Fussball

Die Kellers sagen Ja zum FCW

Es ist zweifellos eine gute Nachricht: Der FCW hat wieder einen Präsidenten, Mike Keller aus der Familie der Vereinsbesitzer. Das heisst auch: Nach viereinhalb Jahren latenter Unsicherheit ist der finanzielle Besitzstand zumindest gewahrt.

Spiele wie der Cupsieg des FCW über den FC St. Gallen haben die Entscheidung mit beeinflusst.

Spiele wie der Cupsieg des FCW über den FC St. Gallen haben die Entscheidung mit beeinflusst. Bild: Andy Müller (Freshfocus)

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Hannes W. Keller war, von 2001 bis 2015, der Präsident mit der längsten Amtszeit in der über 120-jährigen Geschichte des FCW. Als er abtrat, aber noch für zwei Jahre eine Defizitgarantie sicherstellte und die Aktien des Vereins zu 100 Prozent im Firmenbesitz blieben, sagte der fast ebenso langjährige Geschäftsführer Andreas Mösli: «Wir müssen wieder hungrigere Löwen werden.»

Andere dachten: «Das Ende einer Ära ist auch eine Chance.» Was Mösli meinte: Es sei die Gelegenheit, aus dem Schatten des höchst verdienstvollen, aber auch autokratischen «HWK» zu treten, die Basis zu verbreitern und eben auch den sportlichen Erfolgshunger der «Unaufsteigbaren» zu wecken.

Nach viereinhalb Jahren ist zu sagen: Wirklich hungriger sind die «Löwen» nicht geworden. Der Verein steht zwar in vielerlei Hinsicht besser da, was in den letzten Wochen Anlässe wie der Cupmatch gegen St. Gallen mit 8000 und das Meisterschafts-Spitzenspiel gegen GC mit gar 9000 Zuschauern nachwiesen. Aber diese Zeit war auch geprägt durch die ständige latente Unsicherheit, wie es weitergeht – wenn denn die jungen Kellers als die neuen Exponenten der Besitzerfirma eine neue, womöglich fremde Lösung präsentieren würden. Man konnte diese Lage daran festmachen, dass der FCW ein präsidentenloser Verein war. Das musste nicht zwingend mit führungslos gleichzusetzen sein, zumindest nicht in der täglichen Arbeit. Aber ein Signal war das doch.

Das Spiel, das «berührte»

Jetzt aber haben sich Mike und Tobias Keller zu einer massgeblichen Entscheidung aufgerafft. Sie haben die – oft gewiss enttäuschende – Suche nach neuen Investoren beendet und sich unmissverständlich zum Verein bekannt. Das Ja der Kellers zum FCW ist zum einen sicher auch ein emotionales Bekenntnis zu Verein und Stadt. Die sportliche Entwicklung hat dazu aber auch beigetragen – bis hin zu einem Ereignis wie dem Spiel gegen GC, das ihn «berührt» habe, wie Tobias Keller klar sagt.

Vorbei also ist es nun längerfristig mit den Bedenken, was denn sein werde, wenn der Besitz an ein neues Aktionariat übergehe. Das ist ein bedeutender Schritt. Nimmt man den FCW im neuen Jahrtausend, dann ist Hannes W. Keller die grösste Figur. Er hat den Klub, so deutlich muss man es sagen, ganz einfach gerettet. Ihm verdankt der FCW den Ruf, finanziell solvent zu sein, einfach seriös. Dazu passte das Wirken des früh in der Ära Keller angetretenen Geschäftsführers Mösli, der zum – ebenfalls glaubwürdigen – Gesicht des Vereins wurde. Was in der ganzen Zeit von «HWK» aber blieb: Der FCW wurde, trotz vereinzelter Highlights wie der Cup-Halbfinals 2006 und 2012, nicht zum Synonym für einen sportlich «cleveren» Verein, nicht zum Synonym für einen Winnerclub. Im Gegenteil. Das war das Manko der «Ära HWK».

Kaiser und das Sportliche

Doch in ebendieser Beziehung hat sich der FCW in den vergangenen zwei Jahren gesteigert. Seit Oliver Kaiser Leiter Sport ist, wurden auch langjährige Unklarheiten in der sportlichen Führung beseitigt. Kaiser erwies sich immer mehr als Talent. Eine gute, sehr zielsichere Transferpolitik, vor allem im Sommer 2018, war Beweis. Mit der Trainerwahl Ralf Looses hatte Kaiser – das sagt er selbst – Glück. Dass der Dortmunder aus Vaduz so gut passen würde, konnte man nicht wissen. Und man wüsste es heute noch nicht, hätte nicht der eigentliche Kandidat Nummer 1 abgesagt. Thomas Stamm, ehedem FCW-Spieler, seit ein paar Jahren in Diensten des SC Freiburg.

Die tägliche Arbeit auf der Schützenwiese wird vom altgedienten Personal fortgeführt – mit einem neuen Präsidenten, der einen neuen Vizepräsidenten im Haus hat, der ihn im Alltag von vielen Arbeiten entlasten wird, die er kennt. Schliesslich war Roland Gnägi (65) jahrelang – und bis in die Challenge League – Präsident des FC Gossau. Vorher war er doch tatsächlich Schiedsrichter, bis in die Nationalliga notabene. Auf der Schützi ist er seit rund einem Jahr präsent.

Wenn es um die in der Regel bedeutendste Personalie, um die Trainerfrage, geht, dann wird diese vom Präsidenten entschieden. Das Vorschlagsrecht hat Kaiser, der Sportchef. Sieht man die aktuelle Lage, kann man sich kaum etwas anderes vorstellen als dies: Zum geeigneten Zeitpunkt schlägt Kaiser eine Vertragsverlängerung vor und stimmt der Verwaltungsrat zu.

Die Voraussetzungen für eine gedeihliche Zukunft sind also erfreulich. Allein, es fragt sich, ob Möslis Löwen wenigstens mit ein paar Jahren Verspätung «hungriger» sein werden – also auf dem Platz, womöglich gar im Kampf um eine Rückkehr in die Elite. Als der FCW, vor 35 Jahren, letztmals dort spielte, hiess sie noch Nationalliga A. Der Super League gehörte er noch nie an.

Dafür wird massgeblich sein, dass auf der Schützi so gut weitergearbeitet wird wie zuletzt. Aber eben auch, dass in der zweiten «Ära Keller» gelingt, was in der ersten zu wenig oder gar nicht angestrebt wurde: die finanzielle Basis zu erweitern, über die Garantien des Besitzerhauses hinaus. Das ist die Herausforderung der neuen Zeit. Dann könnte am Ende gar der Aufstieg eines Vereins stehen, der sein Potenzial eben wieder mal andeutete mit den 8000 gegen St. Gallen und den 9000 nach einem Regentag gegen GC.

Erstellt: 19.11.2019, 22:32 Uhr

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