Challenge League

Der Kampf ums bessere Ende

Der Sieger des Derbys Wil – Winterthur morgen Sonntag überwintert in der oberen Tabellenhälfte. Der Verlierer beendet eine Vorrunde, die zeitweise deutlich mehr versprach, enttäuschend.

Für Ralf Loose und sein Team geht es auch noch darum, sich für die Heimniederlage gegen Stade Lausanne-Ouchy zu rehabilitieren.

Für Ralf Loose und sein Team geht es auch noch darum, sich für die Heimniederlage gegen Stade Lausanne-Ouchy zu rehabilitieren. Bild: Freshfocus

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Am 26. Oktober gewann der FCW im Stil des auch an schwächeren Tagen einigermassen stilsicheren Favoriten das Heimspiel gegen den Tabellenletzten aus Chiasso 2:1. Tags darauf zog Nachbar Wil mit einem 3:0 gegen den FC Aarau nach. Die Wiler behaupteten sich damit auf Platz 2, noch knapp vor GC; der FCW war Vierter, nur einen weiteren Punkt dahinter. Beide Clubs konnten sich also auf gutem Weg fühlen. Die Winterthurer hoben die Stimmung ein paar Tage später mit dem 1:0 gegen Thun und der Qualifikation für die Cup-Viertelfinals gar noch an.

Aber seither verblasste die Herrlichkeit allmählich: Die Wiler holten aus fünf Spielen noch einen Punkt – und das bei 5:16 Toren. Der FCW gewann auch nicht mehr, spielte immerhin noch dreimal unentschieden. Aber nun sind die beiden Teams punktgleich auf den Rängen 5 und 6, die Spitzenclubs haben sich deutlich entfernt. Es droht ein Frühjahr zwischen Gut und Böse. Dem FCW winkt immerhin noch der gewichtige Bonus eines Cup-Halbfinals – wofür es Anfang März einen Heimsieg gegen den FC Bavois braucht.

Gemeiner Mittelfeldclub?

Aber es ist, man wiederholt sich, halt doch ein markanter Unterschied, ob der FCW seine Vorrunde mit null oder mit sechs Punkten aus den letzten beiden Spielen beendet. Die sechs Punkte sind nach dem 1:2 gegen Stade Lausanne-Ouchy nicht mehr zu schaffen, die Null droht dagegen. Dann wäre der FCW eben ein ziemlich gemeiner Mittelfeldclub statt einer, der seinen Blick mehr als nur ganz diskret auf den Barrageplatz wenden kann.

Die Winterthurer haben ihre schwächste Leistung und ihre schwerste Niederlage hinter sich. Aktionismus kam danach auf der Schützenwiese nicht auf. Das entspräche auch nicht dem Verständnis des Leiters Sport Oliver Kaiser und des Trainers Ralf Loose, wie sie ihr Amt ausfüllen wollen. Das ändert natürlich nichts daran, wie dieses Ergebnis zu werten ist: als gravierender Rückschlag, als unerklärliche (Einzel-)Leistung. Also sagt Kaiser: «Einen Tag länger als normale Niederlagen spürte man diese doch.» Loose, der mit seiner Erfahrung besser als manch anderer um die immer wieder unwägbaren Ergebnisse des Fussballs weiss, weist darauf hin, «dass an diesem Wochenende Lausanne daheim gegen Vaduz verlor» – sich also auch der in den vorangegangenen Wochen so souveräne Leader vor eigenem Publikum blossstellte. Und schon mit Blick auf den Match morgen sagt der Trainer aus Dortmund noch: «Wir haben wirklich schlecht gespielt, aber es gehört zum Charakter dieser Mannschaft, dass sie auf Niederlagen noch immer gut reagiert hat.» Das stimmt in der Tat. Auf die ersten vier Niederlagen folgten drei Siege und ein Unentschieden, drei Tage nach dem 0:3 im Hinspiel gegen Wil kam der FCW mit einem 2:0 aus Chiasso heim. Jetzt steht er zum fünften Mal vor der Anforderung, «eine Reaktion zeigen zu müssen», wie es im Jargon formuliert wird.

Dazu werden auch Umstellungen zählen: Abwehrchef Sead Hajrovic ist zurück; dafür sind «Sechser» Granit Lekaj und Sturmspitze Roman Buess gesperrt. Die Abwehr wird also in Bestbesetzung antreten können, weiter vorne sind Änderungen vorzunehmen. Und da wird sich beispielsweise erkennen lassen, was Loose Gjelbrim Taipi zutraut, der als «Sechser» Anfang Saison nicht brachte, was erhofft wurde. Manche trauen ihm die Rolle des «Zehners» zu, aber auch zu scheint der Trainer nicht zu gehören … Immerhin, als Taipi zuletzt als «Sechser» wirkte, punktete der FCW in Schaffhausen. Für eine offensive Rolle kommen auch Altmeister Luca Radice und Jungfuchs Rijad Saliji infrage. Aber man könnte auch an einen ersten Einsatz des Israelis Mido Bdarney in der Startelf denken. Mindestens so wichtig ist, dass die gewichtigsten Stützen wie Davide Callà und Ousmane Doumbia besser spielen als zuletzt, vor allem eben als gegen SLO.

330 Franken Gewinn

Die Wiler waren während zwei Dritteln der Vorrunde besser als erwartet, seither aber schwächer. Ein guter Mittelfeldplatz scheint die realistische Aussicht zu sein. Ihre beste Leistung boten sie zweifellos beim 3:0 auf der Schützenwiese, als sie die Winterthurer beherrschten wie noch kaum einmal. Einer der Männer des Tages war damals, als Schütze des vorentscheidenden 2:0, der Aussenläufer Fabian Rohner. Ihn kann Trainer Ciri Sforza heute nach einer Verletzung wieder aufstellen. In den (Jugend-)Plänen der Wiler spielt übrigens seit gut einer Woche Torhüter Zivko Kostadinovic keine Rolle mehr. Er war – bis zu einem Platzverweis im Spiel gegen Chiasso Anfang November – unbestritten die Nummer 1. Dann wurde Anthony Mossi (25), bis im Sommer in Chiasso, dann arbeitslos, verpflichtet. Der ist nun die erste Wahl. Kostadinovic erhielt den Bescheid, man plane nicht mehr mit ihm; er könne vor Ablauf seines Vertrags im Sommer einen neuen Club suchen.

Fakt ist überdies, dass die Wiler in der Rechnung fürs Jahr 2018/19 einen Gewinn von 330 Franken auswiesen – aber nur wegen eines Gönnerzuschusses von einer Million Franken. Die Wiler haben auch noch immer, mit einem «strukturellen Defizit» als Spätfolge der «Türken-Zeit», mit ihrer Liquidität Mühe. Noch immer sind lukrative Spielerverträge von damals zu erfüllen. Dennoch sagen sie, die Lizenz auch für die nächste Saison sei gesichert. Und schöner wäre natürlich eine Winterpause – nach einem Sieg morgen – mit 27 Punkten und nur sechs hinter GC … Das gälte auf den Zähler genau auch für den FCW. Für Optimisten wäre das dann eine Differenz, die sich auf diese Grasshoppers doch wettmachen liesse.

Erstellt: 13.12.2019, 23:28 Uhr

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