FCW 1967/68

Die letzte schöne Feier

1967/1968 war ein besonderes Jahr in der Geschichte des FCW – mit der ersten Qualifikation für den Cupfinal und dem souveränen Aufstieg. Der «Landbote» erinnert(e) während der Saison 2017/2018 chronologisch an die Zeit vor 50 Jahren.

Das FCW-Kader 1967/68. Stehend, von links: Franco Caravatti, Manfred Odermatt, Jürg Fehr, Fritz Kehl, Harald Welter, Hilmar Zigerlig, Hansueli Havenith, Werner Frei. Kniend von links: Max Meili, Ernst Rutschmann, Herbert Dimmeler, Timo Konietzka, Max Oettli, Bernhard Allemann, Peter Gysin.

Das FCW-Kader 1967/68. Stehend, von links: Franco Caravatti, Manfred Odermatt, Jürg Fehr, Fritz Kehl, Harald Welter, Hilmar Zigerlig, Hansueli Havenith, Werner Frei. Kniend von links: Max Meili, Ernst Rutschmann, Herbert Dimmeler, Timo Konietzka, Max Oettli, Bernhard Allemann, Peter Gysin. Bild: Verlag Tip AG

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Es war mehr eine Exhibition, eine allseitige Aufstiegsfeier, als nochmals ein harter Kampf der beiden besten Teams dieser Nationalliga-B-Saison 1967/1968. Denn es war ja bekannt, dass der FCW nach nur einem Jahr in die Nationalliga A zurückkehren würde – und dies als Meister der Nationalliga B. Es war seit einer Woche auch klar, dass der FC St. Gallen nach 18 Jahren in der Zweit- oder gar Drittklassigkeit wieder mal einen Platz in der Elite erhalten würde.

Gegen 8000 Zuschauer kamen an diesem 9. Juni, einem Sonntagnachmittag, in Feierlaune auf die Schützenwiese. Sie sahen den FCW, der beim 4:0 im Hinspiel im Dezember im nebelverhangenen Espenmoos seine beste Saisonleistung in der Meisterschaft geboten hatte, nochmals in bester Besetzung. Einzig Goalie Franco Caravatti fehlte wegen eines Armbruchs, also durfte Werner Frei mit 24 Jahren erstmals von Beginn an vor eigenem Publikum spielen. Das war demnach die Elf: Frei; Kehl, Havenith, Zigerlig, Fehr; Meili, Odermatt, Dimmeler; Rutschmann, Konietzka, Oettli. St. Gallens Spielertrainer René Brodmann blieb auf der Bank, zu sehen war immerhin der Fürther Herbert Renner, mit 15 Toren bester Skorer des Clubs.

Kein Rekord – kein Europacup

Renner war damit gleichauf mit Max Meili und die Nummer 4 der Skorerliste. Angeführt wurde sie, mit weitem Abstand, von Timo Konietzka. Sollte er an diesem Tag zweimal treffen, hätte er den Ligarekord des FCZlers Ledio Zanetti egalisiert. Der stand seit 1947 bei 36 Toren. Aber Timo traf nicht, er wirkte an diesem Tag auch nicht so ehrgeizig wie üblich. Als er einmal doch gut schoss, wehrte Goalie Alex Nussbaumer brillant ab. Ein andermal flog ein Ball Ernst Rutschmanns an die Latte. Das Tor des Tages erzielte nach einer Stunde Herbert Dimmeler mit prachtvollem Weitschuss. Das 1:0 war ein verdienter Sieg für den FCW, der auch bei letzter Gelegenheit nachwies, in dieser Saison die beste Mannschaft der Liga zu sein.

Für die Winterthurer war diese sehr geglückte Saison nach der Meisterfeier nicht ganz vorbei. Denn noch immer hatten sie die Chance, als geschlagener Cupfinalist in den Europacup nachzurücken. Die Lage in der Nationalliga A war nach 26 Runden einmalig: Der FC Zürich, die Grass­hoppers und Cupsieger Lugano beendeten die reguläre Meisterschaft punktgleich. Zwar hatte der FCZ das beste Torverhältnis, aber damals wurden noch Entscheidungsspiele herangezogen. Es folgte also eine Dreierpoule mit drei Spielen auf neutralen Terrains.

Zuerst schlug der FCZ im Wankdorf GC durch frühe Tore Pirmin Stierlis und Fritz Künzlis 2:0. Damit waren die Grasshoppers schon eliminiert, weil sie mit ihrer Tordifferenz nicht mehr am Stadtrivalen vorbeikommen konnten. Dennoch waren sie gut genug, eine Woche später in Lausanne dank zwei Toren des Schweden Ove Grahn Lugano 2:1 zu schlagen – und damit die Meisterschaft zu entscheiden. Für den FCZ, gegen Lugano – und auch gegen den FCW, der nun also ein ganz gewöhnlicher Aufsteiger in die Nationalliga A war.

Die Vorbereitungen auf der Schützenwiese waren auch schon angelaufen. So wurde bekannt, die Eintrittspreise würden angehoben. Das Billett für einen Stehplatz sollte künftig fünf Franken kosten, eines für die Estrade sieben und eines für die gedeckte Tribüne zehn! Heute sind die Preise diese: 18 und 30 Franken. Aber auch Stehplätze sind heutzutage ja gedeckt.

Was auch noch anzumerken war: Mit welch knappem Kader Trainer René Hüssy auskam. Nachdem er – Mitte September und nach zähem Start – mit der Hereinnahme der 19-Jährigen Max Oettli und Ernst Rutschmann einen guten Glücksgriff getan hatte, wechselte er nur noch in absoluten Notfällen. Caravatti; Kehl, Zigerlig, Havenith, Fehr; Odermatt, Dimmeler; Meili, Rutschmann, Konietzka, Oettli war in der 7. Runde erstmals die Startaufstellung – sie war es ein halbes Jahr später auch im Cupfinal.

Timo – wieder das erste Tor

Auf dem Transfermarkt tat sich dann nicht viel. Aus dem Aufstiegskader kehrte Harald Welter, der erste Ersatzverteidiger, zu Tössfeld zurück; Routinier Carlo Rognoni, der sich früh verletzte und später nur noch in den Reserven spielte, ging wieder zu GC. Fritz Kehl, mit 31 Jahren der Älteste im Aufgebot, hatte seinen Rücktritt angekündigt. Als der FCW dann Mitte August gegen Vizemeister GC zum ersten Match in der Nationalliga A antrat, begannen nur drei Neue: Hans Bosshard von YF war Nachfolger Kehls, Bruno Lüthi war aus Lausanne gekommen, Roland Wolf aus Schaffhausen. Caravatti; Bosshard, Havenith, Zigerlig, Fehr; Odermatt, Dimmeler; Rutschmann, Lüthi (für den verletzten Meili), Konietzka, Wolf – das war die erste Startelf. Oettli erkämpfte sich dann seinen Platz von Wolf zurück, Caravatti verlor seinen im Herbst an Werner Frei. In Misskredit gebracht hatte ihn eben auch ein Ausraster im Heimspiel gegen die Young Boys, das zum Skandal ausartete.

Gegen GC übrigens gings auch in anderer Beziehung weiter wie in der Nationalliga B: Konietzka schoss das erste Saisontor, Odermatt das 2:0 – GC verlor 1:2. Mit einem 2:1 gegen die AC Bellinzona in der letzten Runde hielt der FCW den Platz in der National­liga A. Die Fortsetzung ist bekannt: So lange wie nie blieb er oben. 1974 fehlte ihm im Fernduell mit Servette nur ein Törchen für einen Platz im Uefa-Cup, 1975 ging der zweite Cupfinal, gegen den FC Basel, in der Verlängerung verloren. Aber dann, nach fünf Jahren unter Willi Sommer, gings rasch abwärts: Nur zwei Jahre später war der FCW, was er seither fast immer ist – ein B-Club. Umso leuchtender sind die Erinnerungen an jene «goldenen Jahre», die 1967/ 1968 begannen.

Die Namen zu einem goldenen Jahr

Franco Caravatti (Jahrgang 1943): Der impulsive Tessiner rutschte bald auf die Ersatzbank und kehrte 1969 über den Gotthard zurück.

Werner Frei (1944): Er löste im Tor Caravatti ab, bis ihn – im Herbst 1970 – der neue Trainer Willy Sommer durch Hans Küng ersetzte. Als der 1975 zu Xamax ging, war Frei wieder die Nummer 1 – und hielt den FCW vor seinem Rücktritt 1976 nochmals oben.

Fritz Kehl (1937): Er beendete 1968 seine Nationalligakarriere, war später mal noch beim FC Wil.

Hilmar Zigerlig (1946): Noch vier NLA-Jahre verteidigte er auf der Schützi, 1972 holte Timo Konietzka auch ihn zum FCZ. Dort war er fünf Jahre lang Stammspieler, dreimal Meister, zweimal Cupsieger und Meistercup-Halbfinalist 1977. Später trainierte der Goldschmied aus Montlingen in Zürich jahrelang den FC Altstetten.

Hansueli Havenith (1944): Noch ein NLA-Jahr machte der Zürcher mit dem FCW, dann ging er zu den Young Boys.

Jürg Fehr (1943): Bis 1973 war er der konstante Linksverteidiger des FCW. Dann führte er in Seuzach viele Jahre ein Elektrogeschäft. Und in Seuzach war er auch prominentes Gründungsmitglied des FC.

Manfred Odermatt (1940): Eine der grossen – wegen ihrer Glatze auch optisch unverkennbaren – Figuren in der Vereinsgeschichte, anderthalb Jahrzehnte im «Eins», Schütze des Tores, das den FCW 1968 in den Cupfinal brachte. Später brachte er Gossau als Trainer in die Nationalliga B. Seine Zeit als Coach auf der Schützi war danach – enttäuschend für ihn – nur kurz. Heute Pensionär mit Saisonkarte bei Bayern München.

Herbert Dimmeler (1942): Der Inbegriff des torgefährlichen Mittelfeldspielers. Acht Jahre Stammspieler, im letzten Torschützenkönig. Das war 1971/1972 mit 17 Treffern zusammen mit Servettes Deutschem Bernd Dörfel, ein Tor vor Ottmar Hitzfeld und Fritz Künzli. Mit dieser Vorgabe ging er zu GC, aber nach einem – enttäuschenden – Jahr wars vorbei. Anfang des neuen Jahrtausends kurze Zeit – vor der «Ära Keller» – im FCW-Vorstand.

Ernst Rutschmann (1948): Zuerst Flügelstürmer, später defensiver Mann für die Flanke. Nach drei NLA-Jahren auf der Schützi nahm ihn Konietzka als ersten mit zum FCZ. Dort wurde er in sieben Jahren je dreimal Meister und Cupsieger, ebenfalls Halb­finalist im Meistercup und, unter Nationalcoach René Hüssy, neunfacher Internationaler. Später in Wettingen und knapp zwei Jahre Trainer des FCW, als der er 1988 durch Otto Luttrop abgelöst wurde, obwohl er die Mannschaft – auf Kosten von Luttrops FC Olten – in der NLB gehalten hatte.

Max Meili (1946): Das «FCW-Faktotum», als Einziger in beiden Cupfinals im Einsatz. Bis 1976 beim FCW, danach – mit Odermatt und Oettli – in Gossau. Auch wegen seines Wirkens für Haldengut eine stadtbekannte Figur; als Einziger aus jener Zeit noch regelmässig im Stadion.

Max Oettli (1948): Er debütierte, als Linksaussen, eine Woche vor Ernst Rutschmann. Auch er war 1975 noch im Kader, im Rückspiel des Cuphalbfinals gegen YB gar im Teileinsatz, aber nicht im Final. Später bei Gossau und Frauenfeld – und Trainer in Seuzach.

Timo Konietzka (2. August 1938 – 12. März 2012): Er legte von 1967 bis 1971 den Grundstein für die letzte grosse Zeit des FCW. Dann sieben Jahre, zuerst gar als Spielertrainer, Titelsammler mit dem FCZ. Als Schütze des ersten Bundesligatores überhaupt – 1963 für Borussia Dortmund in Bremen – eine Legende auch in Deutschland.

René Hüssy (19. Oktober 1928 – 11. März 2007): Sieben Jahre war er, von 1963 bis 1970, FCW-Trainer – ein Rekord.

Erstellt: 08.06.2018, 21:50 Uhr

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