VfL Wolfsburg

Der neue Anlauf – ohne Schweizer Hilfe

Vor zwei Jahren war der VfL Wolfsburg «Bayernjäger» Nummer 1 und Cupsieger. Im vergangenen Mai rettete er sich erst in einer dramatischen Barrage gegen Nachbar Eintracht Braunschweig vor dem Abstieg. Jetzt sind die «Wölfe» daran, diesen Absturz zu korrigieren. Heute spielen sie auf der Schützi.

Mario Gomez war massgeblich daran beteiligt, dass Wolfsburg den Abstieg aus der Bundesliga verhindern konnte.

Mario Gomez war massgeblich daran beteiligt, dass Wolfsburg den Abstieg aus der Bundesliga verhindern konnte. Bild: Michael Trost

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In diesen Tagen ist der VfL Wolfsburg bereits zum fünften Mal in der Saisonvorbereitung Gast in Bad Ragaz. Aber manche Gesichter sind neu. Der Sportdirektor heisst nicht mehr Klaus Allofs, sondern Olaf Rebbe und ist ein 39-jähriger Newcomer und kein prominenter Altinternationaler. Der Cheftrainer heisst nicht mehr Dieter Hecking, sondern Andries Jonker (55) und ist ein Holländer, der bisher eher als Assistenztrainer bekannt war. Aber Rebbe und Jonker haben im vergangenen Frühjahr eben geschafft, was ihnen die lange Jahr erfolgreichen Allofs und Hecking in ihrer Endphase eingebrockt hatten: Sie bewahrten den VfL, den mit vielen Millionen vom Volkswagen-Werk alimentierten Klub, davor, im 20. Jahr in der Bundesliga abzusteigen. Und das eben nur zwei Jahre nach dem 2. Platz und dem Cupsieg, dem zweiten Titel nach dem Triumph in der Meisterschaft 2009.

Andreas Hilfikers neue Rolle

Wenn sich die «Wölfe» jetzt in Ostschweiz tummeln, tun sie es auch erstmals ohne Schweizer. Torhüter Diego Benaglio, seit Januar 2008 im Verein und Letzter im Kader aus der Meistermannschaft, durfte als langjähriger Captain ablöesefrei nach Monaco wechseln – nachdem er in der vergangenen Saison mehr oder minder demontiert worden war, zugunsten des Belgiers Koen Casteels.

Linksverteidiger Ricardo Rodriguez wurde nach fünfeinhalb Jahren in Wolfsburg für 18 Millionen Euro zur AC Milan transferiert. Nicht mehr auf der Gehaltsliste steht auch dessen kleiner Bruder Francisco, der seit seiner Unterschrift vor zwei Jahren nur acht Bundesligaminuten spielte und danach vorwiegend ausgeliehen wurde. Vorbei ist auch die Zeit des Innenverteidigers Timm Klose, der 2015 in der Cupsiegerelf stand, ein halbes Jahr später aber nach England ging, weil er sich zu wenig berücksichtigt fühlte. Längst nicht mehr ein «Wolf» ist auch Marwin Hitz, der die Nummer 2 hinter Benaglio war – der bisher einzige, der direkt vom FCW in die Bundesliga wechselte.

Nicht in Bad Ragaz ist aber auch Andreas Hilfiker, der Mann, der im Januar 2008 von Felix Magath als Torhütertrainer verpflichtet wurde – mit Benaglio. Hilfiker, mittlerweile 48, kuriert zurzeit die Folgen einer Hüftoperation aus. Aber er wird auch danach nicht zum «Eins» des VfL zurückkehren, er wird Koordinator für die Nachwuchsgoalies im Verein.

Gomez – die Persönlichkeit

Benaglio und Rodriguez weg, aber auch Luiz Gustavo. Der brasilianische «Sechser» ging für zehn Millionen Euro nach Marseille. Von der Prominenz geblieben ist vor allem Mario Gomez (32), der vielfache Altinternationale, der im Frühjahr zu jener Persönlichkeit wurde, welche die Mannschaft im Abstiegskampf mitriss. Eigentlich war er vor einem Jahr gekommen, um mal wieder in der Champions League zu spielen. Jetzt blieb er, obwohl selbst die Europa League ausser Reichweite blieb.

«Ich bin in den vergangenen vier Jahren dreimal umgezogen. Ich möchte nicht zu einem Wandervogel werden. Ich habe mit dem Verein gesprochen und mich schnell von dem Gedanken verabschiedet, dass wir nicht in Europa spielen.» Es sind eben so manche Rechnungen des Duos Allofs/Hecking nicht aufgegangen – mit teuren Neuen wie André Schürrle, Julian Draxler, Max Kruse oder Dante.

Jetzt ist der Innenverteidiger John Anthony Brooks (24), ein US-Nationalspieler von Hertha Berlin neu; oder der brasilianische Rechtsverteidiger William (22) von Inter Porto Alegre; der spanische «Sechser» Ignacio Camacho (27), der aus Malaga kam. Fünf Millionen für William, 17 für Brooks sind die Transfersummen dazu.

Sie sind heute im Kader zu erwarten, wie Gomez, wie der Innenverteidiger Robin Knoche, der Pole Jakub Blaszczykowski oder der harte Mittelfeldspieler Josuha Guilavogui. Nicht da sind die U21-Europameister Maxi Arnold und Yannick Gerhardt. Angeschlagen sind Verteidiger Jeffrey Bruma und Offensivspieler Daniel Didavi. Aus dem Trainingslager abgereist ist der altgediente Aussenverteidiger Christian Träsch.

«Einstelliger Tabellenplatz»

Natürlich ist diesen Tagen bedeutendes Thema, mit welchen Zielsetzungen dieser Grossklub in die Saison nach dem Beinahe-Absturz gehen kann. Von Europacup oder gar Champions League ist keine Rede, so ganz anders als nach dem grossen Frühjahr 2015. Aber auch als vor einem Jahr, als Platz 8 schon als grosse Enttäuschung galt und sich keiner vorstellen konnte, es würde dann gar Platz 16.

Also hat der stärkste Mann um die «Wölfe», VW-Vorstand und VfL-Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz, in diesen Tagen in Bad Ragaz formuliert: «Wir haben eine desolate Saison hinter uns, von der wir uns erholen müssen. Wir haben den Umbruch eingeleitet und ich denke, es ist die Zeit sich zu konsolidieren.» Der Spanier will offensichtlich Management und Mannschaft nicht allzu sehr unter Druck setzen. So fügte er bei: «Wenn wir im ersten Jahr nach dem Umbruch einen einstelligen Tabellenplatz hinkriegen, ist das ein guter Start.»

Das Spiel gegen den FCW ist das dritte in der Vorbereitung des VfL – nach einem 8:0 gegen eine Amateur-Auswahl aus der Region um Wolfsburg und dem 2:0 in Rapperswil-Jona am Dienstag. Am Sonntag fliegen die «Wölfe» von Altenrhein nach Rostock, dort wartet am Montag der Drittligist Hansa. (Der Landbote)

Erstellt: 13.07.2017, 23:11 Uhr

Testspiel

FC Winterthur – VfL Wolfsburg. Schützenwiese, Freitag, 14. Juli, 19.30 Uhr.

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