Fussball

Der FCW und die Frage nach der Effizienz

Der FCW ist unbestritten eine offensiv stark besetzte Mannschaft – und dennoch schiesst er weniger Tore als die meisten anderen Clubs der Challenge League. Das ist nach vier sieglosen Spielen offensichtlich.

Luka Sliskovic (hier am Freitag nach seinem 1:0 in Aarau) ist mit sieben Toren Topskorer des FCW, hat aber in elf Pflichtspielen seit Ende August nur noch zweimal getroffen.

Luka Sliskovic (hier am Freitag nach seinem 1:0 in Aarau) ist mit sieben Toren Topskorer des FCW, hat aber in elf Pflichtspielen seit Ende August nur noch zweimal getroffen. Bild: Marc Schumacher (freshfocus)

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Leader Lausanne siegte in Kriens 2:1, nicht mühelos, aber immerhin. Die Grasshoppers, die Nummer 2 der Liga, kehrten mit einem 1:0 gegen Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy aus Nyon heim. Ohne klaren Torhüterfehler hätten sie das nicht geschafft. Hinter den beiden Favoriten wurde unentschieden gespielt, von Aarau und dem FCW im Brügglifeld, aber auch von Wil mit einem späten 1:1 gegen zehn Schaffhauser. Es war also eine Runde für die «Grossen», ohne dass sie überzeugt hätten.

Das 2:2 des FCW in einem interessanten Spiel war grundsätzlich eine absolut befriedigende Leistung, eine gute Reaktion aufs Heim-0:2 gegen Kriens. Als Vierter, gleichauf mit dem Dritten, stehen die Winterthurer auch, wo man sie rangmässig erwarten darf, was auch in der Mannschaft – mindestens – so gesehen wird. Allein, die sechs Punkte Rückstand auf GC auf dem Barrageplatz sind etwas viel. Gar schon sehr viel sind die zehn Punkte, die den Aarauern dorthin fehlen. Denn sie wollen es erklärtermassen weiter bringen als der FCW, Platz 2 ist ihr Ziel. Aber bei aktueller Bestandesaufnahme ist zu sagen: Realistisch ist das mit dieser Mannschaft nicht. Sie ist auch weniger gut als jene des FCW.

Die enge «Spezialtabelle»

Wie eng es einerseits ist zwischen GC, FCW und Aarau, zeigen die Direktbegegnungen: Der FCW spielte gegen Zürcher und Aargauer je zweimal unentschieden – und beide Spiele gegen Aarau hätten mit Sieg enden müssen; Aarau – GC endete in Zürich mit einem 0:0 und in Brügglifeld mit einem 1:2, über das sich die Aargauer wegen eines kapitalen Schiedsrichter-Fehlentscheids bei ihrem (vermeintlichen) 1:0 noch heute ärgern. Die kleine «Spezialtabelle» sieht so aus: 1. GC 6 Punkte; 2. FCW 4; 3. Aarau 3. Und GC gibt «eigentlich» auch genügend Punkte ab, um nicht uneinholbar zu erscheinen. Nämlich in jedem zweiten Spiel.

Und doch scheint dem FCW etwas zu fehlen, wofür – nach dem Unentschieden zuvor in Schaffhausen und gegen die Grasshoppers – die fünf Minuspunkte aus den letzten beiden Spielen stehen. Womit es eben sechs Längen statt nur eine Rückstand auf die Zürcher sind. Die Kernaussage des Trainers Ralf Loose war also diese: «Ich denke, dass wir in Aarau wie schon gegen Kriens unsere Chancen nicht genutzt haben.» Oliver Kaiser, der Leiter Sport, legte den Finger in dieselbe Wunde: «Im Moment fehlt es uns an der Effizienz.» So muss man es sehen. Gegen Kriens hätten, trotz aller Defizite der Mannschaft an jenem Tag, die vier klaren Torchancen, darunter zwei Stangenschüsse, zu einem Sieg oder zumindest einem Punkt reichen müssen. Und in Aarau hätte der FCW seine gleich fünf klaren Chancen in den ersten 25 Minuten als Basis für einen «Dreier» nutzen müssen.

Das Paradoxon um den FCW

Aber es fällt halt auf: Nur Lausanne und GC haben weniger Tore erhalten als der FCW, obwohl dieser in den letzten zwei Spielen – mit vier – wieder so viele kassierte wie davor in acht. Es haben aber auch nur SLO und Schaffhausen weniger Tore geschossen als der FCW. Das ist ein Paradoxon, ein vor allem deshalb erstaunliches Missverhältnis, weil die Winterthurer eine Mannschaft mit sehr guten Offensivspielern haben, mit so viel Qualität in der Offensive, wie sie wohl nur Lausanne übertrifft.

Aufs Individuelle heruntergebrochen ist nach den jüngsten Punktverlusten zu bemerken: Luka Sliskovic, mit sieben Toren Topskorer und in Aarau Schütze des 1:0, hat in elf Pflichtspielen seit Ende August nur noch zweimal getroffen – und hätte in Aarau nochmals treffen müssen. Roman Buess, in Aarau Schütze des 2:1, bestätigte eine Woche nach seiner krankheitsbedingten Absenz gegen Kriens seine grundsätzlich hohe Bedeutung für die Mannschaft und welch guter Transfer er ist. Aber fünf Tore in 15 Ligaspielen sind für einen seines Formats eher wenig. Oder Nuno da Silva: Seine Schnelligkeit ist ein Trumpf des FCW; er leitete in Aarau das 1:0 ein; aber ein Skorer ist er mit seinen bisher zwei Ligatoren auch nicht. Er ist überdies eher ein Spieler für 60 statt 90 Minuten. Und für Davide Callà, der als Leader unbestritten wichtig ist? Im Cup gegen Thun schoss er nach langer Verletzungspause das Siegestor, aber von einem wie ihm hätte man – zumal bei seinen Chancen – den einen oder anderen Treffer gegen Kriens und in Aarau erwarten dürfen.

Kommt hinzu, dass Ousmane Doumbia, in der vergangenen Saison sechsmal Torschütze, seither erst einmal traf. Und dass Anas Mahamid, der mehrmals als Joker etwas eingebracht hatte, wegen seiner Sperre zurzeit fehlt. Absenzen wie diese spürt der FCW. Gegen Kriens zeigten es die Beispiele von Buess, aber auch Mario Bühler; Anfang Saison jene von Callà und Sead Hajrovic. Das mindert auch sofort das Gewicht der Bank. Aber mit Absenzen wird der FCW weiterhin zu leben haben, das haben auch andere. Am nächsten Sonntag gegen SLO wird Hajrovic fehlen, nach vier Verwarnungen ist er gesperrt.

Der Einfluss der Modusfrage

Der Aufsteiger und dann Wil sind die letzten Gegner des Jahres. Es müssen schon zwei Siege sein, soll die Vorrundenbilanz als – nach Punkten – gut gelten. Den Schnitt von 16 Punkten pro Viertel, wie ihn der FCW in der vergangenen Saison erreichte und dann auch im ersten Quartal der neuen, ist mit bestenfalls 30 Zählern nicht mehr zu halten. Aber auch zu den 31 Halbzeitpunkten von 2018 wird – mindestens – einer fehlen. Die Grösse des Rückstands könnte sich auch auswirken, wenn beraten wird, was in diesem Winter personell zu unternehmen ist, wie weit der Blick allenfalls noch Richtung Barrage (und damit Super League) gerichtet werden darf. Dass man in der Winterpause noch nicht weiss, ob in der neuen Saison nach einer Modusänderung zu einer Zwölferliga zwei Challenge-League-Teams mehr aufsteigen können, ist natürlich ein Handicap.

Was man auf jeden Fall feststellen wird: Die Lücke zur Spitze werden in erster Linie die sechs Punkte sein, die gegen Kriens abgegeben wurden, mit den zwei – bisher – ärgerlichsten Niederlagen der Saison.

Erstellt: 01.12.2019, 20:35 Uhr

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