Fussball

Der FCW schon wieder in Zugzwang

Der FCW empfängt am Sonntag den unangenehmen Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy, der zuletzt die grossen Grasshoppers zum Trainerwechsel zwang. Fürs Verbleiben in der oberen Tabellenhälfte braucht der FCW einen Sieg.

Stade Lausanne-Ouchy hat auf der Schützenwiese schon einmal gejubelt: Im Dezember gewann der Aufsteiger 2:1.

Stade Lausanne-Ouchy hat auf der Schützenwiese schon einmal gejubelt: Im Dezember gewann der Aufsteiger 2:1. Bild: Heinz Diener

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Die Ausgangslage muss den Fussballern des FCW sehr bekannt vorkommen: Wie vor zwei Wochen, als der Tabellenletzte aus Chiasso auf die Schützenwiese kam und die Winterthurer zuvor mit dem 0:0 in Kriens verpasst hatten, sich dem Barrageplatz anzunähern, stehen sie vor dem Gastspiel des Aufsteigers Stade Lausanne-Ouchy unter starkem Erfolgszwang. Eingebrockt haben sie sich dies mit der so vermeidbaren wie wegen des Gegentores in letzter Minute besonders ärgerlichen Niederlage in Schaffhausen. Erfolgszwang heisst: Es geht darum, das Interesse an dieser Rückrunde aufrecht zu erhalten, also nicht definitiv dort zu verschwinden, wo das Niemandsland dieser Challenge League ist.

Es ist ja nicht so, dass die FCW-Spieler nicht selbstkritisch wären, zumindest rhetorisch. Sie wissen, «dass zu wenig war, was wir in Schaffhausen boten», wie es – im Sinne der Allgemeinheit – Captain Davide Callà formuliert. Aber sie wissen eben auch alle, dass sie im Herbst zeitweise die Resultate eines Spitzenteams boten und «dass es auch jetzt nur sieben Punkte bis zum Zweiten sind», wie es Tobias Schättin – auch er im Sinne der Allgemeinheit – sagt. Die Spieler haben also noch keineswegs damit abgeschlossen, es könnte – manche sagen: müsste – einer Mannschaft dieser Qualität zu einem Platz zumindest in der weiteren Spitze reichen. Die obere Tabellenhälfte wäre da absolutes Minimum.

Zu selbstgefällig?

Allein, fragt man sich da, warum schafft es der FCW nicht mit halbwegs nennenswerter Konstanz, diesen durchaus auch selbst formulierten Ansprüchen gerecht zu werden. Oder anders: Ist die Mannschaft nach der guten Herbst-Phase – und entgegen der Rhetorik – zu selbstgefällig geworden? Ist sie nicht mehr bereit, stets so zu arbeiten wie damals, so kampfstark, dass es nicht nur zu Coups im Cup gegen St. Gallen und Thun, zu Punktgewinnen in der Liga in Lausanne und gegen GC, aber auch zu «Pflichtsiegen» vor eigenem Publikum gegen Chiasso, Schaffhausen und Vaduz reichte? Wiederholt sich da die Geschichte des vergangenen Jahres, als die Mannschaft nach einer starken Vorrunde nicht mehr dasselbe Gesicht der harten Arbeiter zeigte? Einzig mit dem Unterschied, dass die Schwächephase diesmal noch vor der Winterpause einsetzte, mit den Niederlagen gegen Stade Lausanne-Ouchy (1:2) zuhause und in Wil (0:4). Die eine war besonders unerwartet, die andere besonders hoch.

Der «eklige» Gegner

«Wir müssten», sagt Granit Lekaj eben mit Blick auf die sieben Punkte Rückstand auf Platz 2, «jetzt mal eine kleine Serie hinlegen.» Fakt ist ja auch: Die kollektive Laufleistung gegen Schaffhausen war gar etwas besser als beim Sieg gegen Chiasso, aber die Körpersprache eine deutlich andere. Der FCW war im Herblingertal wieder mal nicht, was konstante Mannschaften zumal in dieser Liga der Arbeiter prägt: Er war nicht eklig, nicht wirklich unangenehm, zu sehr Aufs Spielerische bedacht.

Und morgen kommt mit Stade Lausanne-Ouchy der «kleinste» Namen der Liga, auf den diese Qualitäten besonders zutreffen, jedenfalls oft. SLO tritt an mit der Referenz, mit einem 4:1-Sieg soeben die Entlassung des Trainers des Grossklubs GC provoziert zu haben. Sechster ist SLO, nur eine Länge hinter dem … FCW, aber 14 vor Chiasso, was dem Klassenerhalt praktisch schon gleichzusetzen ist. Dann würden die Lausanner, das wurde dieser Tage bekannt, nicht mehr in der Trostlosigkeit des Stade de Colovray in Nyon spielen, sondern auf der heimischen Pontaise. Zum einen bestätigten die Waadtländer zuletzt gegen GC (und im Dezember auf der Schützenwiese) wofür sie stehen: Für sehr harte Arbeit. Kein Meter, kein harter Zweikampf ist ihnen, vor allem ihren Exponenten im Mittelfeld, zu viel. Aber sie haben auch vorne ihre Qualitäten. Der 24-jährige Franzose Yanis Lahiouel schoss in den letzten sieben Spielen sechs Tore. Karim Gazzetta (25), nach knapp drei Jahren beim FCW zurück in der Romandie, ist mit fünf Toren und vier Assists als «Zehner» bester Skorer. Nach monatelanger Verletzungspause ist auch der Belgier Andrea Mutombo wieder bereit – ein 29-Jähriger mit Erstliga-Erfahrung in Schottland, Belgien und Kroatien.

SLO kann also den FCW überholen und in die zweite Tabellenhälfte stossen. So gut die Lage der Lausanner Nummer 1 ist, so auffallend ist, welches Auf und Ab ihr zugrunde liegt: Zuerst 4 Spiele/1 Punkt, dann 5/13, dann 7/1 und zuletzt wieder 5/12. Also war SLO nach vier Runden Letzter, nach neun Vierter auf der Höhe des FCW, nach 16 Achter mit nur noch vier Längen Vorsprung auf Chiasso – und jetzt Siebter wieder gleichauf mit dem FCW.

Das wäre zum FCW dieser Tage auch noch zu sagen:

Von Pepsi bis Padula. Der Kosovare Gezim Pepsi (21), am Dienstag definitiv vom FC Basel übernommener zentraler Mittelfeldspieler, dürfte nach fünf Trainingstagen gegen SLO erstmals im FCW-Kader stehen. Viermal trainierte auch der Verteidiger Guillermo Padula (22) mit, ein Uruguayer, der auch einen italienischen Pass hat und 2019 zuerst bei Mendrisio, dann in Bellinzona wirkte. Sein Gastspiel wurde gestern beendet. Es hatte keinen Anlass geliefert, an eine Verpflichtung zu denken.

Doumbia wieder «Sechser». FCW-Trainer Ralf Loose wird seine Mannschaft umstellen. Klar ist, dass Ousmane Doumbia nicht mehr, wie in Schaffhausen, den Rechtsverteidiger geben muss – er kehrt zurück auf «die Sechs». Offen ist danach, wer die rechte Abwehrseite besetzt. Es gibt diverse Varianten, Nils von Niederhäusern, Valon Hamdiu, vielleicht Julian Roth. Als Loose in Kriens und gegen Chiasso eine Dreierabwehr wählte, fand sich Callà in der Rolle des rechten Aussenläufers. Nicht zum Kader gehört weiterhin Martin Liechti. Er ist krank gemeldet.

Die Lizenz. Womit sich der FCW dieser Tage auch zu beschäftigen hat: Mit der Eingabe der Unterlagen für die Lizenz der Saison 2020/21. Eingereicht werden muss sie bis zum 2. März, und der FCW hat sich – auch um ein sportliches Signal zu senden – wie erwartet entschieden, auch eine Lizenz für die Super League zu beantragen. Da wird man dann auch – etwa mit Blick auf die Bereiche Stadion und damit Stadt – sehen, welche Schlüsse dort gezogen wurden aus dem Begehren um eine Lizenz vor einem Jahr. Dem war kein Erfolg beschieden, weil die Schützenwiese (noch) nicht genügte. Die Lizenz für die Challenge League wird der FCW sicher erhalten.

Erstellt: 14.02.2020, 20:06 Uhr

Challenge League

FCW - Stade Lausanne-Ouchy. Schützenwiese, Sonntag, 15 Uhr.

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