

Leistungen, wie er gestern in der Fremde geboten hat, sollte der FCW vor eigenem Publikum tunlichst vermeiden. So oder so ist zu sagen, wer – bei allem Respekt vor dem FC Rapperswil – gegen diese Mannschaft aus vier Spielen nur einen Punkt holt, der hat ein grösseres Problem. Die Rapperswiler erreichten das, weil sie kämpfen, einfach spielen und sich – dies vor allem – nicht überschätzen. Sie haben jetzt allerdings ein Problem: «Wir fiebern doch mit den Eishockeyanern mit», sagt Trainer Urs Meier. «Am Donnerstag spielen sie wieder hier – und wir müssen nach Vaduz …» Beim FCW hätten sie gerne solchen Gesprächsstoff. Ein «Luxusproblem» würde es Andreas Mösli nennen, sein Geschäftsführer.

Erstellt: 16.04.2018, 23:41 Uhr

Challenge League

FC Rapperswil-Jona – FC Winterthur 3:1 (1:1)

Grünfeld. – 1000 Zuschauer. – SR Esther Staubli. – Tore: 25. Shabani 1:0. 26. Radice 1:1. 61. Turkes :1. 81. Fazliu 3:1. – Rapperswil: Yanz; Kleiber, Sülüngöz, Simani, Elmer; Nater; Shabani, Rohrbach, Fazliu (88. Jaggy), Zenuni (76. Julio Teixeira); Turkes (90. Gabriel Falciano). – FCW: Minder; Stettler, Isik, Lopez, Markaj (65. Sliskovic); Doumbia (74. Saliji), Gazzetta; Schulz, Radice, Duah (46. Ljubicic); Silvio. – Bemerkungen: Rapperswil ohne Kllokoqi, Carlos Da Silva, Kubli, Salanovic und Mustafi (verletzt). – FCW ohne Katz, Roth, Sutter (verletzt), Lanza und Nsumbu (nicht im Aufgebot); Ljubicic nach seiner Einwechslung im defensiven, Gazzetta offensiv im Mittelfeld; Sliskovic nach seiner Einwechslung rechter Flügelmann, Schulz Linksverteidiger. – Verwarnungen: 19. Zenuni (Foul). 36.Gazzetta (Foul). 56. Fazliu (Foul). 67. Elmer (Foul).

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