Challenge League

Der nächste Kampf, mit den Romands mitzuhalten

Vom Heimspiel gegen den FC Aarau sind massgebliche Hinweise zu erwarten, ob sich der FCW auf Dauer als Spitzenteam der Challenge League sehen darf.

Nachdem seine Mannschaft zum Saisonstart gleich sechs Spiele in Folge verloren hatte, gelang es Aaraus Trainer Patrick Rahmen, die Wende herbeizuführen. Foto: Keystone

Nachdem seine Mannschaft zum Saisonstart gleich sechs Spiele in Folge verloren hatte, gelang es Aaraus Trainer Patrick Rahmen, die Wende herbeizuführen. Foto: Keystone

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Es ist das nächste Schlüsselspiel für den FCW, die nächste Etappe im Kampf, mit den Romands an der Spitze mitzuhalten. In einer Woche folgt das nächste, das schwierigste, in Genf gegen Leader Servette. Als Dritter, nur einen Punkt hinter Lausanne, ist der FCW gemäss Tabelle nach immerhin zwei Dritteln der Saison ein Spitzenteam. Allein, zuletzt wechselten sich die Eindrücke ab – zwischen dem einer Mannschaft, die daheim gegen Vaduz (3:0), Rapperswil-Jona (2:0) und vor allem gegen Lausanne (1:1) auftrat wie eine, die man durchaus am Saisonende in der Barrage sehen kann. Und einer, die zu Rückrundenbeginn in Kriens (0:2) und vor einer Woche gegen zehn Wiler (0:1) nicht annähernd die Reife, Effizienz und Wettkampfhärte eines Aufstiegskandidaten zeigte.

Loose: Mangel an Effizienz

Der Auftritt in Wil war ärgerlich unbefriedigend. Trainer Ralf Loose hat die Mannschaft schon am Tag danach deutlich darauf hingewiesen. Denn es ist ja auch so: Es sind die Spieler selbst, die in der Tabelle zur Spitze blinzeln, die sich zutrauen, gut genug für Platz 2 zu sein. Loose störte sich vor allem daran, «dass wir in Wil – und dies keineswegs zum ersten Mal – in allen Statistiken besser abschnitten». Nur nicht in der allein entscheidenden, der Zahl an Toren. Dafür gab es eben immer wieder Szenen in einem Strafraum, die massgeblich für den Spielausgang waren: Der Bock Granit Lekajs beim Führungstor Chiassos, das allzu zögerlich geführte und deshalb verlorene Kopfballduell Tobias Schättins vor Wils Siegestor. Loose stellte auch fest, dass mancher Gegner in diesem Frühjahr mit «weniger Aufwand, aber mehr Effizienz im Abschluss» mehr oder doch wenigstens gleich viel erreichte wie seine Fussballer.

Man könnte auch sagen, die beiden Niederlagen 2019 seien mit den Absenzen Remo Arnolds zusammengefallen: In Kriens war er gesperrt, in Wil fiel er nach kurzer Zeit mit einer Knieverletzung aus. Natürlich wäre es zu kurz gegriffen, eine Niederlage so zu erklären. Aber Fakt ist, dass das zentrale Mittelfeld, das Herzstück des Teams, mit Arnold eindeutig besser funktioniert als ohne ihn, den Mannschaftsspieler schlechthin. Es ist also eine gute Nachricht, dass der Luzerner Leihspieler gegen Aarau wieder fit ist. Schon bald nach dem Match in Wil war klar, dass es nichts war mit dem zuerst befürchteten Kreuzbandschaden. Inzwischen ist auch die Kapselüberdehnung abgeklungen, die dann diagnostiziert wurde.

Zwei Aarauer Teams

Von gar höchst verschiedenen Eindrücken ist vom FC Aarau zu berichten. Man ist versucht zu sagen, es seien in dieser Saison bisher zwei verschiedene Mannschaften im Aarauer Trikot aufgetreten: Zuerst eine, die ihre sechs ersten Spiele allesamt verlor und auch nach elf Runden mit nur vier Pünktchen bedrohlich abgeschlagen am Tabellenende lag. Und dann eine, die aus den 13 Spielen seither 30 Punkte holte, zwischendurch eine Serie von zehn Siegen und einem Unentschieden hinlegte. Die Konsequenz: Aarau gewann aus diesen 13 Runden gleich viele Punkte wie der zunehmend souveräne Leader Servette, aber zehn mehr als Lausanne, elf mehr als der FCW.

«Wir schleppen zwar noch immer ein Handicap aus dem Fehlstart mit», sagt Aaraus Trainer Patrick Rahmen. Und es sei «schon sehr heftig gewesen, gleich die ersten sechs Spiele zu verlieren». Aber nachher habe man gesehen, «was mit diesem Kader möglich ist». Zuletzt selbst bei den Unentschieden gegen die Topteams, dem 3:3 daheim gegen Servette, dem 0:0 in Genf. Unter diesem Eindruck, so sagt Rahmen, glaube er «nicht mal, dass schon alles verloren wäre, sollten wir in Winterthur verlieren». Aber auch ihm ist klar: «Es würde schon sehr schwierig, noch Zweiter zu werden.» Die Barrage war ja zumindest das Ziel, als die Aarauer in die Saison gingen. Zwischendurch hatten sie es völlig aus ihrem Blickfeld verloren.

Dass die Wende geschafft werden konnte, ohne Trainerwechsel notabene, freut den Basler in Diensten Aaraus natürlich. «Entscheidender Punkt war, zusammenzuhalten und sich nicht selbst zu zerfleischen», sagt Rahmen. An der Basis stand nicht zuletzt die Wende im Auswärtsspiel Ende Oktober in Chiasso, als die Aarauer in der 88. und 92. Minute aus einem 1:2 ein 3:2 machten. Es wird auch geholfen haben, dass Rahmen im Lauf der Saison noch neue Spieler erhielt, wie den österreichischen Stürmer-Veteranen Stefan Maierhofer (35) und den Mittelfeldspieler Markus Neumayr (33).

Maierhofer hat es in nur 15 Spielen schon auf acht Tore und drei Assists gebracht. Er setzt seine gut zwei Meter betont ein. Was ihn nicht daran hindert, am Strafraum oder – wie zuletzt zweimal gegen Servette – auch drin leicht zu fallen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Neumayr schoss in nur sechs Spielen schon vier Tore. Als ihn jüngst Rahmen in Vaduz nicht aufstellte, «weil er wenig Spielpraxis hat und ich glaubte, es tue ihm eine Pause gut», verloren die Aarauer gleich 0:2. Es war die einzige Niederlage in eben 13 Spielen. Natürlich wurde der Trainer dafür kritisiert. Aber es zeigt eben auch, dass er eher zu viele als zu wenige valable Spieler in seinem Kader hat. Einem Aufgebot, das in der Tat das eines absoluten Spitzenteams sein müsste.

Frontinos Zukunftspläne

Eine im Verhältnis zum Können, das ihm zumindest nachgesagt wird, relativ bescheidene Rolle spielt in diesem Kreis Gianluca Frontino (29). Er wechselte im Spätsommer 2017 vom FCW aufs Brügglifeld, im Sommer 2018 machte ihn Rahmen zum Captain, seither aber wurde er nur noch siebenmal eingesetzt. So oft war er verletzt, dass er es in dieser Saison erst auf drei Spiele über 90 Minuten brachte und noch nicht auf einen Skorerpunkt. Das wird auch dazu beigetragen haben, dass der Schaffhauser am Saisonende seine Karriere als Profi beendet und Spieler-Trainer beim Zweitligisten FC Diessenhofen wird. Dort spielt schon sein Bruder Gennaro. Daneben tritt er eine Arbeitsstelle bei einer Versicherung an. Schon mal, als er nach jungen Jahren bei GC, in Lecce und beim FCS bei der kleinen Schaffhauser «Spielvi» gelandet war, trat er bei einer Versicherung auf. Bald aber, nach der Rückkehr zum FC Schaffhausen, startete er seine Karriere neu. Mit den Höhepunkten zweier Aufstiege mit dem FCS, einem Super-League-Gastspiel in Thun, aber auch dem Gesamteindruck, es habe da einer aus seinem Talent zu wenig gemacht.

Morgen kommt er nochmals mit einem Gast auf die «Schützi». Mit dem doch noch in die Barrage und dann gar in die Super League zu kommen, ist sein letztes Ziel als Profi. Man kann es kurz zusammenfassen: Verlieren die Aarauer morgen, kann Frontino wohl nicht als Barragist oder gar Aufsteiger abgehen. Ein Sieg gegen den FCW hätte aber auch aus Sicht des Statistikers seine Bedeutung: Der FCW ist – nach einem 3:1 auf der Schützi und einem 3:2 auf dem Brügglifeld – die einzige Mannschaft, gegen die der FC Aarau noch nicht punktete. Als er zu seiner Siegesserie startete, war er gegen den FCW schon zweimal gescheitert. Es fehlt den Aarauern überhaupt ein Sieg gegen einen der drei Ersten: nach drei Unentschieden gegen Lausanne, einem Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Servette.

Es ist für die Aarauer eben immer noch ein Stück Weg zur Spitze. Aus Sicht des FCW solls dabei bleiben – mit dem Auftritt eines Topteams, das er ja auch sein will.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2019, 23:51 Uhr

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