Fussball

Die Liga der Arbeiter

Das 2:2 gegen die Grasshoppers, den «Riesen» der Challenge League, ist für den Saisonstart des FC Winterthur typisch: Es ist ordentlich bis gut, aber nicht so gut, wie möglich gewesen wäre.

Nach dem 2:2 gegen Uli Fortes GC beobachtet FCW-Trainer Ralf Loose die nächsten zwei Gegner.

Nach dem 2:2 gegen Uli Fortes GC beobachtet FCW-Trainer Ralf Loose die nächsten zwei Gegner. Bild: Andy Müller (Freshfocus)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Freitag holte Trainer Ralf Loose mit dem FCW einen Punkt beim Aufstiegsfavoriten Grasshoppers. Also konnte er mit einem guten Gefühl das Wochenende nutzen, die nächsten Gegner zu beobachten. Am Samstag sah er den SC Kriens, zu dem der FCW am kommenden Wochenende in der Meisterschaft reist. «Es war», sagte Loose nach der 0:2-Niederlage der Luzerner in Wil, «ein für diese Liga typisches Spiel. Kriens verlor, aber der Match hätte auch auf die andere Seite kippen können. Kleine Dinge sind es, die oft entscheiden.»

Gestern fuhr Loose dann nach St. Gallen und machte sich dort seine Notizen, als die Ostschweizer Lugano nach einem frühen Rückstand noch 3:2 schlugen. Es war ihr letzter Auftritt, bevor sie in drei Wochen im Cup auf die Schützenwiese kommen. Das ist eine ziemlich lange Zeit, und die bringt man nach einem so wichtigen Sieg wesentlich leichter hinter sich. Vor allem auch ohne Trainerdiskussionen.

Erst zweimal besser

Hätten die St. Galler nämlich verloren, wäre von einem Fehlstart zu sprechen gewesen, wären sie nach Minuspunkten Letzter gewesen. Der Start des FCW ist nach dem Remis im Letzigrund, nach dem vierten Punktgewinn im fünften Ligaspiel (mit einem sicheren Erfolg im Cup dazu), als absolut ordentlich zu bezeichnen. Schief in der Landschaft steht nur das 0:6 gegen Lausanne. Aber wenn man sieht, wie die Waadtländer seither aufgetreten sind, dann wird selbst diese Kanterniederlage relativiert. Der Beinahe-Aufsteiger Aarau wurde am Samstag noch klarer weggespielt als der FCW. Mit dem 5:1 war er gut bedient.

Acht Punkte aus fünf Spielen und die Leistungen dazu sind für den FCW zwar nicht ganz das, was man sich nach guter Vorbereitung und spielerisch starkem Auftritt beim 1:1 im Startspiel gegen Aarau erhofft hatte. Aber es ist doch gut, wie die Mannschaft in ihrer wegen der gewichtigen Absenzen vor allem der beiden Leader Sead Hajrovic und Davide Callà und in der heiklen Lage nach dem Debakel gegen Lausanne reagiert hat. 1:0 in Vaduz, souverän 3:0 im Cup gegen YF Juventus und nun 2:2 gegen GC sind Signale für eine gewisse mentale Stabilität. Für den Willen, auch gegen Widerstände anzugehen. In die jüngere Geschichte eingeordnet, sind diese acht Punkte so zu sehen: Seit 2012 die Zehnerliga eingeführt wurde, holte der FCW nur zweimal mehr Punkte, 2012/13 zwölf, 2014/15 zehn. Sonst waren es weniger, auch im ersten Jahr unter Loose waren es «nur» sieben.

Fragen zur Doppelsechs

Den achten Punkt der Saison, eben gegen GC, wertet der Trainer auch im Nachhinein wie schon gleich nach Spielschluss: «Natürlich wäre mit diesem Spielverlauf mehr möglich gewesen. Aber das 2:2 war gut – wenn man alle Umstände berücksichtigt.» Die werden zumindest teilweise ja auch in Kriens noch dieselben sein, ohne Hajrovic und Callà. Loose ist ja schon froh, Granit Lekaj nach langer Pause zurückzuhaben. Obwohl Lekaj beim zweiten Ausgleich von GC überlaufen wurde, lobt Loose: «Es ist erstaunlich, wie er in diesen ersten drei Spielen nach seiner Verletzung gleich wieder auftrat.»

Natürlich könnte der Match im Letzigrund den Trainer zur einen oder anderen Überlegung zur Aufstellung veranlassen. Beispielsweise könnte man auf individuelle (Form-)Schwächen etwa von Rechtsverteidiger Nils von Niederhäusern oder Luca Radice reagieren. Das mögen Momentaufnahmen sein. Grundsätzlicher sind die Fragen zur neuen Doppelsechs. Gjelbrim Taipi ist als neuer Partner Ousmane Doumbias zweifellos ein weiterer guter Spieler für den FCW. Aber er ist nicht dieselbe Idealbesetzung neben dem Ivorer wie sein Vorgänger Remo Arnold. Der war die defensivere Ergänzung zu Doumbia, und das ging besser auf als – zumindest bisher – mit dem offensiver ausgerichteten Taipi. Der ist spielerisch zwar besser. Er zeigte sich mit 11,5 Laufkilometern gegen GC auch erfreulich einsatzbereit. Aber seine Präsenz in der Defensivarbeit ist weniger gut als die Arnolds. Neben ihm droht sich Doumbia selbst zu überfordern, weil er meint, alles machen zu müssen. Aber das kann die Zeit ja noch ändern.

Immerhin, ein Fortschritt ist, dass der FCW die Elfmeter wieder verwertet. Mit drei Nieten in den ersten drei Spielen (zweimal von Taulant Seferi, einmal von Roberto Alves) war er ins Frühjahr gestartet, jetzt hat Luka Sliskovic schon dreimal getroffen – und stets wars wichtig. Wie wichtig Details oder einzige Fehler sind, wie eng die Dinge in dieser Liga, zeigt sich auch daran: Obwohl er erst einmal verloren hat, liegt der FCW vor der Fahrt nach Kriens nur vier Punkte vor dem Letzten aus Chiasso. Und mit dem ist der ehedem doch so hoch gehandelte FC Aarau gleichauf. Das Leben in dieser Liga ist eben in erster Linie etwas für zähe Arbeiter.

Erstellt: 25.08.2019, 23:12 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.