Winterthur

Der Skorer aus der Stadt Pelés

Silvio spielte einst beim FC Santos, wo der grosse Pelé Karriere machte. In der Challenge League schoss er Tore, wo er wirkte. Ab Montag will er, inzwischen 31, das auch für den FCW tun.

Einen von der Offensivkraft Silvios (rechts) kann der FCW brauchen.

Einen von der Offensivkraft Silvios (rechts) kann der FCW brauchen. Bild: Urs Kindhauser

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Silvio stammt zwar aus Brasiliens tieferem Süden. Sein erster Profiklub aber war der FC Santos aus der grossen Hafenstadt der Region Sao Paulo – und der Verein des wohl besten Fussballers der Geschichte; auf jeden Fall des einzigen, der dreimal Weltmeister wurde. Pelé führte Santos in den frühen 60er Jahren gar zu zwei Siegen im Weltcup. In der Neuzeit ist Neymar der berühmteste Fussballexport des FCS.

Silvio allerdings schoss seine Tore als Jungprofi nicht für das «Eins», sondern fürs B-Team des FC Santos. Entdeckt wurde er gleichwohl, einen Vertrag in Europa, «wohin ich schon immer wollte», wie er heute sagt, erhielt er auch. Der FC Wil gab ihm den, als Silvio 21 wurde. Und die Wiler gaben ihm auch die Zeit, sich zu entwickeln, sich hierzulande einzuleben. Fünf Tore in den ersten anderthalb Jahren waren noch keine Referenz. Das waren erst die elf Treffer in 13 Spielen im Herbst 2007. Wer sich danach meldete, war kein Geringerer als der Schweizer Meister, der FC Zürich. Im Winter ging Silvio auf den Letzigrund, dem FCZ war Raffael durch den Transfer nach Berlin und Eudis durch eine Verletzung abhanden gekommen. Silvio traf unter diesen Umständen nicht, nach ein paar Runden der neuen Saison wurde er ausgeliehen – zurück nach Wil.

Jetzt war er wieder in «seiner» Liga, denn als das stellte sich die Challenge League heraus. In Wil traf er in jener Saison 2008/09 in jedem zweiten Spiel. 2009/10 wurde er nach Lugano ausgeliehen, dort traf er gar noch öfter, 15 mal in 28 Matches. Ein wichtiges Tor war, in der viertletzten Runde, das 2:0 gegen den FCW, der an jenem Montagabend im Tessin seine letzte reelle Chance auf die Barrage hatte. Nach einem fulminanten Konter schoss Silvio, der Ball überquerte zwar die Linie kaum, aber der Schiedsrichter gab Tor. «Ich habs mir im Fernsehen damals genau angeschaut,» sagt Silvio heute lächelnd, «ich denke, er war drin.» Lugano kam dann in die Barrage – und scheiterte an Bellinzona.

Das grosse Jahr mit Lausanne

2010/11 wurde Silvio wieder ausgeliehen, diesmal nach Lausanne. Mit den Waadtländern, mit den Mitspielern Fabio Celestini, Guillaume Katz und Michel Avanzini, erlebte er ein aussergewöhnliches Jahr. Das erste Meisterschaftsspiel endete gleich mit einem 4:0 gegen den ... FCW. Als Challenge-League-Klub, der Cupfinalist gegen Meister Basel gewesen war, stiess Lausanne in der Europa League in die Gruppenphase vor; Silvio schoss in Moskau gegen Grossklub Lokomotive zuerst das fürs Unentschieden entscheidende Tor, danbn traf er auch im Elfmeterschiessen. Am Saisonende stand auch noch der Aufstieg. Silvio hatte in 39 Pflichtspielen, national und international, 20 Tore beigetragen

Dennoch blieb er nicht – ihn reizte, ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages mit dem FCZ, das Angebot von Union Berlin aus der 2. Bundesliga. «Eine schöne Liga mit vielen Zuschauern,» sagt er heute, da er weiss: «Vielleicht wäre es besser gewesen, noch ein Jahr in Lausanne zu bleiben.» Vielleicht wäre die Super League zum (noch) besseren Sprungbrett geworden. Aber an der Alten Försterei in Berlin, wo im Schnitt 20 000 kommen, liefs gut. Es gab zwischendurch selbst Interesse von Hertha Berlin und dem 1. FC Köln aus der Bundesliga. Aber es kam auch eine Verletzung dazwischen, und nach einer guten ersten Saison folgten anderthalb weniger gute Jahre. Also wusste Silvio im Winter 2013/14, «dass ich gehen muss.»

Vor 65 000 in Dortmund

Nun kam die Chance auf die Bundesliga, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Österreich – beim Wolfsberger AC, dem Klub aus einem Ort mit rund 25 000 Einwohnern im Lavanttal in Kärnten. Trainer dort war Didi Kühbauer, ein eher exzentrischer Altinternationaler. Aber unter ihm spielte Silvio, immer wieder auch als zurückhängende Spitze, gut. Ihren Höhepunkt erreichten die Lavanttaler zu Beginn der Saison 2014/15, als sie mit sieben Siegen aus den ersten acht Spielen für ein paar Wochen gar Leader wurden. Als die Salzburger Bullen zum Spitzenspiel kamen, musste der WAC ins (grosse) Wörthersee-Stadion nach Klagenfurt ausweichen. Vor 20 000 Zuschauern gewann er 1:0. Ende Saison war er zwar «nur» noch Fünfter, aber erstmals in seiner Vereinsgeschichte Euroacupstarter.

Zwei Spiele gegen Borussia Dortmund vor einem Jahr waren der Lohn. 0:1 daheim, 0:5 vor 65 000 Zuschauern in Dortmund waren die Ergebnisse. Silvio spielte zweimal 90 Minuten. Ein paar Monate später, der WAC war vom Überraschungsteam der einen zum Tabellenletzten der andern Saison geworden, musste Kühbauer gehen. Für ihn kam ein anderer Altinternationaler, Heimo Pfeifenberger. Der bewahrte den Klub vor dem Abstieg, Silvio blieb Stammspieler.

Zurück in Niederhelfenschwil Aber im Frühjahr entschloss er sich, die Rückkehr in die Schweiz vorzusehen. Denn das eine Kind war schon, das andere kommt nun in die Schule, und seine Frau stammt aus Niederhelfenschwil. Sie hat er zu seiner Zeit in Wil kennengelernt. In Niederhelfenschwil ist die Familie der Frau daheim, in der Gemeinde mit dem längsten aller Namen hierzulande wohnt jetzt auch Silvio wieder mit Frau und Kindern. Natürlich hätte er sich gerne vorgestellt, in der Super League unterzukommen. Das gelang nicht, also blieb der FCW – ein Verein nur eine halbe Fahrstunde von ... Niederhelfenschwil entfernt.

Und dieser FCW braucht eine Offensivkraft mit Silvios Zahlen: Ein Tor in fast jedem zweiten Spiel der Challenge League, das ist sein Schnitt – insgesamt sind es 56 in 121 Matches. Vier davon gegen den FCW. Vielleicht, sagt Silvio, hätte er mehr erreichen können – wenn er eben in Lausanne geblieben wäre. Oder zu einem günstigeren Zeitpunkt beim FCZ gewesen wäre als zwischen Meistertiteln, in denen es nicht so gut lief. Aber vielleicht ist der Mann aus der Pelé-Stadt auch «nur» der klassische Skorer der Challenge League – und damit für den FCW. Unterschrieben hat er für ein Jahr, mit Option auf ein zweites. Der erste Eindruck war erfreulich, auf jeden Fall der eines fitten Mannes, der Tore schiessen, aber auch vorbereiten kann. (landbote.ch)

Erstellt: 22.07.2016, 21:31 Uhr

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