Challenge League

Der FCW schlägt sich gleich selbst

Wer daheim gegen den FC Wohlen zur Saison startet, hat sich einen klaren Heimsieg vorgegeben. Wer dann verliert, muss eine erste grössere Enttäuschung verarbeiten. Wie der FCW nach diesem selbst verschuldeten und entsprechend verdienten 1:3 (1:1) gegen bescheidene Freiämter.

Der Effektivste in der FCW-Offensive: Gianluca Frontino (rechts) erzielte das Tor und bereitete zwei Grosschancen vor.

Der Effektivste in der FCW-Offensive: Gianluca Frontino (rechts) erzielte das Tor und bereitete zwei Grosschancen vor. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum einen wars ein typisches Startspiel, in dem sich gerne schwertut, wer klar favorisiert war – wie das auch Neuchâtel Xamax bei seinem glückhaften 2:1 gegen Aarau und Servette bei seinem 2:2 gegen Chiasso widerfuhr. Was FCW-Trainer Umberto Romano hinterher so kommentierte: «Ich kann nicht unzufrieden sein mit der Einstellung. Die Mannschaft war immer bemüht.» Aber sie hatte eben auch Mühe, nur halbwegs so befreit aufzuspielen wie eine Woche zuvor in Freundschaft gegen den VfL Wolfsburg. Kein Zweifel, sie spürte die Erwartungen. Nicht nur Romano fand: «Sie wollte es zu gut machen» – und verkrampfte sich darob.Es war aber auch ein Spiel, in dem der FCW selbst mit vier Neuen in der Startelf Defizite zeigte, für die er schon in der Vergangenheit immer wieder zu rügen war. Erstens gilt eben auch für ihn: Wer nicht oder doch viel zu wenig aufs Tor schiesst, schiesst zu wenige Tore. Und wer, zweitens, defensiv patzt, kassiert zu viele Treffer. Dann schafft man es eben, auch mal gegen einen Gegner zu verlieren, gegen den man «eigentlich» nicht verlieren kann. Oder wie es Romano sagte: «Wir haben uns selbst geschlagen. Sie haben auf unsere Fehler gewartet – die wir dann auch gemacht haben.»

Zweimal Gegentor statt Tor

Der gesamte Spielverlauf kann auf zwei kurze, aber entscheidende Phasen konzentriert werden. Nach fünf Minuten stands 0:1 statt 1:0. Zuerst vergab Manuel Sutter die klare Chance zum 1:0, weil er so lange mit dem Abschluss zögerte, bis er nicht mehr möglich war. Es war gleichsam der «andere» Sutter als gegen Wolfsburg. Er war das personifizierte Beispiel für die Differenz zwischen Meisterschafts- und Freundschaftsspiel. Im Gegenzug auf Sutters Zaudern liessen sich die Winterthurer auskontern. Daniele Romano liess sich von Denis Markaj nicht einholen, in der Mitte war Igor Tadic Julian Roth einen Schritt voraus.

«Sie haben auf unsere Fehler gewartet – die wir dann auch gemacht haben.»Umberto Romano

Bis zur Pause hatte der FCW dank eines 23-m-Freistosses ­Gianluca Frontinos ausgeglichen, das Spiel so sicher in die Hand genommen, dass irgendwann das 2:1 doch fallen «musste». Dass der Schiedsrichter ein klares Strafraumfoul des rustikalen neuen Wohler Verteidigers Dragisa Gudelj an Frontino übersah, war das eine. Dann erinnerten die ersten Minuten der zweiten an die ersten der ersten Halbzeit: Zuerst bereitete Frontino mit Dribbling und Rückpass auf Luca Radice das 2:1 vor, das aber nicht fiel, weil Radice scheiterte. Fast im Gegenzug verlor Yang Ming-Yang im Mittelfeld den Ball, die Aargauer konnten wieder kontern. Zuerst waren sie zu dritt gegen einen, am Schluss nur noch zu zweit gegen sechs! Dennoch konnte Sandro Foschini den Flankenball Dylan Stadelmanns per Kopf ungehindert verwerten.

Es folgte dann zwar nochmals eine Reaktion des FCW. Sutter traf mit seinem Kopfball nach Frontinos Freistoss die Latte, Luka Sliskovic schoss – kaum eingewechselt – zweimal gut. Aber damit hatte Sliskovic sein Pulver auch schon verschossen, die letzten 25 Minuten des FCW wirkten zunehmend hilflos. Aus dem Mittelfeld kam nur noch wenig. Die klarsten Chancen hatten noch die Aargauer: Zuerst verhinderte Matthias Minder mit starker Parade Tadics zweites Tor – nach Mings zweitem gravierendem Ballverlust. Dann schoss Kris Kuzmanovic auf Tadics Zuspiel das 3:1, weil ihn Julian Roth zu leicht davonziehen liess.

Foschini und Kuzmanovic ...

Es passte ja zu diesem Tag: ­Foschini, der Winterthurer des FC Wohlen, schoss ein Tor – und erst noch mit dem Kopf, womöglich eine Premiere. Es war jedenfalls sein erstes für Wohlen. Und Kris Kuzmanovic, lange Jahre beim FCW, im Frühjahr noch als erfolgreicher Nothelfer in der U21, brauchte nur zehn Minuten, um ebenfalls zu treffen. Im FCW-Nachwuchs hatte er drei Tore beigetragen. Sein letztes in der Football League war, noch für den FCW, eines zu einem 2:2 in Biel in der letzten Runde 2014 gewesen, im letzten Spiel seines Vaters Boro als Cheftrainer. Wesentlich normaler war, dass Tadic den FCW ärgerte. Er hat schon in den vergangenen drei Saisons, trotz monatelanger Pause wegen eines Kreuzbandrisses, pro Jahr zwei vorwiegend entscheidende Tore gegen den FCW gemacht, mehrheitlich für Schaffhausen, im Frühjahr auch für Wohlen.

Yangs folgenschwere Patzer

Ihretwegen konnten die Wohler einen Überraschungssieg bejubeln, der sie nicht annähernd als Mannschaft erkennen liess, die nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Aber als eine, die kämpfte und ihre unverhoffte Chance nutzte. Beim FCW stellt sich die Frage, was grundsätzlich ein Problem sein könnte, was womöglich nur an diesem Tag eines war. Denn es kann ja schon bald anders aussehen, wenn Jordi Lopez den Abwehrchef gibt, Kreso Ljubicic von seinem Zehenbruch genesen ist und ein weiterer Stürmer im Kader steht, ein Nachfolger für Silvio. Es sei denn, der heisse – wider Erwarten – Silvio ...

Zu den samstäglichen Einzelleistungen ist anzumerken: Lopez fehlte kurzfristig, weil ihn nach dem Freitagstraining wieder Adduktorenbeschwerden plagten. Ihn vertrat Roth, der lange Zeit gut spielte, gegen Schluss aber deutlich nachliess. Guillaume Katz war der Mittelmann in der Dreierkette, und er war gut. Markaj war solide, mal abgesehen vom ersten Gegentor. Im zentralen Mittelfeld begann das Duo Karim Gazzetta/Yang Ming-Yang gut, Yang lieferte mit seiner Bereitschaft, viel zu laufen, erste Hinweise, ein Publikumsliebling zu werden. Allein, es waren auch seine Defizite zu sehen. Zu oft wollte er zu viel, verpasste er deshalb den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel – und leistete damit die entscheidende Vorarbeit zum 1:2 und zur zweitletzten grossen Chance Wohlens. Umberto Romano nahm ihn, der nach seinen Fehlern am Boden zerstört wirkte, richtigerweise vom Platz, später auch Gazzetta. Ohne sie wurde das Mittelfeld allerdings nicht besser.

Schon ein bisschen mehr Druck

Die beiden Aussenläufer waren nicht schlecht, aber lieferten auch nicht die erhofften Impulse. Nicolas Stettler war zu diskret, Luca Radice verlor, je länger das Spiel dauerte, je mehr die Geduld und schob sich zu oft in die Mitte, statt über die Flanken zu kommen. Auch deshalb hatte der FCW, je länger das Ganze dauerte, desto weniger Breite in seinem Spiel. Vom Offensivtrio war Frontino der wirkungsvollste, mit seinem Tor, seiner Vorbereitung von Radices Chance und Sutters Lattenköpfler. Sutter war einfach wieder mal zu wenig durchsetzungsfähig. Kwadwo Duah konnte seine Schnelligkeit gegen diesen Gegner kaum je ausnutzen, denn die Wohler waren – siehe Spielverlauf – nie dazu gezwungen, Räume freizugeben. Wer eingewechselt wurde, war diesmal keine Hilfe.


«Wir müssen einfach die Lehren ziehen»
Umberto Romano

«Wir müssen einfach die Lehren ziehen», sagte Umberto Romano noch. Beispielsweise jene, sich in Zweikämpfen dezidierter einzusetzen und auch einfacher zu spielen, um die Fehlerquote zu minimieren. «Manchmal waren wir aber auch einfach zu wenig clever», sagte er noch. Aufgrund eines einzigen Spiels eine ganze Saison hochrechnen – das kann man auch nach dieser ersten herben Enttäuschung nicht. Dieses 1:3 kann Omen für eine schlechte Saison sein. Muss es aber nicht. Man weiss ja, der FCZ wurde 1962/63 nach einem 1:9 zum Start in Lausanne Meister. Der FC Basel 2001/02 nach einem 1:8 in Sion. Was aber klar ist: Fürs nächste Spiel in Rapperswil-Jona ist der Druck auf den FCW schon mal ein bisschen grösser.

Erstellt: 23.07.2017, 21:40 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – FC Wohlen 1:3 (1:1)
Schützenwiese. – 2800 Zuschauer. – SR Schnyder. – Tore: 5. Tadic 0:1. 28. Frontino 1:1. 50. Foschini 1:2. 87. Kuzmanovic 1:3. – FCW: Minder; Roth, Katz, Markaj; Stettler, Yang (70. Huser), Gazzetta (78. Krasniqi), Radice; Frontino; Duah, Sutter (62. Sliskovic). – Wohlen: Tahiraj; Elvedi, Hajrovic, Gudelj; Stadelmann, Seferi (65. Bicvic), Foschini, Kleiner; Schultz; Romano (80. Kuzmanovic), Tadic (88. Sulejmani). – Bemerkungen: FCW ohne Lopez, Ljubicic (verletzt) und Silvio (nicht im Aufgebot); Challenge-Debüt von Robin Huser (19); Krasniqi nach seiner Einwechslung Sturmspitze. – Wohlen ohne Pacar (verletzt); Challenge-League-Debüts von Dragisa Gudelj (19) und Shpetim Sulejmani (22). – 53. Kopfball Sutters an die Latte. – Verwarnung: 35. Stadelmann (Unsportlichkeit).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles